Frauenfußball

Diesmal hat bei den DFB-Frauen alles gepasst

Komm in meine Arme: Lena Lotzen freut sich mit Bundestrainerin Silvia Neid.
Komm in meine Arme: Lena Lotzen freut sich mit Bundestrainerin Silvia Neid.
Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Etwas weniger kann manchmal mehr sein: Der Rahmen bei der Europameisterschaft in Schweden war familiärer und kleiner als der der im Vorfeld so überfrachteten WM 2011 in Deutschland. Direkt holte Silvia Neids Team den Titel. Ein Kommentar.

Essen.. Eingefleischte Anhänger des Frauenfußballs behaupten schon lange, keine Position sei so wichtig wie die der Torhüterin. Nach dieser EM in Schweden dürfen sie sich bestätigt fühlen: Nadine Angerer, die deutsche Torfrau, war die Beste zwischen den Pfosten. Dass sie der DFB-Elf im Finale gegen Norwegen mit zwei gehaltenen Elfmetern den Titel nahezu im Alleingang gesichert hat, sagt alles.

Nadine Angerer wechselt für je ein Jahr nach Australien und in die USA

Ein Wort noch zu Angerer, denn was sie verkörpert, ist das Pfund, mit dem der Frauenfußball wuchern kann: Sie ist ein Typ. Sie fällt auf, sie muckt auf, sie ist schräg und unangepasst. Angerer hat sich ihre Vereine nie nur nach der Höhe des Gehaltsschecks ausgesucht und sie wechselt nun, kurz vor Karriereende, für je ein Jahr nach Australien und in die USA. Es geht um neue Horizonte. Und wenn sie danach ihre Laufbahn beendet, wird sie der DFB-Auswahl fehlen.

Tatsächlich hat der Frauenfußball auf keiner Position so großen Nachholbedarf wie im Tor. Auf dem Feld, auch das hat diese EM bewiesen, sind die Besten eng beieinander. Das Spiel ist schnell geworden, ob in Deutschland, in Norwegen oder Spanien. Es ist auch taktisch überall auf hohem Niveau angekommen – und Hand aufs Herz: Besser als Celia Okoyino Da Mbabi und Anja Mittag das entscheidende 1:0 gegen Norwegen heraus gespielt haben, kann man es nicht machen.

Was also wird bleiben von dieser EM, wenn der Jubel über den achten deutschen Titel abgeebbt ist? Im Bundesliga-Alltag vermutlich nicht viel, die frischgebackenen Europameisterinnen werden sich wohl oder übel wieder an kleine vierstellige, mitunter traurige dreistellige Kulissen gewöhnen müssen. Aber was ihnen niemand nehmen kann: Sie bringen ein Millionenpublikum hinter sich, wenn es um eine EM oder eine WM geht.

Dazu passt, dass etwas weniger manchmal etwas mehr sein kann. Der EM-Rahmen in Schweden war familiärer und kleiner als der der im Vorfeld so überfrachteten WM 2011 in Deutschland. Und nicht nur, weil Silvia Neids Team diesmal dem Druck standgehalten und den Titel geholt hat, gilt: Es hat alles gepasst.

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