DFB-Elf um Rang drei gegen England

Daheim wird nach dem verpassten WM-Endspiel erste Kritik an der Bundestrainerin laut, bei den deutschen Fußballerinnen hellte sich mit dem Umzug nach Edmonton und einem Ständchen für Annike Krahn die Stimmung wieder etwas auf.

Edmonton.. Torwarttrainer Michael Fuchs hielt nach dem Einzug ins Teamhotel "Westin Edmonton" eine launige Rede zum 30. Geburtstag der Verteidigerin. Damit zauberte er den frustrierten und traurigen Spielerinnen nach dem bitteren 0:2-Halbfinal-Aus gegen die USA wieder ein Lächeln in die übermüdeten Gesichter. Selbst Celia Sasic, wegen ihres verschossenen Elfmeters gegen die USA die tragische Figur, schaute schon etwas optimistischer drein.

Beim Abendessen waren auch das Trainerteam um Silvia Neid und DFB-Managerin Doris Fitschen wieder dabei, nachdem sie sich nach der Ankunft in Edmonton im Commonwealth-Stadion das zweite Halbfinale zwischen Titelverteidiger Japan und dem Überraschungsteam aus England angeschaut hatten. So erlebten sie live, wie der Halbfinal-Novize von der Insel dem WM-Titelverteidiger Japan äußerst unglücklich mit 1:2 (1:1) unterlag. Ausgerechnet ein Eigentor von Laura Bassett in der Nachspielzeit (90.+2) besiegelte die Niederlage der "Three Lionesses", die mehr als ein gleichwertiger Gegner waren. Dennoch kommt es am Sonntag im Endspiel in Vancouver nun zur Neuauflage des WM-Finals von 2011 zwischen Japan und den US-Girls.

Fara Williams (40./Foulelfmeter) hatte die japanische Führung durch einen unberechtigten Strafstoß von Spielführern Aya Miyama (33.) zunächst ausgeglichen. Danach hatte England noch Riesenchancen zum Siegtor, ehe Basset der fatale Fauxpas unterlief und sie den Ball ins eigene Netz bugsierte. Trainer Mark Sampson versuchte sie mit einem dicken Lob zu trösten. "Laura hat die Mannschaft durch das Turnier getragen. Sie war mutig und stark, hat das Team zusammengehalten. Sie wird als Heldin in Erinnerung bleiben", meinte der Waliser.

"Die Engländerinnen haben im Turnierverlauf gezeigt, dass sie eine sehr gute Mannschaft sind. Trotz der Niederlage werden sie selbstbewusst gegen uns antreten", sagte DFB-Innenverteidigerin Krahn über den Gegner im Spiel um Platz drei am Samstag (22.00 Uhr MESZ/ARD) in Edmonton. Die Neid-Elf dürfte zwar als leichter Favorit ins kleine Finale gehen, aber leicht wird das nicht. Dabei ist die Bilanz vielversprechend: Von 20 Vergleichen gewann Deutschland 18, noch kein Länderspiel gegen England ging verloren. Im EM-Finale 2009 in Helsinki triumphierte das deutsche Team mit 6:2.

Während die DFB-Elf am Donnerstag die Vorbereitung auf den angestrebten "guten WM-Abschluss" (Neid) mit einem morgendlichen Spaziergang und einer Übungseinheit am Nachmittag im Clark-Stadion aufnahm, formierten sich in der Heimat die Neid-Kritiker.

"Man hat bei dieser Weltmeisterschaft gesehen, dass, wenn es ernst wird, andere Mannschaften inzwischen ein Stück weiter als die deutsche sind", sagte Ralf Kellermann, Trainer des VfL Wolfsburg, der "Braunschweiger Zeitung" und dachte an die USA, Japan oder Frankreich. Diese Teams "finden, auch wenn sie unter Druck geraten, fast immer spielerische Lösungen und agieren sehr viel variabler und flexibler."

Und Colin Bell, Coach von Champions-League-Sieger 1. FFC Frankfurt, schreibt in seiner Kolumne in der "Rhein-Zeitung": "Natürlich darf man nicht immer den Titel erwarten, insgesamt ist die Mannschaft aber unter ihren Möglichkeiten geblieben. Alle Spielerinnen haben bei den Top-Klubs der Bundesliga in den vergangenen Jahren taktisch eine enorme Entwicklung genommen, bei der WM aber ihr Potenzial zu selten ausgeschöpft. Alle beherrschen mehrere Systeme, am Ende hat aber auch ein Plan gefehlt, der auf den jeweiligen Gegner ausgerichtet war."

Deutliche Kritik aus der Bundesliga an Neid, die ihren Rückzug für 2016 nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro angekündigt hatte und bis dahin weitermachen will. Doch in der Tat bleiben bei näherer Betrachtung der WM Fragen offen, die vor allem die starre taktische Ausrichtung, aber auch die teils unbefriedigenden Vorstellungen von Spielerinnen betreffen, die eigentlich mehr können. Völlig unverständlich bleibt, warum die Bundestrainerin beim 0:1-Rückstand gegen die USA 20 Minuten vor dem Ende nicht risikofreudiger reagierte und ihr Wechselkontingent ausschöpfte.