4:0 gegen Thailand - DFB-Frauen arbeiten sich ins Achtelfinale

Melanie Leupolz (3.v.l.) wird nach ihrem Tor zum 1:0 für Deutschland von den Teamkolleginnen bejubelt.
Melanie Leupolz (3.v.l.) wird nach ihrem Tor zum 1:0 für Deutschland von den Teamkolleginnen bejubelt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die DFB-Frauen haben Thailand bei der WM in Kanada mit 4:0 besiegt. Vor allem zu Beginn hatten sie jedoch ihre liebe Mühe mit dem Gegner.

Winnipeg.. Normalerweise braucht es im Winnipeg-Stadium einen Touchdown oder ein Field Goal der Blue Bombers, damit ein sportbegeistertes Publikum auf den dunkelblauen Plastiksitzen in Wallung gerät. Derzeit ist die Spielstätte, an der allerorten aus Verbundenheit zum örtlichen Football-Team ein blaugerändertes "W" an den Fassaden prangt, ganz auf die Frauen-WM getrimmt. Zur Aufführung kam am Montag nun ein schnöder 4:0 (1:0)-Pflichtsieg der deutschen Nationalmannschaft gegen den Neuling Thailand, wobei dieses Gruppenspiel nicht annähernd an die vor drei Tagen hier erzeugte Stimmung beim Klassiker USA gegen Schweden heranreichte.

Frauenfußball-WM Im Gegensatz dazu gab es für Eintrittsgeld auch Tore: Der Pausenführung von Melanie Leupolz (24.) folgten im zweiten Durchgang noch Treffer von Lena Petermann (56. und 58.) und Sara Däbritz (73.). Doch das Resultat täuschte aus deutscher Sicht über viele Unzulänglichkeiten gerade in der ersten Halbzeit hinweg.

Neid ließ gegen Thailand kräftig rotieren

Das Ergebnis auf dem Campus der University of Manitoba hatte aber für den Europameister den netten Nebeneffekt, dass damit gleichzeitig der Gruppensieg geglückt ist. Norwegen brachte gegen die Elfenbeinküste im Parallelspiel 2500 Kilometer östlich in Moncton nur einen 3:1 (1:0)-Erfolg zustande. Dank der klar besseren Tordifferenz bestreitet die DFB-Auswahl nun ihr Achtelfinale wieder in der lieb gewonnenen Hauptstadt Ottawa. Gegner wird am Samstag ein Dritter der Gruppen A, C oder D sein – der Kontrahent steht noch nicht fest. Doch darüber möchte Silvia Neid auch nicht spekulieren. „Wir machen uns da gar nicht so viele Gedanken“, sagt die Bundestrainerin, „wir nehmen es so, wie es kommt.“ Ein mögliches Viertel- und Halbfinale würde dann in der Olympiastadt Montreal ausgetragen, die ja viel mehr Charme als die Provinzhauptstadt Winnipeg ausstrahlen soll.

Marozsán Neid hatte ihre Ankündigung wahr gemacht und sich zu einer radikalen Rochade entschieden. Gerade einmal vier Akteure aus der Norwegen-Partie verblieben noch in der Startelf: Torhüterin Nadine Angerer, Abwehrchefin Annike Krahn, Strategin Dzsenifer Marozsan und Torjägerin Celia Sasic bildeten die verbliebene Achse. Aber erklärten die vielen Wechsel drumherum, warum der deutsche Auftritt über weite Strecken so unrund lief?

Petermann mit sehenswertem Doppelpack

Immer wieder brachte sich der Weltranglistenerste mit unpräzisen Aktionen selbst aus dem Rhythmus. Dazu kam eine ungenügende Chancenverwertung, die in der verschluderten Marozsan-Gelegenheit mit Pausenpfiff gipfelte. Es bedurfte schon einer Koproduktion zweier Akteure vom Meister FC Bayern, um überhaupt mit einer Führung in die Kabine zu kommen: Nach Ecke von Melanie Behringer war Namensgefährtin Leupolz mit einer Kopfball-Bogenlampe erfolgreich. Ansonsten tat der zweite Anzug alles, um Thailands Torhüterin Warapom Boosing gut aussehen zu lassen.

Neid reagierte auf die unbefriedigende Darbietung mit zwei Wechseln, die zwei ihrer prominentesten Protagonisten betrafen: Die wirkungslose Celia Sasic und die harmlose Marozsan machten Platz für Anja Mittag und Lena Petermann. Und gerade letztere nutzte ihr viertes Länderspiel zu einem sehenswerten Doppelpack: Die 21-Jährige vom SC Freiburg bewies gleich zweimal Köpfchen und brachte den Ball nach Flanke von Bianca Schmidt und einer weiteren Behringer-Ecke über die Linie. Klar, dass sich die bis vergangenen Sommer in Florida lebende Stürmerin über diesen Doppelpack immens freute. Genau wie später Däbritz beim 4:0-Endstand, wobei auch da die unverbraucht auftrumpfende Petermann beteiligt war. Sie ging im Grunde in einem erwartet einseitigen Duell als einzige uneingeschränkte Gewinnerin im deutschen Team durch.