Von Schlummer-Wolke 7 zur Arena
22.06.2010 | 21:00 Uhr 2010-06-22T21:00:00+0200Düsseldorf. Assani Lukimya-Mulongoti will sich bei der Fortuna durchsetzen. Gelockt hat ihn das Stadion.
Assani Lukimya-Mulongoti blickt auf die silbrig glänzende Verkleidung der Arena. Und zaubert auf sein Gesicht ein Lächeln. Das sagt ohne Worte, dass der 24-jährige neue Innenverteidiger der Fußball-Fortunen mit seiner Unterschrift unter den Zweijahresvertrag alles richtig gemacht zu haben scheint. „Das Stadion“, gibt der Nationalspieler der Demokratischen Republik Kongo unumwunden zu, „hat mich schon sehr gelockt.“ Und natürlich die prächtige Atmosphäre der zuletzt 28 007 Fans pro Heimspiel.
Vielleicht zahlt sich dieser materielle Trumpf, den der Zweitligist im Vergleich zu manchem Konkurrenten in der Hand hält, in der kommenden Saison aus. Trainer Norbert Meier lobte seinen Neuzugang jedenfalls schon einmal in hohen Tönen: „Assani war in der vergangenen Saison der beste Innenverteidiger der Dritten Liga.“ Beim FC Carl Zeiss Jena.
Eine nicht unerhebliche Lücke ist zu schließen
Nun ist der robuste 1,90-Meter-Abwehrrecke da. Und mit ihm die Hoffnung, jene nicht gerade unerhebliche Lücke in der rot-weißen Deckung zu schließen, die Bamba Anderson (zu Borussia Mönchengladbach) gerissen hat. „Er hatte unerwartet eine Riesensaison. Genauso wünsche ich mir das auch“, sagt Lukimya-Mulongoti. Und lächelt. Weil er genau weiß: Für dieses Ziel wird er hart arbeiten müssen.
Seine persönliche Geschichte ist bewegend. Der Vater, ein Musiker, wanderte mitsamt dem Sohnemann 1994 aus. Ging mit seiner Gitarre nach Berlin, spielte dort in einer Band. Vor 16 Jahren galt „DRC“, die heutige afrikanische Abkürzung für das frühere Zaire, unter dem damaligen Diktator Joseph Mobutu als Unruheherd. Das mit Bodenschätzen gesegnete, flächenmäßig drittgrößte Land des schwarzen Kontinents mit derzeit 66 Millionen Einwohnern firmierte von 1971 bis 1997, dem Sturz Mobutus, unter dem Namen Zaire.
Die sportlichen Höhepunkte liegen fast vier Jahrzehnte zurück. Etwa der Fußball-WM-Start im Sommer 1974 in Deutschland. Oder der „Rumble in the jungle“ am 30. Oktober des gleichen Jahres in der Hauptstadt Kinshasa zwischen Muhammad Ali und George Foreman. Einer der berühmtesten Boxkämpfe der Historie, den Ali in Runde acht per K.-o.-Schlag spektakulär gewann.
„DRC“ ist für Lukimya-Mulongoti nicht nur deshalb weit weg, „weil ich mich erst mal bei Fortuna durchsetzen muss“. Die Afrika-Cup-Qualifikation könnte ihn bald zurück in seine Heimat führen. Der kräftig gebaute Abwehrrecke hat mittlerweile drei Länderspiele auf dem Konto. Zuletzt gab es im Mai in Österreich eine 0:2-Testniederlage sowie einen 2:1-Erfolg gegen Saudi-Arabien.
Am 3. September steigt im Afrika-Cup-Rennen das erste Heimspiel gegen den Senegal. Außerdem in der Gruppe: WM-Teilnehmer Kamerun und das Inselteam von Mauritius im Indischen Ozean. Für die Nummer 121 der FIFA-Weltrangliste dürfte es schwer werden, mindestens Platz zwei zu schaffen.
„Ich bin nicht mehr im Kongo gewesen, seit wir ausgewandert sind, habe aber noch viele Verwandte dort. Unter anderem meine Mutter und meine Schwester. Spätestens im nächsten Sommer besuche ich sie“, verspricht der Profikicker.
A-Junioren und Regionalliga-Team von Hertha BSC waren für ihn das Sprungbrett in den bezahlten Fußball. Im Sommer 2007 ging es zu Hansa Rostock, wo Lukimya unter Trainer Frank Pagelsdorf am 6. Oktober des gleichen Jahres gegen den VfL Wolfsburg sein Bundesliga-Debüt bestritt.
Karriereknick an der Ostsee
Die bis dahin stets steigende Profikurve knickte an der Ostsee nach unten. „Es gab viele Trainerwechsel, wir sind abgestiegen, ich bekam dort kein Vertrauen mehr und musste am Ende für die zweite Mannschaft in der vierten Liga spielen“, erinnert sich Lukimya.
Der Wechsel zu Carl Zeiss Jena vor einem Jahr war die richtige Entscheidung. Finanziert vom örtlichen Matratzenoutlet „Schlummer-Wolke 7“ kam der Neu-Fortuna in Liga 3 wieder prächtig in Fahrt. Und machte diverse Zweitligisten neugierig. Darunter die letztlich glückliche Fortuna.
Das ist Assani Lukimya-Mulongoti
Geburtstag: 25. Januar 1986 in Uvira/Zaire.
Größe: 1,90 Meter.
Gewicht: 92 Kilogramm.
Familienstand: ledig.
Spielposition: Innenverteidiger.
Bisherige Vereine: SV Norden Nordwest 98 Berlin (Jugendbereich), SV Tasmania Gropiusstadt 73 Berlin (Jugendbereich bis 2004), Hertha BSC Berlin (A-Junioren und zweiten Mannschaft/2004-2007), FC Hansa Rostock (erste und zweite Mannschaft/2007-2009), FC Carl Zeiss Jena (3. Liga/2009-2010).
Bisherige Erfolge: Meister der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost mit Hertha BSC (2004/2005), sieben Bundesliga-Spiele für Hansa Rostock (2007/2008), drei Länderspiele für die Demokratische Republik Kongo.
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