Norbert Meier schwärmt von FC Barcelonas Fußballkunst
02.02.2012 | 19:02 Uhr 2012-02-02T19:02:00+0100
DüsseldorfNorbert Meier, sein Trainerteam und die Profis von Fortuna arbeiten hart dafür, dass das Wort Aufstieg Anfang Mai kein Tabu mehr ist.
In Malaga am Sonntag vor einer Woche haben Sie mit ihren Spielern die beste Vereinsmannschaft der Welt live verfolgt. Was nimmt man von solch einem Abend mit?
Norbert Meier : Dass wir das Beste gesehen haben, was es derzeit zu sehen gibt. Das war allerhöchste Schule eines Spiels mit und ohne Ball. Am meisten hat mich bei Barcelona beeindruckt, wie ballsicher alle waren, wie scharf, präzise und meist doch so einfach die Kugel gelaufen ist.
Wenn Sie als Trainer eine Mannschaft neu aufbauen, wo würden Sie anfangen? Im Eishockey ist ja der Torwart die zentrale Position, im Football der Spielmacher, im Handball beides.
Meier: Das lässt sich im Fußball nicht an Positionen festmachen. Man entwickelt eher ein Gesamtsystem. Meist hat man eine Achse im Kopf, an der man sich orientiert. Bei uns hieße die Langeneke – Lambertz – Rösler . Versteht sich von selbst, dass es immer Versuche von Spielern gibt, in diese Achse einzubrechen.
Apropos System: Thomas Bröker sagte, er sehe sich als Angreifer auch immer als ersten Abwehrspieler.
Meier: Da hat ,Bröki’ recht, weil es charakteristisch für unser Spiel ist. Thomas ist schnell, ausdauernd und laufstark. Er packt das gut!
Sie waren in den 80er Jahren mit Werder Bremen als Bundesliga-Spieler sehr erfolgreich. Bedauern Sie es, nicht heutzutage wegen der überbordenden Aufmerksamkeit in allen Gesellschaftsschichten plus deutlich besserer Honorare noch mal Profispieler zu sein?
Meier: Nein, überhaupt nicht. Es gibt immer welche, die erfolgreicher sind als man selbst ist. Neid ist mir fremd. Dazu war ich doch damals auch vom Glück begünstigt. Habe dafür aber auch eine Menge getan.
Immerhin haben Sie sich das Fachabitur und später einen Abschluss als Speditionskaufmann erarbeitet.
Meier: Direkt nach der mündlichen Prüfung bin ich nach Bremen. Fußball war immer mein Thema. Sport wollte ich auch studieren. Aber dann bin ich Profi geworden.
Nie einen anderen Berufswunsch im Kopf gehabt?
Meier: Eigentlich nicht. Im Berufsbildungszentrum hatten die mir mal den Bibliothekar vorgeschlagen.
Da hätten Sie eine Menge Heftpflaster verbraucht.
Meier: Meier und Bibliothekar – das geht doch gar nicht! Ernsthaft habe ich mir den Meier als Bücherwurm allerdings nie vorgestellt.
Ist es Ihnen schwer gefallen, den Sprung vom Spieler zum Trainer zu wagen?
Meier: Es ist gewöhnungsbedürftig, wenn man plötzlich immer 25 Mann betexten soll. Dazu ist die Versuchung groß, immer mitzuspielen. Als ich A-Juniorentrainer in Mönchengladbach war, wurde immer so lange gespielt, bis ich gewonnen hatte. Heute muss ich mir nichts mehr beweisen, habe aber auch im Trainerjob alles von der Pike auf gelernt. Es tut der Erfahrung gut, nicht gleich vom Bundesliga-Spieler zum Bundesliga-Trainer zu werden.
Sie gelten als Coach, der oft kein Blatt vor den Mund nimmt. Aber auch launisch ist. Sehen Sie das ähnlich?
Meier: Nein. Ich bin ehrgeizig und bei meiner Arbeit einfach auch sehr ernst. Und kann blitzschnell umschalten, wenn mir was nicht passt. Da nehme ich wirklich kein Blatt vor den Mund. Ich will aber nicht ausrechenbar sein. Sonst tanzen einem die Spieler auf der Nase herum. Andererseits können sich die Spieler auch auf mich verlassen. Im Zweifel bin ich Tag und Nacht für sie erreichbar. Ich nagle niemanden öffentlich an die Wand.
Einigen wir uns darauf, dass Sie streng sein können.
Meier: Auch das ist so eine Sache. Eine gewisse Autorität ist in meinen Augen keine Strenge. Bei mir muss man Grundregeln einhalten. Da zahlen auch die Trainer in die Kasse. Ich sehe mich als Respektsperson, die Freiräume lässt.
Im Trainingslager haben Sie den Spielern freigestellt, wann das Licht abends auszugehen hat. Hatten Sie keine Lust auf Kontrolle?
Meier: Die Spieler sind Profis und damit für sich selber verantwortlich. Wer mir spätabends dann allerdings in die Arme läuft, hat eben Pech gehabt. Das wissen aber auch alle.
Weil Sie viel mit ihren Spielern reden.
Meier: Im Trainingslager habe ich wieder mit allen Spielern Einzelgespräche geführt. Mentaltrainer Axel Zehle war immer dabei.
Samstag nimmt die Saison in Ingolstadt wieder Fahrt auf. Wie bauen Sie Stress während der Woche ab?
Meier: Die Fahrräder stehen in der Garage rum. Und Schwimmen ist nicht gut für meine Halswirbelsäule. Ich laufe zwei- bis viermal die Woche fünf bis acht Kilometer. Wenn es die Zeit zulässt. Da kommen einem im Kopf auch immer wieder gute Ideen. Ich gehe möglichst nicht ins Bett und schleppe alle Gedanken mit rein.
Dann beschränken wir die Inselfrage auf eine Vier-Wochen-Auszeit.
Meier: Ich brauche da nur drei Dinge: meine Frau, meine Tochter und meinen Sohn.
Ist die knappe Zeit nicht ein gravierender Nachteil des Trainer-Jobs?
Meier: Irgendwie schon. Ich würde gern mal neue Ziele anfliegen. Südafrika zum Beispiel. Aber wenn man kaum mal mehr als zehn, zwölf, vierzehn Tage hat, lohnt es sich kaum.
Das heißt, Sie werden nicht bis 70 die Trainerbank hüten wie etwa Ihr Ex-Trainer Otto Rehhagel.
Meier: Das weiß ich noch nicht. Wenn es einem Spaß macht, dann vielleicht. Otto hatte viel Spaß. Er hat sich sicher nicht gequält.
0mitdiskutieren