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Giefer und sein schmerzender Kiefer

16.09.2012 | 22:00 Uhr
Giefer und sein schmerzender Kiefer
Einmal den Mund auf, bitte! Teamarzt Dr. Alois Teuber entschied bei Fabian Giefer auf Auswechslung.Foto: Johannes Simon

Stuttgart.  Mit einer engagierten Leistung holte die Fortuna mit dem 0:0 in Stuttgart den fünften Bundesliga-Punkt im dritten Spiel. Torhüter Fabian Giefer verletzte sich am Kiefer, soll aber am Dienstag schon wieder mittrainieren.

Auch gestandene Fußball-Bundesligisten kochen nur mit Wasser. Diese beruhigende Erkenntnis mochte sich Fortuna Düsseldorfs Cheftrainer Norbert Meier nach dem gerechten 0:0 beim VfB Stuttgart am Samstagnachmittag nicht in den Mund legen lassen. Vielleicht ist’s dafür nach nur drei Spieltagen im Oberhaus schlicht zu früh. Möglicherweise funkt Meiers Erfahrungsschatz aber auch, dass seine Rothemden stets eine strukturierte, gute Defensivleistung bringen müssen, um auf Augenhöhe mit manch Etabliertem zu wirken.

Der Coach bilanzierte nach dem Punktgewinn beim Europa-League-Starter so: „Wir nehmen mit, dass wir bisher gut gespielt haben.“ Vorn, ok, da bleiben noch manche Wünsche unerfüllt. „Da müssen wir gefährlicher werden“, bekräftigte Dani Schahin, der als Alleinspitze für den verletzten Stefan Reisinge r gestartet war. „So wie alle defensiv arbeiten, so müssen auch alle offensiv etwas mutiger werden.“

Die Schlüsselfaktoren des Torlostreffens waren aus Fortuna-Sicht am Samstag andere.

Giefer und der Kiefer: Fortunas-Starttorhüter war ein Garant des Punktgewinns im Ländle. Exzellent: Sein Reflex gegen Cacaus Drehschuss von der Fünf-Meter-Raum-Kreide in der 66. Minute! Der Zusammenprall mit Ex-Fortune Martin Harnik zehn Minuten später beendete Fabian Giefers Glanz-Samstag schmerzhaft. Ein Riss in der Mundschleimhaut nahe des Unterkiefers machte einen Wechsel erforderlich. Teamarzt Dr. Alois Teuber fuhr Giefer zu dessen Zahnarzt nach Wermelskirchen. Wo die Wunde genäht wurde. Dienstag soll der Keeper wieder mittrainieren.

Voronins Stahlkraft: Man mochte der Schalker VfB-Leihgabe Hoogland keine Absicht unterstellen. Aber der Kung-Fu-Sprung in die linke Rippengegend von Andrey Voronin grenzte an Körperverletzung. Der Ukrainer muss in der 23. Minute allerdings eine Stahlplatte getragen haben. Voronin spielte mit Schmerzen weiter, Hoogland ging sechs Minuten später verletzt vom Feld: Bänderriss im Fußgelenk! Fortunas Abwehrchef Jens Langeneke hatte den passenden Kommentar parat – auch zum Tritt von Cacau gegen Stelios Malezas bei dessen Eins-gegen-eins-Rettungsaktion nach Harniks Hereingabe (34.). „Für mich geht die Gesundheit der Spieler über alles. Wenn andere das nicht so sehen, habe ich wohl etwas falsch gemacht.“

Van den Berghs Fast-Debüttor: Ja, ja, hinterher ist man immer schlauer. Johannes van den Bergh wird die Situation aus der 17. Spielminute im Gedächtnis haften bleiben. Allein marschierte der Blondschopf strikt auf den kurzen VfB-Torpfosten zu. Die Sekundenfrage hieß: Keeper Ulreich mit einem trockenen Flachschuss in der kurzen Ecke überraschen oder auf den mitgelaufenen Robbie Kruse rückpassen? „Jojo“ probierte letzteres. Zu ungenau. Hätte er doch lieber – siehen oben!

Voronins Zappelfuß: Nach genau einer Spielstunde vergab der nicht so zielstrebig wie in den Matches zuvor wirkende Antreiber die beste Chance des Fußball-Nachmittags. Indem er einen Musterrückpass von Schahin aus kurzer Distanz über das VfB-Gebälk hebelte.

Stuttgarter Hackentrick-Manie: Man hätte eine Strichliste darüber führen sollen, wie oft die Gastgeber es auch im Fortuna-Strafraum noch mit der Hacke versuchten. Selbst in der Nachspielzeit probierte es Cacau zum x-ten Mal. VfB-Trainer Bruno Labbadia dürfte irgendwann innerlich auf dem Baum gewesen sein. Und warf seinen brotlosen Künstlern hinterher zurecht vor, „zu umständlich und zu wenig zielstrebig gewesen zu sein“.

Die Farbe Grün: Vielleicht hätte Betreuer Aleksandar Spengler aus Aberglaube doch die neuen grünen Trikots aus dem Koffer holen sollen. In der Farbe des damaligen Sponsors Diebels Alt hatte Fortuna im Mai und September 1996 beide Partien in Stuttgart gewonnen. Spengler, immerhin seit 1988 bei den Profis an Bord, hätte es (besser) wissen müssen. Aber vielleicht hatte auch Angreifer Schahin recht: „Wollen wir mal nicht zu gierig werden!“ Das 0:0 stand der Fortuna in Rot schließlich auch ganz gut.

Übrigens: Letzter Aufsteiger nach drei Spieltagen ohne Gegentor war in der Saison 1997/98 der 1. FC Kaiserslautern. In jener Saison wurden die Teufel unter Trainer Otto Rehhagel übrigens Deutscher Meister.

DAS SPIEL IN DER STATISTIK:

VfB: Ulreich – Molinaro (46. Boca), Maza, Niedermeier, Hoogland (29. Kuzmanovic) – Gentner, Kvist – Torun, Hajnal (86. Okazaki), Harnik – Cacau.

Fortuna: Giefer (80. Almer) – van den Bergh, Langeneke, Malezas, Levels – Fink, Bodzek – Lambertz (90.+3 Bellinghausen), Voronin (76. Ilsø), Kruse – Schahin.

Schiedsrichter: Robert Hartmann (SV Krugzell).

Zuschauer: 55 039.

Tore: Fehlanzeige!

Gelbe Karte: Hoogland.

Eckbälle: 7:4 (3:2).

Torchancen: 5:4 (3:2).

Torschüsse: 11:6.

Ballbesitz: 58:42 Prozent.

Gewonnene Zweikämpfe: 52:48 Prozent.

Foulspiele: 18:12.

Meiste Ballkontakte: Kvist (93) – Levels (68).

Beste Zweikämpfer: Molinaro (90 Prozent) – Bodzek (74 Prozent).

So geht es weiter: Fortuna – SC Freiburg (Sa., 15.30 Uhr, Arena).

Michael Ryberg



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