Fortuna zwischen „Helau“ und Katerstimmung

Mit einem 2:3 in den Beinen schauen die Fortuna-Profis auf den Rosenmontag.
Mit einem 2:3 in den Beinen schauen die Fortuna-Profis auf den Rosenmontag.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Beim Rosenmontagszug müssen Düsseldorfs Kicker gute Miene zum schlechten Spiel machen. Fortunas gefährliches Angriffsduo hat ungewohnte Ladehemmungen.

Düsseldorf.. Gute Miene zum schlechten Spiel machen heißt es heute für die Fortuna. Drei Tage nach der ernüchternden 2:3-Niederlage zum Jahres-Heimauftakt gegen Zweitliga-Kellerkind Erzgebirge Aue, bietet sich für die Düsseldorfer Kicker heute beim Rosenmontagszug die Gelegenheit, die blasse Vorstellung vom Freitagabend zumindest für einige Stunden aus den Köpfen zu streichen. Neben dem Vorstand werden auch Teile der Mannschaft auf dem vereinseigenen Wagen durch die Narrenschar fahren.

Zwischen „Helau“ und Katerstimmung ist es für die Fortunen dennoch nur ein schmaler Grad. Dafür hat das zweite Spiel nach der Winterpause und dem in Unterzahl erkämpften 1:1-Remis in Karlsruhe zu viele Details schonungslos offengelegt, die die Fortunen auch noch über die fünfte närrische Jahreszeit hinaus beschäftigen werden.

Die im Vorfeld der Partie von Cheftrainer Oliver Reck verbalisierte Erwartungshaltung an seine Spieler erwies sich im Nachhinein offenbar als zu ambitioniert.

Angesichts der bisher wenig erbaulichen Leistungen vor eigenem Publikum sah der 49-Jährige seine Mannschaft gegenüber den Fans in der „Bringschuld“. Sein Kicker müssten Aue ihr Spiel aufzwingen und als Mannschaft den Ausfall wichtiger Stützen wie Sergio da Silva Pinto oder Jonathan Tah kompensieren. Allein, es blieb bei den guten Vorsätzen.

Spielbericht In der Praxis trat die Fortuna den Beweis an, dass sie als Einheit noch nicht so weit gereift ist, um Spieler wie den verletzten Pinto als Ideengeber im defensiven Mittelfeld, oder aber das gegen Aue mit der Ampelkarte gesperrte Innenverteidiger-Talent Jonathan Tah adäquat zu ersetzen. Dafür traten altbekannte Probleme auf. „Wir sind zu Hause im Konter zu leicht auszuspielen“, monierte Sportvorstand Helmut Schulte. „Das ist eine Problematik, die wir leider schon länger haben.“

Abwehrfehler ausmerzen

Cheftrainer Oliver Reck will entsprechende Abwehrfehler „ausmerzen“ und erwartet von seinen Kickern künftig, „mit einer anderen defensiven Einstellung in die Spiele zu gehen“. Auch in der Vorwärtsbewegung tat sich seine Mannschaft zuweilen schwer. „Wir haben gut bis zum Sechzehner gespielt, aber nicht in den Strafraum hinein!“ Wie gefährliche Kurzpassstafetten aus dem Umschaltspiel heraus aussehen, zeigten die Gäste eindrucksvoll, die die Fortuna im eigenen Stadion gnadenlos auskonterten.

Zu dem Ausfall der gesperrten Innenverteidigern Bruno Soares und Jonathan Tah sowie dem verletzten Pinto kam erschwerend hinzu, dass Fortunas Stürmer ihre Ladehemmung über die Winterpause hinweg beibehalten haben. Joel Pohjanpalo und Charlison Benschop, das gefährlichste Angriffs-Duo im Fußball-Unterhaus, wartet nun schon seit vier Partien auf einen Treffer.

Während die Düsseldorfer den Freitagabend am liebsten schnell aus ihrem Gedächtnis streichen würden, wird Tommy Stipic dieses Spiel noch lange in Erinnerung bleiben. Für Aues Trainer und seine Mannschaft war es der erste Auswärtssieg seit 357 Tagen und der erste in Düsseldorf überhaupt. „Dieser Moment berührt mich so sehr, ich habe so ein tolles Gefühl in mir, dass ich dazu nichts sagen kann!“