Fortuna-Fans im Video
23.03.2010 | 12:22 Uhr 2010-03-23T12:22:00+0100Mathias Brühl filmt Gesänge und Aktionen der Fans von Fortuna Düsseldorf für seine Internetseite.
Was zählt, ist auf der Tribüne: Mathias Brühl filmt die Fans von Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf. Die Gesänge und Aktionen der Anhänger veröffentlicht er auf seiner Website www.fortuna-videos.de. Ein Video-Interview über Klickzahlen, über Gewalt und Euphorie bei den 95ern.
Mit zehn Jahren im Fanblock der Treusten
Im Webvideo erklärt Mathias Brühl, seit wann und warum er die Fortuna-Fans filmt, was sein Verein davon hat, warum die Stimmung im Stadion bei Spielen der 95er eine neue Qualität erreicht hat und wie Anhänger anderer Fußballvereine die stimmungsvollen Videos kommentieren.
Im Webvideo zu sehen sind Fan-Aufnahmen, die Mathias Brühl vor, während und nach vier Fortuna-Spielen aufgenommen hat: vor dem Auswärtsspiel in Wuppertal (April 2009), vor und während des Auswärtsspiels beim MSV Duisburg (August 2009), während des Auswärtsspiels in Paderborn (Januar 2010) sowie während des jüngsten Heimspiels gegen den MSV Duisburg (Februar 2010).
Wenn Mathias Brühl sich vor der Antwort ziert wie ein englischer Nationalspieler vorm Elfmeter, wenn der Düsseldorfer erst auf die vierte Nachfrage verrät, was „nur meine besten Fortuna-Freunde wissen“, dann muss er nicht beteuern, „dass mir das richtig peinlich ist“. Dem 25-Jährigen ist die Scham ins Gesicht geschrieben. Ins Stottern kommt er bei seinem „Geständnis“ obendrein. Was ihm so peinlich ist? Sein Vater war Fan des 1. FC Köln, nahm seinen Junior als Kind sogar zweimal mit ins Müngersdorfer Stadion.
Für Fortuna-Anhänger Brühl ist auch nur ein Partikelchen Sympathie für die Kölner Kicker heute so unvorstellbar wie ein Meistertitel der Domstädter in naher Zukunft. Mit zehn Jahren stand der Düsseldorfer Jong erstmals im Block 37 des Rheinstadions; im Stammquartier der treusten Anhänger. Seit 2002 hat er fast alle Auswärtsspiele der 95er besucht. Auch in der Oberliga Nordrhein. Eine Zeit lang war er sogar bei den Ultras Düsseldorf aktiv. Noch immer versteht er sich als Mitglied der Ultraszene. Mittlerweile ist Brühl – ganz ohne große Klappe oder Posten im Club – ein wichtiger Botschafter der Fortuna: Der Unterrather hat www.fortuna-videos.de ins Leben gerufen. In seinen Webvideos zählt nicht auf’m Platz. Der Fan filmt die Fans. Das wollen im Web Zehntausende sehen.
"Die Leute wollen die Leute sehen"
Der Trailer von Brühls „Aufstiegs-DVD“ wurde allein bei Youtube mehr als 130.000-mal geklickt, auf seiner Website weitere 30.000-mal. Beim jüngsten Derby zwischen Fortuna und dem MSV postierte er seine Kamera vor der Südtribüne der Arena und ließ sie einfach zwei Stunden lang mitlaufen. Das zehnminütige Best-of brachte es in den ersten beiden Wochen nach dem Spiel auf etwa 40.000 Abrufe.
„Die Leute wollen die Leute sehen“, sagt der Online-Chronist. Nach seinem Bachelorabschluss im Studiengang Kommunikation und Medienmanagement hat Brühl sich im Vorjahr mit Videoproduktionen und Online-Marketing selbständig gemacht. Fortuna-Videos sind seine Leidenschaft, Werbefilme sein Geschäft. Statt grölender Fußballfans dreht er für die Georg-Kraus-Stiftung in indischen Kinderheimen oder Imagefilme für die Schülerhilfe.
Von Flirts und wahrer Liebe in Düsseldorf
Zurück zur Fortuna: Eine Stimmung wie in dieser Zweitliga-Saison, erklärt der Düsseldorfer im DerWesten-Webvideo, habe er in 15 Jahren Achterbahnfahrt mit seinem Club „noch nie erlebt“. Wo das anfing? Was passiert ist? Schließlich verirrten sich selbst zu Bundesliga-Zeiten in den 90er Jahren selten mehr als 15.000 Zuschauer ins 2002 abgerissene Rheinstadion. Sogar zum großen Derby gegen den 1. FC Köln kamen 1995 weniger Zuschauer als zuletzt in Liga zwei gegen den MSV Duisburg. „Mit dem Umzug ins kleine Paul-Janes-Stadion, mit der Rückkehr ins Arbeiterviertel Flingern“, erklärt Brühl, sei die Liebe vieler Fortuna-Freunde seinerzeit neu entfacht worden. Und auch die Toten Hosen „haben mit ihrer Trikot-Werbung dazu beigetragen, dass die Kinder der Stadt plötzlich nicht mehr Bayern- oder DFB-Trikots, sondern Fortuna-Trikots tragen wollten“.
So gerne das Auge der Fortuna-Fans filmt, wie auch die Zuschauer auf der Haupttribüne in die Gesänge der Ultras einstimmen: Die neuen Zuschauerrekorde und die plötzliche Euphorie in der Landeshauptstadt sieht er mit gemischten Gefühlen. Brühl bezweifelt, dass die Massen wiederkommen, wenn’s mal nicht so läuft. Viele neue Gäste im Stadion charakterisiert der 25-Jährige wie seine Heimatstadt selbst: als „eher event-orientiert“. Solche Flirts dürfe man keinesfalls mit wahrer Liebe verwechseln. Über die aktuelle Begeisterung kann er sich freilich trotzdem freuen.
Der Aufschwung der Düsseldorfer beschert Fortuna-Videos zwar neue Klickrekorde, seine Lieblingsclips aber hat der Fanvideo-Pionier längst wieder aus dem Netz genommen. Die meisten stammten aus Oberliga-Zeiten. Ein Clip zeigt Fan-Liebling Frank Mayer, der seinen Treffer zum 1:2 bei Schwarz-Weiß Essen 2002 gemeinsam mit den Fans auf dem Spielfeld feiert. Den beiden Jahren in der Oberliga Nordrhein will Brühl demnächst eine DVD mit Fan-Szenen und Spielerinterviews widmen.
Eine Fan-Perspektive auf Ausschreitungen vor dem Stadion
Eine Herzensangelegenheit ist ihm auch der Ruf der Fortuna-Fans. Der sei in der Fanszene „wirklich gut. Anhänger jedes Vereins können sich bei uns problemlos ein Spiel ihrer Mannschaft anschauen". Polizei- und Presseberichte, etwa zu den Ausschreitungen nach dem Heimspiel gegen den MSV Duisburg , erwecken zuweilen allerdings einen anderen Eindruck. Für Mathias Brühl kein Wunder: „Die meisten Medien übernehmen den Polizeibericht eins zu eins. Und mit Randalen lässt sich immer Quote machen.“
Auch die Ultras lehnten Gewalt strikt ab, beteuert er. „Wenn aber zehn Einzelpersonen Mist bauen und Gegenstände auf eine Bahn werfen, steht am nächsten Tag in der Zeitung, ‚die Fortuna-Fans’ oder ‚die Hooligans’ hätten den Freiligrathplatz belagert. Dabei müssen da nun mal viele Zuschauer auf dem Heimweg vorbei. Und wenn keine Bahn mehr fährt, warten sie da eben. In jedem Club gibt’s leider schwarze Schafe, auch bei Fortuna.“ Für solche, die mit Feuerzeugen auf gegnerische Spieler werfen, musste Fortuna in dieser Saison bereits teuer bezahlen . Und die Zerstörungswut anderer Krawallmacher im Fan-Lager bereitet der Rheinbahn und der Kommunalpolitik Kopfzerbrechen.
"Ich wollte kein Stadion mit Snackbar und Heizstrahlern"
Fortuna-Videos.de sei für Gewalttäter und Randalierer jedenfalls kein Forum, versichert Brühl. Er müht sich (meist mit Erfolg), die überraschend erfolgreiche Saison und die Begeisterung einfach zu genießen. Beim ersten Spiel der Düsseldorfer in der neuen Multifunktionsarena 2005 hatte er den Bau noch 20 Minuten vor Spielende verlassen: „Ich wollte kein Stadion mit ‚Snackbar’ und Heizstrahlern unterm Dach.“ Wenn man ihn heute fragt, wo es als Zuschauer am schönsten war – im Rheinstadion, im Paul-Janes-Stadion oder in der Stockumer Arena –, sagt Brühl: „bei der Fortuna“. Das sieht und hört man. Auf www.fortuna-videos.de.
11:38
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18:59
Schon komisch. Da wird im Text die ganze Zeit darauf gepochert, dass Fortuna-Videos.de kein Forum für Gewalttäter und Randalierer ist und das erste was man dann auf der Seite liest ist Hooligans.
16:19
Kann ich mich nur anschließen, Respekt! Super Sache. Freu mich auf das letzte Heimspiel gegen die Fortuna.
Rot Weiße Grüße aus Oberhausen
15:29
hey experte, da ist mehr kultur und herzblut drin als in 95% des deutschen fernsehprogramms...
respekt an den macher, liberi ultras
13:26
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18:59
Schon komisch. Da wird im Text die ganze Zeit darauf gepochert, dass Fortuna-Videos.de kein Forum für Gewalttäter und Randalierer ist und das erste was man dann auf der Seite liest ist Hooligans.