Fortuna Düsseldorf zwischen Stolz, Frust und "Betrug"

Foto: imago/Stefan Bösl
Was wir bereits wissen
Das bittere 2:3 in Ingolstadt hat Spuren hinterlassen. Die Mannschaft wird gelobt, der Unmut richtet sich gegen Schiedsrichter Jochen Drees.

Düsseldorf.. Wer hat an der Uhr gedreht? Diese Frage dürfte die Fortunen auch noch über das trainingsfreie Wochenende hinweg begleitet haben. Größer als der Frust über die unglückliche 2:3-Niederlage vom Freitagabend bei Zweitliga-Spitzenreiter FC Ingolstadt war nur noch die Wut auf Schiedsrichter Dr. Jochen Drees. „Wahnsinn“ oder „Betrug“ waren die Reaktionen von Fortunas Spielern und Verantwortlichen auf die Entscheidung des Unparteiischen, der Partie ohne ersichtlichen Grund einen XXL-Nachschlag zu verpassen.

Aus der offiziellen Nachspielzeit von fünf Minuten wurden am Ende fast sieben(!) Zeigerumdrehungen. Der Siegtreffer der Oberbayern durch Kapitän Marvin Matip in der sechsten Minute des Nachschlags sorgte für kollektives Kopfschütteln. Ein Grund für eine derart lange Nachspielzeit lässt sich mit gesundem Menschenverstand jedenfalls nicht erschließen.

Fortuna war mit den Kräften am Ende

Wenn sich die Fortuna bei ihrer unglücklichsten Niederlage der Saison überhaupt etwas vorwerfen lassen musste, dann war es fehlende Cleverness bei den zu Gegentoren führenden Ingolstädter Freistoßflanken, für die die Schanzer schließlich gefürchtet sind. Allerdings muss man dabei auch berücksichtigen, dass die Fortuna bei den beiden späten Kopfball-Gegentoren (86. und 90.+6) mit ihren Kräften schlichtweg am Ende war.

Nach der Roten Karte gegen Mannschaftskapitän Adam Bodzek (29.) und dem gehaltenen Elfmeter von Torhüter Michael Rensing, mussten die Düsseldorfer schließlich über eine Stunde lang mit einem Mann weniger gegen den Tabellenführer auskommen. Was das Team von Interimscoach Taskin Aksoy nicht nur mit Bravour annahm, sondern auch noch mit 1:0 (33.) durch Joel Pohjanpalo und 2:1 (74.) durch Ihlas Bebou in Führung ging. Was die Dramaturgie des Freitagabends noch einmal verschärfte.

Natürlich dürfte sich vor allem Bruno Soares, der erst in der 81. Minute eingewechselt wurde, über seine wenig clevere Aktion ärgern, die schließlich zur entscheidenden Freistoßflanke führte: Der Brasilianer stürzte der Länge nach zu Boden und griff sich dabei den Ball. Den wohl erhofften Freistoß gab es allerdings für Ingolstadt. Pascal Groß bediente Marvin Matip. Der Rest ist (bittere) Geschichte.

Plausible Erklärung

Fortunas Interimstrainer Taskin Aksoy versuchte zwar noch nach dem Schlusspfiff eine plausible Erklärung vom Schiedsrichter für fast sieben Minuten Nachspielzeit zu erhalten. Seine Nachfrage hätte sich der 47-Jährige allerdings auch sparen können, wenn man die Sinnhaftigkeit von Drees’ Antwort betrachtet. Der Unparteiische argumentierte, Fortuna hätte schließlich dreimal gewechselt. Eine Aussage, die einen noch fassungsloser ob der „Leistung“ eines vermeintlich erfahrenen Bundesliga-Schiedsrichters zurücklässt. Sollte man diese Aussage wirklich für bare Münze nehmen, müsste fast jedes Fußballspiel 97 Minuten dauern.

Zum Glück, möchte man fast sagen, hatten sich die Düsseldorfer schon vorher aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet. Man möchte sich die Auswirkungen von Drees’ fast schon skandalösem Aussetzer nicht ausmalen, wenn es für die Fortuna noch um Punkte für den Bundesliga-Aufstieg gegangen wäre. Zurück bleibt ein starker Auftritt der Düsseldorfer, der letztendlich mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte.