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Fortuna Düsseldorf hat das Kölmel-Darlehen abgetragen

25.04.2013 | 22:30 Uhr
Fortuna Düsseldorf hat das Kölmel-Darlehen abgetragen
Spielen die Fortunen hochklassig und gut, dann freut sich auch der Leipziger Unternehmer Michael Kölmel.Foto: imago

Düsseldorf.  Das seit 1999 laufende 7,5-Millionen-Euro-Darlehen von Geschäftsmann Michael Kölmel hat Fortuna Düsseldorf nach NRZ-Informationen abbezahlt. Um die TV-Rechte zurückzukaufen, müsste die Fortuna allerdings wohl eine festgeschriebene Preisoption jenseits der zehn Millionen Euro aufbringen.

Sportlich müssen die Fortunen um den Klassenerhalt noch bangen. Finanziell verläuft die erste Fußball-Bundesliga-Saison seit 15 Jahren für die Rothemden seit Monaten glänzend. Nein, sogar brilliant. Wie die NRZ erfuhr, ist das seit 1999 (!) bestehende Darlehen des Leipziger Geschäftsmannes Michael Kölmel an die Fortuna vor kurzem komplett getilgt worden. Aus dem laufenden Gewinn, wie zu hören ist.

Seit August 2008 hatte Fortuna das Darlehen, das über Zinseszins einen Wert von mindestens elf Millionen Euro gehabt haben dürfte, aber von Fortuna-Verhandlungsführer Dr. Reinhold Ernst auf 7,5 Millionen Euro heruntergehandelt worden war, über eine 30-Prozent-Rate im Fernsehvertrag abgetragen. 15 Prozent flossen seitdem in die Schuldentilgung, weitere 15 Prozent als Vergütung direkt an Kölmel.

Nicht mehr unendlich

Letztere Zahlungen, die auf der Jahreshauptversammlung im April 2010 als „unendlich“ von Aufsichtsratschef Dirk Kall dargestellt worden waren, beinhalten mit der erfolgten Auslösung des Darlehens nach NRZ-Informationen offenbar eine Option. Fortuna könnte nun nämlich auch die oben genannte Vergütung „erledigen“. Also auf „endlich“ setzen. Der Kaufpreis soll aber dem Vernehmen jenseits der zehn Millionen Euro liegen.

Gerade mit den Aufstiegen in die zweite und die erste Bundesliga 2009 und 2012 entpuppte sich die automatische 30-Prozent-Abführung der Fortuna an Kölmel als echter Wettbewerbsnachteil, was das Budget betrifft. In dieser Saison gingen immerhin fünf der 15 Millionen Euro (TV-Inlands- und Auslandsvermarktung) nach Leipzig. In der Spielzeit 2013/14 muss Fortuna, den Klassenerhalt vorausgesetzt , von dann rund 19 Millionen Euro TV-Geld (rund 17,5 Millionen Euro Inland, dazu rund 1,5 Millionen Ausland) nur noch 15 Prozent abführen. Was aber immer noch lockere 2,85 Millionen Euro wären.

Zum Hintergrund: Ende September 1999 hatten der damalige Fortuna-Vorstand mit Kunsthändler Helge Achenbach und seinem Vorstandskollegen Heinz Heßling an der Spitze einen Vertrag mit Michael Kölmel geschlossen. Die finanziell mal wieder klamme Fortuna bekam seinerzeit über Kölmels Firma Sportwelt rund 15 Millionen Mark (gleich 7,5 Millionen Euro), gab aber gleichzeitig alle wertvollen Rechte – Marketing und Fernsehen – aus der Hand. Das hoffnungsvolle Invest ging zügig ins Leere. Fortuna verpasste klar die Zweitliga-Rückkehr, stieg 2002 sogar in die vierte Liga ab. Und war, was Kölmel anbetraf, komplett zahlungsunfähig.

Marketingrechte wohl weit unter Wert zurückgekauft

Erst vor knapp fünf Jahren wurde durch den damaligen Aufsichtsratschef Dr. Reinhold Ernst ein Vertrag auf den Weg gebracht, der die Fortunen finanziell und rechtemäßig auf neue Beine gestellt hat. Die Marketingrechte wurden 2008 offenbar weit unter Wert zurückgekauft. Die TV-Rechte wären jedoch erst wieder in Fortuna-Hand, wenn auch die Kölmel-Vergütung ausgelöst werden würde.

Übrigens: Das Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Samstag (18.30 Uhr/live im Ticker) beschert der Fortuna in dieser Saison zum sechsten Mal eine ausverkaufte Arena. Alle 54 000 Tickets sind vergriffen. Schon gegen Werder Bremen, den Hamburger SV, FC Bayern München und FC Schalke 04 war die Arena bereits komplett gefüllt. Dazu kommt das ausverkaufte DFB-Pokalachtelfinale gegen Borussia Mönchengladbach. Mit dem Dortmund-Spiel steigert Fortuna den Zuschauerschnitt der laufenden Saison auf 45 634 Fans pro Match. Mit einem vollen Haus im Schluss-Spiel gegen den 1. FC Nürnberg würde sich der Schnitt noch auf 46 126 Besucher steigern. Damit wäre der kalkulierte Schnitt von 35 000 Fans klar überschritten.

Michael Ryberg



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