Fans für Erhalt des Kulturgutes Fußball
16.09.2010 | 19:25 Uhr 2010-09-16T19:25:00+0200
Dortmund/Gelsenkirchen.Am Anfang war das Missverständnis. Borussia Dortmunds Fans boykottieren das Bundesligaspiel auf Schalke – das klang nach einem plakativen Derbyscharmützel, dessen einziger Zweck zu sein schien, dem ewigen Rivalen eins auszuwischen. Entsprechend fielen erste Reaktionen in Internetforen aus: Blauweiß und Schwarzgelb beschimpften sich mal wieder gegenseitig.
Doch die Organisatoren der Initiative „Kein Zwanni für nen Steher“ hatten anderes im Sinn. Nachdrücklich wiesen sie darauf hin, dass der Top-Zuschlag, den Schalke beim Derby am Sonntag verlangt, nur der Anlass für eine langfristige und regional nicht begrenzte Protestaktion gewesen sei. Sie wurden erhört. Ihr Aufbegehren hat ein erstaunliches Echo ausgelöst.
„Wir tun dies aus Sorge um den Erhalt des Kulturgutes Fußball in Deutschland“, stellen die Borussen in einer Info-Broschüre klar. Demonstrativ reichen sie sogar dem Rivalen die Hand: „Die Blauen sitzen doch mit uns in einem Boot“, betont Marc Quambusch, einer der Initiatoren. „Alle Animositäten stehen hinter dem Thema zurück. Es geht um eine zukunftsträchtige Preisgestaltung der Liga, die sich nicht von einer ganzen Generation abschneiden darf.“
Prozentualer Anstieg von fast 70 Prozent
13 Euro kostete eine Stehplatzkarte im Gästeblock beim Klassiker in der Schalker Arena in der vergangenen Saison, 22 Euro kostet sie am Sonntag – ein prozentualer Anstieg von fast 70 Prozent. Deutlich zu viel, finden die BVB-Anhänger. Vor allem für junge Fans. Viele von denen verfügten nicht über hohe Einkommen, Fußball aber müsse ein Sport für alle Schichten und Altersgruppen bleiben.
Deshalb gaben die BVB-Fans 1600 Stehplatzkarten zurück. Ihr Verein versprach, sie nicht weiter zu veräußern. Der Block mit den Auswärtsfans wird am Sonntag also anders aussehen als üblich, das große Ruhrgebietsduell wird tatsächlich erstmals seit der Erfindung von Stollenschuhen nicht ausverkauft sein.
Und den schwarz-gelben Profis wird es an Unterstützung mangeln. Also auch ein schmerzhafter Schnitt ins eigene Fleisch? „Ja, das tut schon weh“, gibt Marc Quambusch zu. „Wir machen das ja nicht zum Spaß. Aber man muss auch mal Opfer bringen.“
Regelmäßig haben die Bundesligisten die Ticketpreise in den vergangenen Jahren nach oben getrieben. Auch Rolf Rojek meint, das sei eine ungesunde Tendenz. Der Vorsitzende des Schalker Fan-Club-Verbandes kann sich mit den Dortmunder Kollegen „in der Sache voll identifizieren“. Und er spielt mit den Borussen den von ihnen erhofften Doppelpass: „Irgendwann kommt die Grenze, an der du sagen musst: Stopp, bis hierhin und nicht weiter.“
Bilanz nach dem Revierderby
Die Dortmunder Borussen und die Schalker Seite an Seite für die gemeinsame Sache? Marc Quambusch kann sich das gut vorstellen, Rolf Rojek auch. Rojek fände es überlegenswert, eine Aktion in allen deutschen Stadien anzuschieben: „Wenn die Fanblocks mal leer blieben, sollte das die Verantwortlichen zum Nachdenken bringen.“ Schließlich gelte es zu verhindern, „dass nur noch betuchte Herren mit ihren Sekretärinnen im Stadion sitzen. Keine Trikots, keine Schals, keine Gesänge – das ist eine Horrorvision.“
In England sind die Fußballverkäufer auf dem besten Wege, dies Schreckensbild zu verwirklichen. Dort sind die Preise derart explodiert, dass sich viele Fans den Stadionbesuch sparen – oder sparen müssen. Seit die elitäre Premier League 1992 ins Leben gerufen wurde, haben sich die Ticketpreise sage und schreibe verneunfacht. Dadurch ist das Durchschnittsalter der Besucher von 30 auf 46 Jahre nach oben geschnellt. Ausgerechnet im Mutterland des Fußballs ist der professionelle Kick zum Luxusgut geworden. Mit der Folge, dass die einst so legendäre Stimmung hörbar gelitten hat.
Die Dortmunder Macher wollen Ähnliches in Deutschland verhindern, sie haben einen Nerv getroffen. Ständig gehen Solidaritätsbekundungen von Fans anderer Klubs bei ihnen ein, sogar aus England kommt positive Resonanz. Marc Quambusch berichtet stolz von der Bewunderung der britischen Fans: „Die sagen: Ihr macht jetzt das, was wir damals hätten machen sollen.“
Wenn das Revierderby gespielt ist, wird eine erste Bilanz gezogen werden. „Danach soll es auf jeden Fall weitergehen“, kündigt Marc Quambusch an. „Und zwar bundesweit.“
11:27
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11:13
wollen wir mal alle hoffen, daß Lügenscheid die Ausfallkosten für georderte Tickets bezahlen kann. Denn an eine Rückgabe haben die Obertrottel Fatzke etc. ja offenbar nicht gedacht.
Und nächstes Jahr direkt nur noch nachfragen, wie viele Tickets denn dorthin wirklich gehen sollen. Dann die orangefarbigen Con-Busse für die Glatzen abbestellen und fertig. Ach ja, den Käfig für die aufrechtgehenden homosapiens vierteln und dann gibt es wieder Fussi zum Anfassen für Fans.
Mal gut, daß ich jeden Monat über 5Mio auf meinem Gehaltsstreifen habe. Dann brauche ich mir über diesen Dummfug keine Sorgen zu machen und sitze as best. So long Kinderschar. Ihr tatet uns einen großen Gefallen.
18:57
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14:14
@BlubbOmat
Sie müssen auch noch die Versandkosten hinzuaddieren, die der BVB nimmt, sollen sich bei 7,50 bewegen...
Ich versuche mich übrigens krampfhaft daran zu erinnern, wann ich das letzte Mal 13,00 € für einen Steher in der Wellblechhütte gezahlt habe, es fällt mir wirklich nicht mehr ein.
So sind sie eben....
13:37
Ich finde es gut. Nun sehe ich die Sache anders, als zu Beginn der Aktion.
Ich muss ehrlich sagen, dass es ein absolutes Zeichen der Borussia-Anhänger ist. Denn gerade bei DIESEM Spiel einen Boykott zu begehen...dann MUSS schon echt was vorgefallen sein bzw muss da etwas sehr extrem stinken - und damit ist das Zeichen gesetzt.
Respekt BVB!
12:53
Verstehen es einige wirklich nicht. Es spielt keine Rolle wer wie oft einen Topzuschlag nimmt. Denkt mal daran das gerade iht blau weissen nund wir schwarz gelben mit einer grossen Fangemeinde zu den Auswärtsspielen fahren und bei den üblichen Vorgehensweisen fast bei jedem Auswärtsspiel einen Topzuschlag zahlen müssen.
@ phrasendrescher. Weil zum Derby zurückgegeben Karten aus Sicherheitsgründen nicht in den normalen Verkauf des anderen Vereins gelangen dürfen.
12:48
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