Fan Müller: Berlin erster Sieger - Kritik am UEFA-Fanfest

Nur ein paar Hundert Berliner Fußballfans dürfen die Messi-Show live im Olympiastadion erleben, eine große Party mit Public Viewing gibt es auch nicht in der Endspiel-Stadt.

Berlin.. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sieht die deutsche Hauptstadt dennoch als ersten Gewinner des Champions-League-Finales 2015. "Das ist unbezahlbare Stadtwerbung", unterstrich Müller in einem Interview der "Berliner Morgenpost". "Berlin ist ein Anziehungspunkt für Sportbegeisterte", ergänzte der 50-Jährige.

"Leider werden das Spiel im Stadion nur wenige Berliner sehen können. Dieses Ereignis aber wird in der Stadt zu spüren sein. Gleichzeitig können wir uns als Sportmetropole präsentieren", erklärte Fußball-Liebhaber Müller. Von den 70 500 Tickets für das Olympiastadion waren nur 6000 weltweit verlost worden. Der Rest ging an beide Endspiel-Teilnehmer FC Barcelona und Juventus Turin sowie die UEFA mit ihren nationalen Verbänden und Sponsoren. Dadurch stiegen die Schwarzmarkt-Preise ins Unermessliche.

Die "Barca"- und "Juve"-Anhänger wollten deshalb die Ankunft der beiden Teams am Freitag in der City nutzen, um einen Blick auf die Stars um Lionel Messi, Neymar und Luis Suarez auf der einen sowie Gianluigi Buffon, Andrea Pirlo und Carlos Tevez auf der anderen Seite zu werfen. Über fünf Millionen Euro lässt sich Berlin die Stadtwerbung, das Spiel und den Auflauf der Prominenz von Bundestrainer Joachim Löw über Pop-Ikone Shakira bis zum katalanischen Startenor José Carreras kosten. Die Umgestaltung von Olympiastadion und Olympiapark kostete knapp vier Millionen Euro, die sich UEFA, Deutscher Fußball-Bund (DFB) und Land Berlin teilten.

Die Europäische Fußball-Union veranstaltet am Brandenburger Tor zwar eine Werbe- und Fanmeile: Livebilder vom Endspiel aber wird es dort nicht geben. Auch auf dem Breitscheidplatz, Treffpunkt für die anreisenden Fans aus Barcelona, und dem Juventus-Sammelpunkt am Alexanderplatz können Anhänger ohne Tickets das Spiel am Samstag (20.45 Uhr) nicht sehen. Es gibt nur Informationsstände der jeweiligen Clubs und ein paar Getränkestände - bleibt bei angekündigtem Königswetter und drohenden Gewittern nur der Weg in Kneipen und Biergärten.

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus kritisiert die Politik der UEFA. "Ein Fanfest ohne Public Viewing ist nur noch Werbefläche für Sponsoren und nicht das Zeichen, das wir jetzt im internationalen Fußball brauchen. Fankultur lebt vom gemeinsamen Fußballerlebnis", erklärte die sportpolitische Sprecherin Anja Schillhaneck: "Kasse macht die UEFA." Und natürlich auch die Endspielteilnehmer: Dem Sieger winken 10,5 Millionen Euro, dem unterlegenen Finalisten immerhin noch 6,5 Millionen.

Das WM-Finale 2006 - mit den italienischen Juve-Siegern Buffon, Pirlo und Andrea Barzagli - war der letzte internationale Höhepunkt für das Olympiastadion. 1986 hatte zudem der 1. FC Köln wegen einer Platzsperre das Final-Rückspiel des UEFA-Cups gegen Real Madrid in Berlin ausgetragen. Das 2:0 vor nur 16 185 Zuschauern war nach dem 1:5 im Hinspiel allerdings bedeutungslos.