EU-Parlament: Blatter soll sofort gehen - FIFA "perplex"

Der schwer in der Kritik stehende FIFA-Präsident Joseph Blatter hat die Forderung des EU-Parlaments nach seinem sofortigen Rücktritt strikt zurückgewiesen. Man sei "perplex" vom Vorstoß der Politiker, teilte der Fußball-Weltverband mit.

Straßburg.. Der Schweizer Sport-Funktionär schließt seinen sofortigen Rücktritt weiter aus. Aufgrund der speziellen Umstände, in der sich die FIFA befinde, werde Blatter sein Mandat erst auf einem Wahlkongress niederlegen.

Wann der neue FIFA-Chef gewählt wird, soll am 20. Juli festgelegt werden. Für dieses Datum berief FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke eine außerordentliche Sitzung des Exekutivkomitees ein. Der Wahlkongress soll dann zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 terminiert werden, hieß es.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der dem FIFA-Exekutivkomitee angehört, hatte sich für ein möglichst frühes Kongressdatum ausgesprochen. Auf der Tagesordnung des Exekutivkomitees steht auch die Diskussion über umfassende Reformen der FIFA-Statuten, die Blatter nun noch anschieben möchte.

Überraschend wurde für die Sondersitzung am 20. Juli die FIFA-Zentrale in Zürich als Ort benannt. Wenige Tage später treffen sich praktisch alle führenden Fußball-Funktionäre ohnehin in St. Petersburg, wo am 25. Juli die Auslosung der Qualifikationsgruppen für die WM 2018 in Russland stattfindet. Spekulationen, dass Blatter die Schweiz nicht verlassen will und das Meeting daher in Zürich abgehalten wird, hatte der Weltverband zurückgewiesen.

Blatter sei weiter darauf fokussiert sicherzustellen, dass "unumgängliche Reformen durchgesetzt werden und ein neuer Präsident gewählt wird", hieß es in einer Mitteilung am Donnerstag. Das EU-Parlament hatte zuvor in seltener Einmütigkeit der sieben Fraktionen den sofortigen Blatter-Rücktritt gefordert.

Offenbar waren sich die Politiker aber nicht der Konsequenz ihrer Forderung bewusst. Laut FIFA-Statuten würde dann Issa Hayatou als längster agierender Vize-Präsident die Amtsgeschäfte übernehmen. Der Afrikaner ist seit langem Korruptionsvorwürfen ausgesetzt - auch im Vergabeverfahren für die WM 2022 in Katar.

Der noch amtierende FIFA-Präsident sollte nach Auffassung des EU-Parlaments umgehend von einem Übergangs-Präsidenten abgelöst werden. Bis zur Ernennung einer neuen Führung könnten noch bis zu neun Monate vergehen, hieß es in einer Entschließung. Von einem sofortigen Führungswechsel hänge die Glaubwürdigkeit der FIFA als Führungsorgan des Weltfußballs ab. Die FIFA strebt nun einen Wechsel an der Spitze innerhalb von maximal sieben Monaten an.

Unterdessen wurde bekannt, dass Mediendirektor Walter De Gregorio die FIFA verlässt. De Gregorio gebe "ab sofort sein Amt als Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit ab", hieß es in einer FIFA-Mitteilung. Bis zum Ende des Jahres stehe er aber noch als Berater zur Verfügung. De Gregorio hatte im September 2011 den Posten übernommen. Sein Stellvertreter Nicolas Maingot tritt interimistisch die Nachfolge an.

De Gregorio hatte jüngst im Schweizer Fernsehen mit einem Witz für Aufsehen gesorgt: "Der Sepp Blatter - der FIFA-Präsident, sein Kommunikationschef und der Generalsekretär sitzen im Auto. Wer fährt? - Die Polizei!"

Eine "Nulltoleranz-Politik in Bezug auf Korruption im Sport" verlangt das EU-Parlament. Eine radikale Reform der Strukturen und Verfahren der FIFA sei dringend erforderlich. Außerdem werden eine "externe und unabhängige Finanzprüfung" und Begrenzung von Amtszeiten gefordert. Schließlich war Blatter bis zu seinem Rücktritt nach der Wiederwahl 17 Jahre im Amt. Auch die Sponsoren sollten zum Reformprozess beitragen: Sie sollten öffentliche Erklärungen gegen Korruption im Sport abgeben, "und ihren Worten durch anhaltenden Druck Taten folgen lassen".

"Es ist unfassbar, dass Blatter als ewiger Präsident angesichts der Schwere der Vorwürfe nicht sofort und uneingeschränkt die Verantwortung übernimmt. Er kann unmöglich noch bis zur Neuwahl Ende des Jahres amtieren. Die FIFA muss zügig einen Interimspräsidenten wählen, der glaubwürdig die notwendigen Reformen gestalten und umsetzen kann", sagte die Europa-Abgeordnete Angelika Niebler (CSU).