Essen gegen Oberhausen wird zum Fußball-Feiertag

Vor dem Anstoß im Mittelkreis: RWE- Präsident Michael Welling (links) und RWO-Präsident Hajo Sommers trafen sich im Stadion zum Gespräch.
Vor dem Anstoß im Mittelkreis: RWE- Präsident Michael Welling (links) und RWO-Präsident Hajo Sommers trafen sich im Stadion zum Gespräch.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen spielen Donnerstag um den Einzug in den DFB-Pokal. Die beiden Klub-Chefs sind sich einig: Ein Fußball-Feiertag.

Essen.. Finalfieber in Rot-Weiß: Am Donnerstag (14 Uhr/live in unserem Ticker) schauen 18.500 Fans im fast ausverkauften Stadion Essen das Niederrheinpokal-Finale der Traditionsvereine Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen. Der Sieger zieht in den DFB-Pokal ein und sichert sich wichtige Einnahmen. Ein Endspiel als Feiertag im Grau der Fußball-Regionalliga, finden die Vereins-Chefs Michael Welling (RWE) und Hajo Sommers (RWO).

Wie schauen Sie als Vereinsbosse Fußball?

Hajo Sommers: Beim Heimspiel ist das klar geregelt. Ich gehe zu meiner Lieblingstheken-Bedienung. Und sage: ein Pils! Dann sage ich: ein zweites Pils! Und irgendwann danach: So, jetzt kann es losgehen!
Michael Welling: Willst Du Deine Lieblingsbedienung mitbringen?

Herr Welling, hätte Ihnen ein Pokalfinale in Oberhausen nicht mehr Spaß gemacht?

Welling: Nein, es ist emotional etwas völlig anderes. Wenn bei uns die Einlaufmusik erklingt, ist die Vorfreude da. Kommentar

Warum hat der Verband das Finale nach Essen gegeben?

Sommers: Der Grund ist die Infrastruktur. Ins Stadion Essen passen 4000 Fans mehr hinein. Dazu kommen 400 zusätzliche VIP-Karten.

Welling: Die Infrastruktur, sicher. Aber unser letztes Pokalfinale ist im eigenen Stadion schon länger her. 2012 haben wir gegen Hönnepel-Niedermörmter gespielt, RWO 2013 gegen Baumberg. Im nächsten Jahr spielen wir dann wieder in Oberhausen. (lacht)

Sommers: Oder in Baumberg.

Kann Oberhausen beim Stadion von Essen lernen?

Sommers: Naja, das ist ein schönes Stadion. Mir persönlich ein bisschen zu funktional. . . Aber ich gehe daran kaputt, dass du Bier holst und zeitgleich nicht weiter Fußball schauen kannst. Aber gut: Essen hat ein paar Einwohner mehr und sicher auch mehr Einnahmen. Das kann man nicht vergleichen.

Welling: Man muss schauen, welche Stadien überhaupt von Vereinen gebaut und betrieben werden. Das sind die Allianz-Arena in München, mit Landesbürgschaften die Turnhalle in Gelsenkirchen, und das war es auch schon.

Zwei Nachbarstädte, ein Freigelände direkt an der Stadtgrenze: Warum haben Oberhausen und Essen kein gemeinsames Stadion?

Sommers: Fragen Sie mal die Fans!

Welling: Mit einem großen Rivalen will man sich kein Stadion teilen.Niederrheinpokal

Wie waren Ihre ersten Stadionerlebnisse?

Welling: Ich komme aus der Fußball-Diaspora, aus dem Emsland. Im Stadion riecht man zuerst den Fußball. Das ist nicht der Rasen. Es riecht nach Bratwurst.

Sommers: Das war bei meiner Oma in Meiderich ähnlich, weil der Kleine da immer abgegeben wurde. Eigentlich hätte ich MSV-Fan werden müssen. . .

Welling: . . . blau steht dir nicht.

Sommers: Dankeschön!

Die vierte Liga ist auf Dauer das Tal der Vergessenen

Ist in der Regionalliga noch Platz für Fußball-Romantik?

Welling: Die Liga ist ein Nadelöhr, weil es für 80 Prozent der Mannschaften schnell nur noch um die goldene Ananas geht. Die fünf Regionalligen sind eine Totgeburt. 90 Vereine, die sich um drei Aufstiegsplätze streiten. Das ist Humbug.

Sommers: Im Westen zerfrisst sich die Liga. Es bleiben am Ende sechs Teams übrig, die unter sich kicken.

Was muss dann also Ihrer Meinung nach passieren?

Welling: Der Meister muss aufsteigen. Alles andere ist Quatsch. Wenn der Erste nicht aufsteigt, ist das sportmoralisch inakzeptabel.

Fühlen Sie sich vom Verband allein gelassen?

Sommers: Die Terminierungen der Spieltage sind ein Witz. Wie sollen die Zuschauer wissen, wann gespielt wird: Freitag, Samstag, Sonntag, vielleicht doch Montag? Wir gehen keinem Hobby nach. Die Vereine beschäftigen doch Menschen, die durchgefüttert werden wollen.Interview

Präsident zu sein, ist auch in der vierten Liga nicht leicht. . .

Welling: Gefühlt habe ich schon alles erlebt, was geht. Abschied vom Stadion, die Wett-Geschichte, Doping, Wasserschaden. Das reicht irgendwann. Aber es gibt auch schöne Sachen, wie nach dem Aufstieg in die vierte Liga, als 3000 Essener singend vor dem Stadion standen.

Sommers: Mich haut nichts mehr von den Füßen. Bei unseren Pokalniederlagen gegen Hönnepel-Niedermörmter und Baumberg habe ich alles gesehen, was ich nicht sehen möchte. Die vierte Liga ist auf Dauer das Tal der Vergessenen.

Apropos vergessen: Sie wollten vor Jahren im Falle des Aufstiegs als Flitzer durch das Stadion rennen. Diese Wette wurde nie eingelöst?

Sommers: Das galt nur für Heimspiele. Im Heimspiel hätte ich es gemacht. Ich war vorbereitet. In diesem Spiel haben wir aber leider 86 Mal den Pfosten getroffen.

Was gibt Ihnen für Donnerstag Hoffnung?

Sommers: Das Pokalfinale ist das einzige Highlight für beide Vereine in den nächsten Wochen. Etwas, was wir den Kindern erzählen können, damit sie weiter an uns glauben. Danach kommt das Los für den DFB-Pokal und die Frage: Heidenheim oder was Richtiges?

Gibt es bei Ihnen Rituale?

Welling: Ich habe eine große Anzahl von Schals.

Sommers: Mit allem, was bei mir im Kleiderschrank hängt, habe ich schon verloren.