Entscheidung in Pretoria
19.06.2010 | 09:00 Uhr 2010-06-19T09:00:00+0200
Am heutigen Samstag kommt in Pretoria eine als DFB-Präsidium firmierende honorige Funktionärsclique zusammen.
Die große Herrenrunde, u.a. mit DFB-Präsident Theo Zwanziger, Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball und Fußball-Allzweckwaffe Franz Beckenbauer, plus Hannelore Ratzeburg (DFB-Präsidentin für Frauen- und Mädchenfußball) trifft sich ab 10 Uhr in edlem Ambiente am Rande der WM in Südafrika. Wie die WAZ erfuhr, stehen wichtige Diskussions-Punkte auf der langen Tagesordnung: Erkenntnisse aus dem Fußball-Wettskandal und die Schutzsperre gegen DFB-Schiedsrichter.
In den Wirrungen des europaweiten Fußball-Wettskandals 2009, bei dem 30 Spiele in Deutschland wegen des Verdachts auf Manipulation in das Visier der Ermittler gerieten, verhängte der Deutsche Fußball-Bund erstmals in seiner Geschichte Schutzsperren gegen Schiedsrichter: Cetin Sevinc (27) aus Waltrop und Thorben Siewer (22).
Sevinc, der im Fußballkreis Herne pfeift, wurde Mitte Dezember aus dem Verkehr gezogen. Der Unparteiische soll parteiisch agiert haben, so wie als Assistent beim Zweitliga-Spiel Fürth gegen Düsseldorf (2:1) im Oktober 2009. Dort erhielt er eine schlechte Bewertung. Es gebe „erhebliche Hinweise“ in den Akten der Sonderkommission „Flankengott“ bei der Bochumer Staatsanwaltschaft, begründete der DFB die Schutzsperre. Dem Verband liegt zudem eine eidesstattliche Versicherung eines Zeugen vor, laut der Sevinc über einen Mittelsmann Geld auf eigene Spiele gesetzt haben soll. Der Waltroper streitet die Vorwürfe ab.
Bereits Anfang Dezember wurde der Drolshagener Thorben Siewer mit einer Schutzsperre belegt. Sein Name taucht in den Bochumer Ermittlungsakten auf. Siewer war Schiedsrichter beim Regionalliga-Spiel Großbardorf gegen Heidenheim im Mai 2009, das unter Manipulationsverdacht steht. Ein Schiedsrichter-Beobachter attestierte dem Sauerländer indes eine sehr gute Leistung. Abgesehen von der Aktenerwähnung gab es gegen Siewer bislang weder Vorwürfe noch Erkenntnisse. Auch der Betroffene ist sich „keiner Schuld bewusst“.
Die Schutzsperre des Drolshageners könnte das DFB-Präsidium heute in Pretoria aufweichen. Oder gleich aufheben. Entsprechende Informationen wurden aus Kreisen des DFB bekannt – wobei der Verband weiter auf Ermittlungsergebnisse der Bochumer Staatsanwaltschaft wartet. Zumindest ein weiteres Indiz, das für eine nahende Begnadigung Siewers spricht: Hans-Jürgen Weber (Essen) aus der DFB-Schiedsrichter-Kommission will ihn kommende Saison wieder einsetzen.
Cetin Sevinc blickt derweil pessimistisch nach Pretoria. „Ich habe nichts vom DFB gehört“, sagte er Freitag der WAZ.
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