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EM 2012

Wie sich Holland auf die EM-Partie gegen Deutschland einstimmt

11.06.2012 | 17:32 Uhr
Wie sich Holland auf die EM-Partie gegen Deutschland einstimmt
Holländische Fans zählen die Stunden bis zum Spiel - für die Kicker geht es um alles oder nichts.Foto: Matthias Graben

Den Haag.  Die holländischen Medien heizen kräftig ein und pushen die Millionenschar der Oranjefans vor dem EM-Spiel gegen den Erzrivalen Deutschland. Auch die Wirtschaft ist in das Geschäft rund um die Europameisterschaft eingestiegen. Nicht nur wegen des bilateralen Handelsvolumens von 150 Milliarden Euro zwischen beiden Ländern.

Alles oder nichts – das ist die Devise mit der die niederländische Nationalmannschaft am kommenden Mittwoch bei der Fußball-EM gegen den Erzrivalen aus Deutschland antreten muss. Oranje muss gewinnen, wenn die Niederländer im Turnier bleiben wollen. Holland, ohnehin seit Beginn der Fußball-EM in Polen und der Ukraine im Fußball-Rausch, den sie hierzulande ,,Oranjegekte‘‘ nennen, kennt nur noch ein Thema: Den bevorstehenden Fußball-Knaller Oranje gegen ,,die Mannschaft‘‘ wie das deutsche Team hier überall genannt wird. Es wird ein harter aber hoffentlich fairer Kampf werden auf dem grünen Rasen. Das steht jetzt schon fest.

Oranjefans glauben noch immer an den Titel

Die holländischen Medien heizen kräftig ein und pushen die Millionenschar der Oranjefans. ,,Wir haben die Deutschen im Visier,‘‘ titelt die größte Zeitung im Oranje-Staat ,,de Telegraaf.‘‘ Das ,,Algemeen Dagblad‘‘ erfand die Schlagzeile: ,,Nach dem Schlag der Dänen müssen wir jetzt jedes Spiel gewinnen.‘‘ Denn die Oranjefans glauben noch immer hoch und heilig daran, dass ihre Mannschaft als Europameister von dieser EM zurückkehren wird.

Fußball, die schönste Nebensache der Welt, beflügelt aber auch die Unternehmen zu kuriosen Anzeigen. Sogar führende große deutsche Unternehmen in den Niederlanden werben indirekt für das Oranje-Team wie etwa die beiden deutschen Discounter Aldi und Lidl, die jede Menge orangefarbene Produkte in ihr Sortiment aufgenommen hatten. Den Vogel aber schießt Europas größter Autokonzern Volkswagen ab. VW wirbt in niederländischen Medien in ganzseitigen Anzeigen für eine SMS-App. Deutscher Titel: Das Interland. Dann weiter auf Niederländisch: ,,Versla die Mannschaft al voor de aftrap!‘‘ – Schlagt die Mannschaft schon vor dem Anpfiff. VW bietet ein Elfmeterschießen auf der App an – Niederlande gegen Deutschland.

Oranje kreativ ...Foto: Matthias Graben

Auch das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen präsentiert sich dem niederländischen Publikum in ganzseitigen Anzeigen zur Fußball-EM.

Niederlande wollen in der Rezession von Deutschen lernen

Richtig heftig hat das Deutschland-Fieber in den Niederlanden die Wirtschaftszeitung ,,Het Financieele Dagblad‘‘ (FD) gepackt. Das FD publizierte am Montag eine 32-seitige Sonderbeilage über Deutschland mit dem Tenor: Von Deutschland lernen. Fußball ist in der Sondernummer nur eine Nebensache.

Die Kernfrage der Deutschland-Beilage des FD lautet: ,,Wie können wir vom neuen Wirtschaftswunder der Deutschen mit profitieren?‘‘ Denn die wirtschaftliche Entwicklung in den Niederlanden hinkt der in Deutschland erheblich hinterher. Holland ist in einer Rezession, während die deutsche Wirtschaft noch wächst, wenn auch nur mäßig. Das staatliche Finanzierungsdefizit der Niederlande liegt derzeit bei 4,6 % des Bruttoinlandsprodukts BIP, das von Deutschland nur bei rund 1,0 % des BIP. Und das obwohl beide Volkswirtschaften so eng wie noch nie miteinander verflochten sind und der bilaterale Handel zwischen Holland und Deutschland jährlich 150 Mrd. Euro beträgt.

Völlig anders als derzeit etwa in Griechenland, Portugal oder Spanien üblich, wo das Merkel- oder Deutschland-Bashing schon zum guten Ton gehört, singt das FD in seiner Deutschland-Nummer ein regelrechtes Loblied auf das größere Nachbarland.

Mittwoch wird dennoch kein Niederländer für die deutsche Mannschaft jubeln

Im FD-Leitartikel mit der Überschrift ,,Deutsche Lektionen‘‘ wird von Rob de Lange das derzeit besonders gute Verhältnis zwischen beiden Nachbarländern analysiert. Er beginnt natürlich mit dem Fußball und dem Satz: ,,Wer die Türen oder die Fenster geöffnet hatte, als Bayern München gegen Chelsea das Champions League-Finale spielte, dem kann nicht entgangen sein, dass man hier für die Bayern gejubelt und mit ihnen gezittert hat. Vor zehn Jahren noch wäre das undenkbar gewesen.‘‘

Nur, am Mittwoch, dem 13. Juni, wird in den Niederlanden wohl kein Holländer für die deutsche Mannschaft jubeln, sondern wohl nur die hier lebenden Deutschen. Aber das sind mehr als 300.000 Fans für Löw und sein Team.

Helmut Hetzel



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