Wie der Essener Torwart Sören Pirson eine Saison in Griechenland erlebte

Ein Jahr in der höchsten Liga von Griechenland: Der gebürtige Essener Sören Pirson.
Ein Jahr in der höchsten Liga von Griechenland: Der gebürtige Essener Sören Pirson.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Sören Pirson kennt die Leiden und Freuden der griechischen Fan-Seele: Der 26-jährige Essener stand in der vergangenen Saison bei Diethnis Enosis Ergotelis in der höchsten Spielklasse in Griechenland zwischen den Pfosten. Zuvor spielte Pirson bei Rot-Weiß Oberhausen, Rot-Weiss Essen und kam auch bei Borussia Dortmund zu einem Profieinsatz. Momentan bereitet er sich mit dem FSV Frankfurt auf die Zweitliga-Saison vor. Dirk Hein sprach im Interview mit dem Torhüter.

Essen.. Herr Pirson, muss die deutsche Nationalmannschaft am Freitag Angst vor den Griechen haben?

Pirson: Nein. Ich schätze das deutsche Team spielerisch stärker ein und denke, dass die Elf von Jogi Löw deutlich gewinnen wird. Dennoch werden die Griechen alles geben – und elf Millionen Fans werden hinter ihnen stehen. Es ist eine Gelegenheit, alle Probleme zu vergessen und stolz auf das eigene Land zu sein.

Was unterscheidet den Fußball in Deutschland und Griechenland?

Pirson: In Griechenland ist das Gefälle innerhalb der Liga viel größer. Dort gibt es vier oder fünf richtig starke Mannschaften, die eine Spielklasse dominieren können. Dann folgt der Rest.

Wie wird trainiert?

Pirson: Die Griechen legen viel mehr Wert auf Kraft. Das merkt man im Spiel – da ist nicht so sehr die Feindynamik und Spritzigkeit zu sehen. Während wir in Deutschland einmal in der Woche in den Kraftraum gehen, wird dort in Griechenland zwei oder drei Mal trainiert – wie selbstverständlich.

Wie haben Sie die Mentalität der Griechen erlebt?

Pirson: Am Anfang muss man sich ein wenig daran gewöhnen. Die Disziplin, pünktlich bei den Terminen zu erscheinen, ist nicht so stark ausgeprägt wie in Deutschland. Manchmal kommen sie fünf Minuten später, dann zwei Stunden verspätet. Oder einen Tag. Oder gar nicht. Außerdem ist da die Sache mit dem Kaffee…

Kaffee?

Pirson: Die Griechen lieben Kaffee. Sie versäumen keine Gelegenheit, ihn zu trinken.

Wie sind Sie als deutscher Spieler vor einem Jahr aufgenommen worden?

Pirson: Ich hatte keine Probleme. Die sportlichen und politischen Dinge kann man dort schon trennen. Deutschen, so wie anderen Europäern auch, wird Respekt entgegengebracht, so hab’ ich das jedenfalls erlebt. Denn, wenn du als Deutscher in Griechenland lebst, hast du schließlich die gleichen Probleme wie sie. Geld ist aber immer ein Diskussionsthema. Manchmal muss man ein bisschen die Ellenbogen ausfahren.

Sören Pirson über Bengalos in griechischen Stadien

Sie haben vor der Saison in Griechenland vier Jahre bei Rot-Weiß Oberhausen gespielt. War der Wechsel für Sie eine große Umstellung?

Pirson: Es ist immer eine Umstellung, wenn du in ein Land kommst, in dem du die Sprache nicht sprichst und niemanden kennst. Wir hatten einen Polen und einen Österreicher in der Mannschaft, mit denen ich Deutsch sprechen konnte.

Wie haben Sie die Fanszene in Griechenland erlebt?

Pirson: Die Griechen sind verrückt nach Fußball. Es gibt alleine 22 Sportzeitschriften, die alle etwas schreiben wollen. Die Fans sind sehr impulsiv. Bengalos sind in den griechischen Stadien normal – und erlaubt. Da kann es schon mal passieren, dass hinter deinem Tor plötzlich die Tribüne in Flammen steht.

Haben Sie sich als Torwart dadurch bedroht gefühlt?

Pirson: Nein. Das Bild, was sich daraus ergibt, ist ja schön anzuschauen. Dass in Deutschland darüber diskutiert und dagegen vorgegangen wird, ist nachvollziehbar. Aber eine solche Diskussion könnte es in Griechenland nicht geben. Dort würde keiner ein Stadionverbot fordern. Das ist eine andere Mentalität.

Sie haben Griechenland nach einem Jahr wieder verlassen, obwohl Sie noch einen Vertrag hatten.

Pirson: Wir sind leider abgestiegen und dadurch hatte sich mein Vertrag erledigt. Die Zeit in Griechenland behalte ich als gute Erfahrung in Erinnerung, aber ich war während der Saison häufig von meiner Freundin getrennt, die in Deutschland geblieben ist. Der Wechsel zurück nach Deutschland hatte also auch praktische Gründe.

Haben Sie den Werdegang Ihrer ehemaligen Vereine in Deutschland verfolgt?

Pirson: Ja, und ich finde es sehr bedauerlich, dass Rot-Weiß Oberhausen wieder in die vierte Liga abgestiegen ist. Bei Ergotelis habe ich mich mit meinem österreichischen Kollegen über die Ergebnisse unserer Ex-Vereine ausgetauscht. Er wusste immer, wie die deutschen Vereine gespielt haben und ich, wie es in Österreich lief…

Was kommt zum Spiel gegen die Hellenen bei Ihnen auf den Teller: Currywurst oder Gyros?

Pirson: Als Kind des Ruhrgebiet gibt es eine klare Antwort: Currywurst! Obwohl es in Griechenland natürlich auch den Italiener und das Schnitzel gab. Ich muss jedoch sagen: Die griechische Küche ist sehr gut.