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Warum der Titelgewinn bei der EM 2012 reine Form-Sache ist

10.06.2012 | 17:30 Uhr
Formstark und formschwach: Manuel Neuer (rechts) und Bastian Schweinsteiger nach dem Sieg über Portugal.Foto: Reuters

Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation nahtlos an ihre begeisternden Auftritt bei der WM 2010 anknüpfte, schien der nächste Titelgewinn nur noch Formsache. Allerdings haben viele dabei nicht an die Form der Spieler gedacht, die - wie das EM-Auftaktspiel gegen Portugal zeigte - aktuell noch sehr zu wünschen übrig lässt. Ein Kommentar

So lange Fußball gespielt wird, gilt: Das Ergebnis bestimmt die Analyse; die Umstände, die dazu führen, sind von eher untergeordneter Bedeutung. Am Beispiel der EM-Auftaktspiele lassen sich die Mechanismen trefflich beobachten. Wäre etwa Hollands Arjen Robben gegen Dänemark nicht am Pfosten gescheitert und hätte gegen die Portugiesen nicht die Latte das deutsche Team gerettet – die Diskussion, die jetzt in den Niederlanden tobt („Legoland schlägt Egoland“), würde Fußball-Deutschland in Atem halten.

Joachim Löw stünde dann unter vergleichbarem Rechtfertigungsdruck wie Bondscoach Bert Marwijk. Der Bundestrainer hatte seinen zuletzt immer forscher hinter der Hecke hervor gekrochenen Kritikern schon vor dem ersten Spiel etwas Wind aus den Segeln genommen, indem er doch noch Mats Hummels in die Startelf beorderte. Wobei die Debatte über die Zahl der Münchner und Dortmunder Spieler in der nationalen Auswahl inzwischen nur noch nervt.

Geradezu lächerlich mutet es an, wenn der zugegeben spielerisch mäßige deutsche Auftritt gegen Portugal von einigen oberschlauen Kritikern mit dem vermeintlich altbackenen Bayern-Stil in Verbindung gebracht wird. Schon vergessen? Noch vor kurzem berauschten wir uns alle am tollen Tempofußball der Nationalelf, in der seinerzeit nicht weniger Münchner als am Samstag standen. Nicht die Vereinszugehörigkeit der Spieler ist das Thema, sondern ihr aktueller Leistungsstand.

Einzelkritik
BVB-Verteidiger Hummels bei DFB-Erfolg bester Mann

Bundestrainer Joachim Löw setzte Per Mertesacker beim ersten EM-Gruppenspiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal auf die Bank. Den Platz in der Innenverteidigung nahm Mats Hummels ein. Und der zeigte beim 1:0-Sieg des DFB-Teams eine ganz starke Leistung. Die Einzelkritik.

Zieht Löw formschwache Führungsspieler weiter durch?

Unter diesem Aspekt war Hummels konkurrenzlos. Seine gleichwohl kaum mehr erwartete Nominierung mögen Kritiker als Einknicken des Trainers vor der öffentlichen Meinung werten. Es lässt sich aber auch als (erfreulicher) Mangel an Sturheit auslegen, der darauf hoffen lässt, dass Löw aus der Erfahrung mit einem formstarken Spieler die notwendigen Konsequenzen zieht. Dazu gehört, nicht nur Thomas Müller, sondern auch einen – formschwachen – Führungsspieler wie Bastian Schweinsteiger in Frage zu stellen, der nur noch ein Schatten des dominierenden Spielers der WM 2010 ist. Zur Erinnerung: Schon einmal hat Deutschland seine Titelchancen reduziert, weil ein angeschlagener Spieler mit durchzogen wurde (Rummenigge, WM 1986).

Als die Löw-Elf während ihrer makellosen EM-Qualifikation nahtlos an ihre begeisternden WM-Auftritte anknüpfte, schien der erste Titelgewinn seit 1996 reine Formsache zu sein. Nur scheinen einige vergessen zu haben, dass diese Einschätzung wortwörtlich zu nehmen ist – als Form-Sache.

DFB-Elf mit Auftaktsieg

Reinhard Schüssler



Kommentare
11.06.2012
14:23
Warum der Titelgewinn bei der EM 2012 reine Form-Sache ist
von 13jahredede | #7

Man könnte ja nachdem Spiel auch zu dem Schluss kommen, dass unsere NM zur Zeit nicht besser kann, warum auch immer, denn ehrlicherweise (aus meiner Sicht) dauert dieses Leistungstief schon etwas länger.
Intern wird man das auch sicher selber bemerkt haben und sucht nach Lösungen, auf alle Fälle haben es unsere Gegner es bemerkt.
Also sollte man einfach erstmal seine Ansprüche ein bischen herabschrauben, was man ja auch getan hat, denn es kamen Sätze auf einmal, wir denken nur noch von Spiel zu Spiel, oder ich will nichts mehr vom Finale hören.
Das es die Mannschaft besser kann bzw. konnte hat sie ja auch hinlänglich bewiesen und es besteht ja auch die Möglichkeit eine deutlichen Leistungssteigerung der gesamten Mannschaft.
Klar hatten wir gegen Portugal Glück, aber ich erinnere auch mal nur daran, dass Deutschland bei richtiger Vorteilsauslegung auch ein klarer Treffer verwehrt wurde.

Also nicht meckern, weiter Daumen drücken

11.06.2012
00:36
Warum der Titelgewinn bei der EM 2012 reine Form-Sache ist
von schriftsetzer | #6

Sie sprechen mir aus der Seele, #5 Burkinho...

Danke dafür!

11.06.2012
00:28
"Schon einmal hat Deutschland seine Titelchancen reduziert, weil ein angeschlagener Spieler mit durchzogen wurde (Rummenigge, WM 1986)."
von Burkinho09 | #5

Diese Meinung dürften Sie exklusiv haben, Herr Schüssler. Die Truppe von "Suppenkaspar" Beckenbauer spielte Fußball zum Abgewöhnen und Rummenigge war zu der Zeit der einzige Spieler, vor dem die Gegner gehörigen Respekt, um nicht zu sagen Angst, hatten, auch wenn er nicht fit war. Die einzige ordentliche Leistung lieferte man im HF gegen Frankreich ab und am Ende im Finale, als man aus einem 0:2 ein 2:2 machte und das übrigens dank besagtem Rummenigge. Der Teamchef bezeichnete seine Mannschaft von damals u.a. als "letzten Schrott" und "Gurkentruppe"!

Dagegen sind die Chancen diesmal nicht so schlecht, um am Ende ins Finale einzuziehen.Ob Löw die Elf gegen Holland ändert, glaube ich nicht, aber vielleicht wechselt er diesmal eher aus. Gegen Portugal hatten gleich mehrere Offensivspieler mit ihrer Leistung um eine Auswechslung "gebettelt". Sollten dann die Neuen ihre Sache besser machen, müsste Löw ernsthaft über die nächste Startelf nachdenken, denn es sollten schon die Besten spielen.

10.06.2012
22:32
Warum der Titelgewinn bei der EM 2012 reine Form-Sache ist
von Eigenart | #4

Gut, dass wir ein Volk von Bundestrainern sind und immer alle wissen, was das Beste wäre. Ich vermute mal, dass Löw seine Gründe für seine Aufstellung hat. Immerhin ist er der Bundestrainer, der den deutschen Zauberfußball und diese begeisternde Mannschaft entwickelt hat. Jetzt hat es im ersten Spiel noch nicht gut funktioniert. Bei der WM war es das zweite Spiel, wo die Jungs sich angestellt haben als kämen sie gerade aus der Kreisliga. Na und? Sie sind eben Menschen, und außerdem stehen da noch elf andere auf dem Platz, die auch mitspielen. Lasst sie doch erst mal richtig ins Turnier kommen, und die Fitness der einzelnen kann der Trainer sicher am besten beurteilen - deshalb hat er wohl auch Hummels und nicht Mertesacker aufgestellt. Geht doch einfach mal davon aus, dass er seinen Job kann!

10.06.2012
20:13
Warum der Titelgewinn bei der EM 2012 reine Form-Sache ist
von tomatenkiller_neo | #3

Lieber Schriftsetzer, normalerweise hätte Portugal den Sieg verdient gehabt, das
Herumstrampele einiger deutscher Spieler wurde mit der Zeit unerträglich.
Da wurde das Tempo sinnlos herausgenommen, einige Spieler waren völlig neben der
Spur (Lahm, Schweinsteiger ...) ,
Und vor allem Schweinsteiger - vor Jahren noch treffsicherer Antreiber, ist er mittlerweile nur noch ein Ballverteilerchen, der bei verlorenen Bällen auch nicht mehr nachsetzt.

10.06.2012
19:59
Warum der Titelgewinn bei der EM 2012 reine Form-Sache ist
von schriftsetzer | #2

"wenn der zugegeben spielerisch mäßige deutsche Auftritt gegen Portugal"

Lieber Herr Schüssler, ich weiß ja nicht, welches Spiel Sie gesehen haben, aber ganz sicher nicht das gegen Portugal. Da haben sich zwei gleichwertige Mannschaft auf hohem Niveau und mit hohem Tempo schlicht und ergreifend neutralisiert. Und wenn man sich das deutsch Passspiel anschaut, war das gerade über die langen Distanzen sehr viel präziser als das der Portugiesen. Gestern sah man den Spruch "man spielt nur so gut, wie es der Gegner zulässt" durchaus bestätigt, da die Portugiesen über 90min. eine 1:1 Manndeckung aufrecht erhalten haben.

1 Antwort
Warum der Titelgewinn bei der EM 2012 reine Form-Sache ist
von DerKenner | #2-1

Da fragt man sich doch glatt, welches Spiel hat den der Schriftsetzer gesehen. Das Spiel unserer Jungs war zumindest in der Offensive schwach. Beide Außen waren blaß und so mancher Beobachter hätte sich gewünscht, hier auf diesen Positionen frische Spieler zu sehen (Götze, Reus, ...).
Aber man muß auch den Trainer verstehen. Der will Poldi und Müller mit einer frühen Auswechslung nicht gleich zu Beginn des Turniers verbrennen.

Also, Mund abputzen und weitermachen. Früher war mehr Nutella!

10.06.2012
19:43
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Name von Moderation entfernt | #1

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