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EM, Vorrunden-Gruppe A

Schweiz verliert und scheidet aus

11.06.2008 | 22:57 Uhr

Türkei kippt den Gastgeber mit einem in der Nachspielzeit erzwungenen 2:1 aus dem Wettbewerb. Auf dem rutschigen Boden von Basel entwickelt sich ein dramatisches Kampfspiel.

Aus und vorbei! Das Viertelfinale bei der Fußball-EM geht ohne den Co-Gastgeber weiter. Die Schweiz verlor gestern ihr Gruppenspiel gegen die Türkei in letzter Minute mit 1:2 (1:1) und kann sich nun ganz ihren Gastgeber-Pflichten widmen. Dagegen hat die Türkei ein weiteres echtes Endspiel ums Weiterkommen in der letzten Partie gegen die Tschechen.

Lange Zeit sah es so aus, als sollte erst im letzten Gruppenspiel gegen Portugal eine Entscheidung fallen, doch die Türken glichen den 0:1-Rückstand gestern Abend in Basel nicht nur aus, sondern kippten das Spiel in der Nachspielzeit komplett: Ihr Jüngster, Arda Turan, erzielte einen Treffer, der den Schweizern den Boden unter den Füßen wegzog.

Der Schweizer Nationalcoach Köbi Kuhn, sonst kein Freund von Veränderungen, wählte zu Beginn gezwungenermaßen die „türkische Eröffnung”. Für den verletzten Alex Frei spielte wie schon im Tschechen-Spiel der Ex-Stuttgarter Hakan Yakin. Und da ein Leistenbruch den „Problemfall” Marco Streller gelöst hatte, kam für ihn der erst 19-jährige Baseler Eren Derdiyok zum Einsatz. Ergänzt wurde die türkische Fraktion der Eidgenossen von Gökhan Inler.

Das Spiel selbst, nach den Vorfällen der „hässlichen Nacht von Istanbul” von vielen der 39 730 Zuschauer kritisch beäugt, begann zwar spannungsgeladen, aber nicht feindselig. Um nicht zu sagen, die Partie plätscherte in den ersten 15 Minuten vor sich hin. Aber um ganz sicher zu gehen, leistete der Himmel auch noch seinen Beitrag zur Abkühlung. Es wurde rabenschwarz im St. Jakob-Park, dann öffneten sich die Schleusen und schickten Wolkenbrüche wie anno '74 beim legendären Polen-Spiel auf den Rasen. Im Nu wurde das Match zur einzigen Rutschpartie, der Ball zum unberechenbaren Frosch. Die Schweizer begriffen zuerst, was die Stunde geschlagen hat, und versuchten es mit Fernschüssen, doch bei Aufsetzern von Inler, Yakin und Barnetta zeigte sich Türkeis Torhüter Volkan als Faustkünstler.

Nach einer halben Stunde fast die Führung auf der Gegenseite, Wolfsburgs Keeper Benaglio faustete genau auf den Kopf von Arda Turan, doch das Leder klatschte an den Pfosten. Kollektives Aufatmen im Kuhglocken-Block. Und fertig machen zum Läuten: Einen dieser glitschigen Vorlagen bekommt Eren Derdiyok unter Kontrolle, sein Pass von rechts läuft durch die hohle Gasse wie einst in Küssnacht – und bleibt zum Schrecken aller in einer Pfütze liegen. Zum Glück kein Türke weit und breit - so kann Yakin in aller Ruhe einschieben. 1:0 nach 32 Minuten, ein Produkt des größeren Willens bei irregulären Bedingungen. Der Schütze wählt die Poldi-Variante – und verkneift sich den Jubel. Dafür stoppen die Wolkenbrüche, die Sonne lugt hervor, der Himmel färbt sich gülden. Ein Bild, kitschiger als ein Spitzweg-Gemälde. Drei Minuten später fast die Kopie, doch nach Behrami-Flanke setzt Yakin den Ball vorbei.

Nach der Pause wird der Rasen von Minute zu Minute wieder bespielbarer, und nach 57 Minuten geht alles zurück auf Anfang: Der eingewechselte Semih Sentürk setzt eine genau getimte Flanke von Nihat Kahveci per Kopf ins Dreieck: 1:1. Die Partie wird mit offenem Visier weiter geführt, das Remis hilft keinem. Nach 65 Minuten ist Barnettas Kraft am Ende, für ihn kommt die große Schweizer Hoffnung Vonlanthen. Doch die Türken blieben gefährlicher, mehrfach rutschten Angreifer um Zentimeter an der Hereingabe vorbei.

Alles deutete auf ein Remis hin, dann zog Arda Turin aus 20 Metern ab, traf unter die Latte und die Schweizer ins Fußballherz!

Ralf Wilhelm

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Kommentare
11.06.2008
23:15
Schweiz verliert und scheidet aus
von donjon | #1

Kleine Schmunzelgeschichte zu Thema:
http://www.derwesten.de/community/donjon/stories/206248/

donjon

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