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Respekt, Jogi Löw

18.06.2012 | 14:14 Uhr
Respekt, Jogi Löw
Bundestrainer Joachim Löw hat gut lachen: Sein Team spielt attraktiven Fußball. Foto: afp

Essen.   Fußball und Politik begegnen sich irgendwie immer wieder. Aber gilt immer noch: Wie die Politik, so der Fußball? Die deutsche Elf hat sich von vielen Klischees über ihr Spiel lösen können. Ein Kommentar von Reinhard Schüssler.

Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft war viel von Politik die Rede. Die wenigsten dürften aber mit dieser Entwicklung gerechnet haben: Die seit längerem anhaltende Auseinandersetzung zwischen Griechenland und Deutschland verlagert sich kurzfristig von der EU auf die EM . Schon kündigten euphorisierte Hellas-Fans vor dem Viertelfinale an: „Wir werden den Deutschen zeigen, dass sie zwar mehr Geld, wir aber das bessere Team haben.“

Nun ja. Wer aber die strahlenden Gesichter der auf den Straßen Athens tanzenden Menschen sah, bekam zumindest eine Ahnung davon, welche politische Kraft in einem Ball steckt, der fast die ganze Weltkugel bewegt. Wobei die Fußball-Begeisterung natürlich nicht nur in eine Richtung ausschlägt.

So erleichtert Griechenlands Regierung sein wird, dass ihre Landsleute von ihren größten Sorgen abgelenkt sind, so wenig amüsiert wird Russlands Präsident Wladimir Putin über das Vorrunden-Aus seiner Nationalmannschaft sein. Nicht umsonst hatte der Kreml-Chef Tausenden von Fußball-Anhängern die kostenlose Anreise ermöglicht. Die Rechnung, über den Fußball eine bessere Stimmung im Land zu erzeugen, ging jedoch nicht auf.

Wirkung der Ball-Botschafter ist enorm

Auch in Deutschland hat noch jeder Regierungschef versucht, die Popularität des Fußballs auszunutzen. Spürbare politische Wirkung erzielte jedoch nur ein deutscher Triumph: das „Wunder von Bern“. Indem sie dem unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges leidenden Volk das „Wir- sind- wieder-wer“-Gefühl vermittelten, zählte die Herberger-Elf 1954 zu den Motoren des Wirtschaftswunders.

Da kann die Löw-Elf spielen und siegen, wie sie will - ein solcher Stellenwert ist für sie unerreichbar. Was nicht gegen die Fußballer, sondern für die Entwicklung in unserem Land spricht. Gleichwohl ist die (Außen-)Wirkung, die Deutschlands Ball-Botschafter erzielen, nicht gering zu schätzen. Wie sich spätestens beim Sommermärchen 2006 zeigte, als die Welt sowohl über den unverkrampften Umgang mit nationalen Symbolen als auch über die Spielweise der einheimischen Mannschaft staunte.

Im Fußball hatten sich die Deutschen zwar über Jahre weltweiten Respekt verschafft , mit ihrer wenig filigranen Spielweise gleichzeitig aber vorhandene Vorurteile gegenüber „teutonischen Tugenden“ verstärkt. Inzwischen löst der Stil des Löw-Teams weniger Furcht vor deutscher Effektivität aus, eher schon Verzückung über ein attraktives Spiel .

Reinhard Schüssler



Kommentare
04.07.2012
13:01
Respekt, Jogi Löw
von ChristlicherDemokrat | #2

nun ja,
das wird auch schriftsetzer eingestehen,
an die Klasse der Iberer kommt auch dieses Team (nicht) mehr dran! Schon die Italiener hatten verdient mit mehr Laufeinsatz und technischerere Reife JogisJungs gezeigt, wo der Bauer den Most holt.

Und auch die Einschätzung:
" Wie sich spätestens beim Sommermärchen 2006 zeigte, als die Welt sowohl über den unverkrampften Umgang mit nationalen Symbolen als auch über die Spielweise der einheimischen Mannschaft staunte."
hat sich mit dem Gesülze um das Mitgrölen der Hymne von selkst erledigt.

18.06.2012
14:35
Respekt, Jogi Löw
von schriftsetzer | #1

"...eher schon Verzückung über ein attraktives Spiel."

Das haben Sie aber am 10.6. diesen jahres noch ganz anders gesehen, Herr Schüssler.
Woher der plötzliche Sinneswandel? Manchmal scheint es mir angebrachter, man sagt einfach mal nichts (gilt übrigens für die meisten Kommentatoren) und lässt Löw und die Jungs auf dem Rasen mal machen... ;-)

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