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Polizei will Verstöße bei Autokorsos stärker ahnden

11.06.2012 | 18:15 Uhr

Siegen/Arnsberg.   Nach den Unfällen bei Autokorsos in Siegen und Neheim will die Polizei schärfer auf die Einhaltung von Verkehrsregeln pochen. Denn dem Freudentaumel zum Trotz: Die Straßenverkehrsordnung gilt auch beim Korso. Auch in Dortmund laufen Gespräche über neue Sicherheitskonzepte.

Die gute Nachricht vorweg: Die bei Autokorsos in Siegen und Neheim verletzten Fußballfans sind auf dem Weg der Besserung. „Sie sollen bereits entlassen worden sein“, sagt Siegens Polizeisprecher Georg Baum. Die feierlustigen Fans müssen künftig mit intensiveren Kontrollen rechnen. „Die Straßenverkehrsordnung wird durch eine Fußball-EM nicht außer Kraft gesetzt“, so Baum.

Im Hochsauerlandkreis wird die Polizei künftig schärfer hinschauen und auch Verwarngelder erheben. „Da kommen wir nicht drumherum“, sagte Polizeisprecher Ludger Rath. Wer sich weit aus dem Fenster lehnt, im Auto steht und mit dem Oberkörper durch das Schiebedach schaut, wer bei Cabrios auf der Lehne der hinteren Bank sitzt, muss mit 30 Euro rechnen oder dem doppelten Betrag, wenn die Kontrolleure von einem vorsätzlichen Verstoß ausgehen. Denn an der Gurtpflicht im Korso käme auch ein Bastian Schweinsteiger nicht vorbei.

Verwarngelder als Abschreckung bei Autokorsos

Wobei den Polizeitaktikern klar ist, dass Verwarngelder nur ein vereinzeltes Mittel der Abschreckung sind, sozusagen eine Gelbe Karte für den ganzen Korso. Woher sollte die Polizei das Personal nehmen, größere Autoschlangen abzustrafen?

In Dortmund hat die Polizei Erfahrung im Umgang mit dem Management von Massen, auch wenn sie automobil sind. „Wir können Teile des Korsos stoppen, bestimmte Wege nicht oder nur freigeben, das muss der Einsatzleiter vor Ort situativ entscheiden“, sagt Polizeisprecher Manfred Radecke. Praktiziert wurde das mit Erfolg bei zurückliegenden -Großereignissen, bei denen Fan-Autos nur dosiert den Wallring um die Innenstadt oder den Borsigplatz befahren durften. Die Überlegungen gehen in Dortmund noch weiter. Offenbar sind auch eigene Sicherheitskonzepte für solche impulsiven Autofahrten denkbar. „Wir sprechen mit der Stadt über diese Problematik“, sagt Radecke.

Generell reagiere die „Polizei mit dem nötigen Fingerspitzengefühl bei Fanfesten und auf spontane Autokorsos“, sagt Innenminister Jäger (SPD). Bei Straftaten, Gefährdungen oder Verkehrsverstößen gebe es keinen Ermessensspielraum. „Da schreitet die Polizei konsequent ein.“

 

Fan-Jubel beim 1:0

Brauchen wir überhaupt Autokorsos?

Im Mescheder Präsidium stellt Ludger Rath die improvisierten Jubelfeiern auf Rädern generell in Frage. „Warum ein Korso? Kann man nicht auf den dafür vorgesehenen Plätzen des Public Viewing ohne Auto feiern?“ Denn was sei es wert, hupend um den Block zu fahren, wenn dabei Menschen verletzt werden können?

Auch Autoversicherer halten trotz Freudentaumel an Haftungsgrundsätzen fest – und berufen sich auch bei Autokorsounfällen auf Verkehrsregeln und Vertragsbedingungen. Verursacht ein Autofahrer einen Unfall, etwa weil ihm eine große Fahne, die über die Windschutzscheibe flattert die Sicht versperrt, kann es sein, dass seine Kaskoversicherung den Schaden am eigenen Auto nicht oder nur mit Abzügen reguliert. Auch für Unfallverursacher kann es teuer werden – selbst wenn grundsätzlich die Haftpflicht einspringt. Wer sich massiv wider der Straßenverkehrsordnung verhält, verstößt gegen die Vertragsbedingungen. Bei einem Unfall kann sich der Versicherer beim Fahrzeugführer eine Regresshöchstsumme bis zu 5000 Euro wiederholen.

Bei den Fans selbst ist auch so etwas wie Einsicht zu spüren. „Autokorsos sind eine tolle Art und Weise, einen Sieg zu feiern. Allerdings sollte man angeschnallt bleiben“, sagt Hanno Lever (30) aus Schwerte. Lisa Tillmann (21, Meschede) meint: „Jeder Mitfahrer sollte sich definitiv im Auto befinden und nicht etwa auf der Motorhaube. Das ist schon bei geringem Tempo viel zu gefährlich.“ Für Niklas Middendorf (20, Schwerte) ist das Tempo aber ein Kriterium: „Wenn es gering ist, sollte alles erlaubt sein“, sagt er.

Public Viewing in Plettenberg

Florentine Dame, Maximilian Tillmann und Michael Schmitz

Kommentare
13.06.2012
15:49
Polizei will Verstöße bei Autokorsos stärker ahnden
von Oldsiggi | #22

Es gibt doch immer wieder Leute, die anderen den Spaß verderben wollen.....

1 Antwort
Polizei will Verstöße bei Autokorsos stärker ahnden
von fantomias | #22-1

und es wird immer leute geben, die nicht verstehen, warum hupend im kreis fahren nach dem ersten vorrundenspiel (muahahaha) für irgendwelche anderen leute das größte im leben ist. das großartigste, was ich nach dem portugalspiel sah, war ein einsamer quadfahrer nachts um halb eins, der seine runden auf dem bergischen ring drehte - die deutschlandfahne umgehängt, natürlich. da geht man schon mal in sich und freut sich, daß mans elbst freunde hat ;)

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Polizei will Verstöße bei Autokorsos stärker ahnden
Polizei will Verstöße bei Autokorsos stärker ahnden
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http://www.derwesten.de/sport/fussball/em/polizei-will-verstoesse-bei-autokorsos-staerker-ahnden-id6756989.html
2012-06-11 18:15
EM 2012,Autokorso,Europameisterschaft,Auto
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