Podolski findet nach Köln-Abstieg seinen Optimismus wieder
24.05.2012 | 17:04 Uhr 2012-05-24T17:04:22+0200
Tourrettes. Die desaströse Rückrunde mit seinem 1. FC Köln hat Lukas Podolski abgehakt. Der Stürmer blickt voller Zuversicht auf die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Mit der Nationalelf will Podolski endlich einen Titel holen.
Bundestrainer Joachim Löw wird sich dieser Tage wohl auch das eine oder andere
Mal gewünscht haben, dass alle Leistungssportler so wie Lukas Podolski
wären: robust. Auf dem Platz, aber vor allem
hinter der Stirn. Der Hype um die psychischen Folgen für seine
Nationalmannschaftskollegen von Bayern München
, resultierend aus der Pleite im
Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea, war dem Stürmer suspekt. Was
sollen denn da andere sagen? Das ist doch kein Elend, mal zu verlieren. "Es wird
so dargestellt, als ob es eine Krankheit ist", sagte Podolski auf seine ureigene, noch immer unbekümmerte Art
zur Bayern-Niederlage.
Der 26-Jährige ließ am Donnerstag im
EM-Trainingslager des DFB im südfranzösischen Tourrettes mit einem nahe
liegenden Vergleich gleich einmal Dampf aus dem Kessel der Emotionen um die tief
greifenden Seelenschäden für seinen Kumpel Bastian Schweinsteiger und die
anderen sieben Nationalspieler der Bayern. Der Abstieg der Kölner sei "viel
dramatischer. Da hängen Finanzielles und Arbeitsplätze dran, das kann der Ruin
für einen Verein sein", sagte Podolski. Den gebürtigen
Polen hat der Abstieg seines Leib- und Magenvereins am 5. Mai nach dem 1:4 gegen
die Bayern auch schwer getroffen. Präsent sind noch die Bilder, als er seinen
Sohn Louis und eine Nichte an der Hand auf dem Rasen der Kölner Arena Tränen in
den Augen hatte.
Podolski hakt Abstieg ab und freut sich auf den FC Arsenal
Aber es ist vorbei. Natürlich wartet mit dem Wechsel zum FC
Arsenal
ein neues Abenteuer, die englische Premier League und die Königsklasse.
Doch das Herz hängt immer noch in Köln, aber nicht mehr am FC. "Das dauerte
zwei, drei Tage", sagte Podolski zu seiner persönlichen
Verarbeitung des Abstiegs. "Als Sportler muss man mit Niederlagen leben. Die
Qualität der Spieler geht deshalb ja nicht verloren." Doch Kontakt zu
Mitspielern oder Offiziellen des 1. FC Köln hat er nicht mehr.
Ein so
unbefangener, unkomplizierter Sportler macht es Trainer leicht. Sportlich sind
die Qualitäten eines Lukas Podolski unbestritten. 18
Tore dokumentieren die beste Saison seiner Karriere. Perfekt für jeden Trainer
ist die Einstellung, die Podolski mitbringt. Nicht
umsonst hat er 95 Länderspiele und könnte schon mit dem letzten EM-Gruppenspiel
am 17. Juni in Lwiw gegen Dänemark in den Klub der Hunderter aufsteigen. Die EM
in seiner Heimat Polen und dem Co-Gastgeberland Ukraine ist das fünfte große
Turnier des Rheinländers, für ihn das "sechste", weil er noch den Confed-Cup
2005 dazuzählt.
Seit der EM 2004 gehört er der Nationalelf an. Seitdem
zählt er trotz eines traurigen Dreijahres-Gastspiels bei den Bayern immer zum
Stamm der Nationalmannschaft. Seine Leistungen - mit 43 Toren steht er bereits
auf einer Stufe mit Uwe Seeler - sind das eine, sein Humor und seine
Aufgeschlossenheit für Neues das andere.
EM-Titel für Podolski das große Ziel
20 zum Teil sehr harte Trainingseinheiten, Sardinien und
Tourrettes zusammengenommen, liegen hinter ihm und den Kollegen. Ob schräge
Dinge wie Kinesiologie, das Jonglieren von Tennisbällen und gleichzeitiges
Passen, oder Yoga: für Podolski ist das alles positiv.
"Das ist anstrengend für den Kopf, macht aber Spaß. Da können die letzten
Prozent für den EM-Titel herausgekitzelt werden", sagte er. Bei der Kinesiologie
machte er sich einen Spaß daraus, das Startkommando "Madrid" für eine Übung zu
verändern. "Köln" krähte "Poldi" über den Rasen
Der EM-Titel ist für ihn
das große Ziel. Nach zwei dritten Plätzen bei den Weltmeisterschaften 2006 und
2010 sowie Rang zwei bei der EM 2008 soll nun der Titel her. Darauf liegt seine
ganze Konzentration. Den Blick zurück macht er nicht, der 1. FC Köln ist
abgehakt. Einen Blick zum FC Arsenal wagt er schon. Auf "Trainer Arsene Wenger,
die Fans, das Stadion und die Stadt" freut er sich schon. Vielleicht wird er
nach seinem 100. Länderspiel als Europameister auch ins Wachsfigurenkabinett von
Madame Tussauds kommen, vermutete ein TV-Reporter. "Die waren schon bei uns im
Hotel und haben Maß genommen", sagte Podolski mit einem
Grinsen. Für Wachs fühlt er sich noch etwas zu alt, für Titel nicht. (dapd)
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