Lars Bender wird gegen Dänemark zum EM-Helden des Abends

Vom Startelf-Debütanten zum Helden des Abends: Siegtorschütze Lars Bender (l.)
Vom Startelf-Debütanten zum Helden des Abends: Siegtorschütze Lars Bender (l.)
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Gerade als die Spannung langsam unerträglich zu werden drohte, erlöste die Löw-Elf Fußball-Deutschland mit dem Siegtreffer zum 2:1. Der Schütze dieses so wichtigen Tores konnte unwahrscheinlicher kaum sein: Lars Bender wurde bei seinem Startelf-Debüt zum Helden.

Lemberg.. Die Spannung droht unerträglich zu werden. Ein Tor noch für Dänemark und Deutschland ist raus, raus aus dieser EM, raus aus diesem Turnier, das den Titel bringen sollte. Auf den Tribünenteilen, die Schwarz-Rot-Gold tragen geht die Angst um. Dann gewinnt die deutsche Mannschaft den Ball, weit in der eigenen Hälfte, er wird nach vorn getragen und ein Mann macht sich mit den auf den weiten Weg, den weiten Weg ins Glück, den weiten Weg zum erlösenden 2:1 für Deutschland. Der Mann, der die Nation beglückt, ist Lars Bender. Eine irrwitzige Pointe an diesem Abend in Lemberg.

Bender rennt auf seiner rechten Seite mit nach vorn, mehr aus Zufall kommt der Ball von Mesut Özil nicht zum eigentlich anvisierten Miroslav Klose, sonden eben zu Bender. Den Rechtsverteidiger. Den Quasi-Neuling. Er schiebt den Ball abgebrüht mit der rechten Innenseite in die lange Ecke des dänischen Tores. Dann läuft er, läuft Richtung Eckfahne und lächelt das Lächeln eines glücklichen jungen Mannes.

Die Nervosität lässt Löw aufspringen

Dabei hatte dieser Abend so ganz anders für ihn angefangen. Und irgendwie war es ja selbst mit Schuld daran, dass es so unerträglich spannend wurde. Es läuft die 24. Minute und dem Bundestrainer schwant Böses. Die Nervosität lässt Joachim Löw von seiner Bank aufspringen, er geht ein paar Meter nach vorn, versucht mit dem ausgestreckten Arm noch zu justieren, was nicht mehr zu justieren ist. Lang, immer länger segelt der Ball von der Ecke in den deutschen Strafraum. Dann passieren Dinge, die nicht passieren sollten. Dinge, die die Spannung zurück bringen. Dinge, die besonders einen jungen Mann an diesem Abend in Lemberg nicht erfreuen: Lars Bender.

Denn Bender sah sich, wie schon vorher einmal, einem Kopfballduell mit dem dänischen Sturmungetüm Nicklas Bendtner ausgesetzt. Bender ist 1,83, Bendtner 1,95 Meter groß. Bender verlor dieses entscheidende Kopfball-Duell, Bastian Schweinsteiger stand tatenlos daneben, so dass der Ball Richtung deutsches Tor flog und von Michael Krohn-Dehli über die Linie bugsiert wurde. Es hätte ein mieser Abend werden können für den 23-Jährigen.

Rechtsverteidiger? In der Jugend

Der Mann von Bayer Leverkusen hatte Jerome Boateng auf der rechten Seite vertreten müssen, weil dieser wegen seiner zweiten Gelben Karte im Turnier gesperrt fehlte. „Ich sehe großes Potenzial in ihm. Bender ist höchst belastbar“, sagte Löw jüngst über seine neue Entdeckung. Denn bei Bayer beackert diese Bender den zentralen Mittelfeldbereich. Da organisiert er und läuft und läuft und läuft. Rechtsverteidiger? Hat er mal in der Jugend gespielt. Und zwölf Minuten lang bei Bayer als Aushilfe. Das war’s. Nun sollte er ran. „Für einen jungen Kerl wie mich ist es überhaupt großartig, dabei zu sein. Wenn ich spiele, ist mir die Position ehrlich gesagt ziemlich egal“, sagt er.

Einzelkritik Auch weil er noch vor ein paar Wochen einer der hoch gehandelten Kandidaten auf der Streichliste des Bundestrainers für dieses Turnier stand. Doch Lars Bender durfte bleiben, auch weil sein Zwillingsbruder Sven gehen musste. Der weilt nun im Urlaub, dennoch telefonieren beide täglich. Der Dortmunder wird seinem Bruder Glück gewünscht haben für diesen Abend, der eine Chance war. Seit Jahren sucht Löw geeignetes Personal für seitliche Verteidigung, er ist um jeden potenziellen Kandidaten dankbar. Es war die große Bühne für Lars Bender. Und Lars Bender wurde zum deutschen Helden des Abends.