Italiens Wiederauferstehung
18.06.2008 | 19:36 Uhr 2008-06-18T19:36:00+0200
Totgesagte leben länger. Die „Todesgruppe” der EM animiert zu Methaphern und Sprichwortspielen.
Italien feiert die „Wiederauferstehung des Weltmeisters”. Frankreich trauert am Grab der „Bleus”.
Es war letztlich der 2:0-Sieg der holländischen B-Mannschaft gegen Rumänien, der verhinderte, dass die Gruppe C zum Friedhof der Favoriten wurde. Italien zog seinerseits mit dem 2:0-Sieg über Frankreich in der WM-Revanche den Kopf aus der Schlinge. Mit breitem Grinsen trat Roberto Donadoni aufs Podium und begrüßte die italienische Stampa mit der spöttischen Bemerkung: „Ihr könnt nun noch keine Ferien machen.”
Zum Teufel hatten die italienischen Gazzetten ihn nach 0:3-Schande gegen die Niederlande gejagt und die Rückkehr des Weltmeisters gefordert: „Gebt uns Lippi.” Nun steht Italien im Viertelfinale gegen Spanien. Und Donadoni, der Gelassenheit und Optimismus zur Lebensphilosophie erhoben hat („So ist nun einmal meine Persönlichkeit) prophezeite: „Diese Squadra kann nun alles erreichen”.
Die Azzurri waren eigentlich schon so gut wie tot, als der Rumäne Adrian Mutu kurz vor Schluss des zweiten Spiels beim Stand von 1:1 zum Elfmeter antrat. Doch Italiens Kapitän parierte den Schuss mit einer sensationellen Parade und wurde heilig gesprochen. „San Buffon” (Gazzetta dello Sport”). Raymond Domenech versuchte trotz aller Demütigung sich so gelassen zu geben wie vor ihm Kollege Donadoni. Schicksalsergeben zählte er die Unglückskette auf: Ribéry nach zehn Minuten verletzt ausgeschieden. Abidal nach einer „Notbremse” gegen Toni mit Rot und Frankreich mit Elfmeter bestraft. Ab der 25. Minute nur noch zu zehnt und durch Pirlos Elfmeter 0:1 im Rückstand. De Rossis fulminanter Freistoß (62.) von Henry unhaltbar für Coupet zum 0:2 abgelenkt.
Domenech (56), dieser intellektuelle, ergraute Querkopf mit dem Aussehen und dem Habitus eines Denkers der Académie francaise, zuckte die Schultern: „Kein Trainer kann sich vorstellen, dass so viele Katastrophen auf einmal möglich sind.” In Paris wurden zu diesem Zeitpunkt die „Totenscheine” bereits ausgestellt: „Der Trainer hat sich freiwillig dafür entschieden, mit seinen Ideen zu sterben”, druckte die Zeitung „Le Parisien”. Keine Gnade. „Er muss abgesetzt werden.”
Nach seiner Demission gefragt, schüttelte Monsieur den Kopf und sprach stattdessen von seiner privaten Zukunft. Von der Liebe, schwärmte von Estelle Denis wie Nicolas Sarkozy von Carla Bruni. Mit dem Unterschied. Sarkozy hatte die Wahl gewonnen, Domenech die EM verloren. „Alles, was ich über meine Zukunft weiß, ist, das ich Estelle heiraten werden. Menschen zu sagen, dass man sie liebt, ist doch schön.” Die Liebeserklärung nach der Niederlage an die 25 Jahre jüngere TVG-Moderatorin Estelle Denis lässt vermuten, dass sich der zynische Trainer ganz der Familie zuwendet.