Das aktuelle Wetter NRW 8°C
EM 2012

Frankreichs Nationalspieler ein Haufen Egomanen

21.06.2012 | 16:55 Uhr
Euro 2012: Frankreich - England

Kiew/Donezk.   Zoff in der Kabine, Beschimpfungen, Abschieds-Drohungen: „Les Bleus“ erinnern an die Vorfälle bei der Weltmeisterschaft 2012. Hatem Ben Arfa soll seine Abreise angeboten haben.

Als das natürliche Verbreitungsgebiet des Trauerschwans gelten eigentlich Australien und Tasmanien. Doch einige dieser schwarzen Vögel haben den Osten der Ukraine zu ihrer Wahlheimat auserkoren. Zwischen den neun Fußballplätzen auf dem weitläufigen Trainingsgelände von Schachtjor Donezk ist auch ein See angelegt worden, in dem diese seltenen Exemplare stets einen Blickfang bilden. Direkt daran grenzt der hochmoderne fünfstöckige Hotelkomplex, in dem die französische Nationalmannschaft untergebracht ist.

Aus den meisten Zimmern können Franck Ribéry und seine Kollegen die schwarzen Schwäne sehen. Für die Finanzwirtschaft kündet die Begrifflichkeit „Schwarzer Schwan“ von einem alle Normalitäten umstürzenden Unheil; für dieses Fußballturnier dienen die Tiere nun vielleicht als Vorbote des nächsten Unheils. Denn es ist keine schöne Debatte, der sich die Franzosen ausgerechnet vor dem Viertelfinale gegen Spanien am Samstag (20.45 Uhr) in Donezk ausgesetzt sehen.

Video
Donezk, 20.06.12: Mit der Ukraine ist am Dienstag auch der zweite EURO-Gastgeber ausgeschieden. Die Elf von Oleg Blochin unterlag England mit 0:1. Neben den Three Lions zog auch Frankreich ins Viertelfinale ein – trotz eines 0:2 gegen Schweden.

Blanc schrie in der Kabine herum

Überliefert ist mittlerweile nicht nur, dass Teamchef Laurent Blanc nach dem 0:2 gegen Schweden laut in der Kabine herumgeschrien hat , sondern auch, wie die Zeitung „L’Équipe“ berichtete, dass Hitzkopf Hatem Ben Arfa aus Frust wegen einer Auswechslung direkt seine Abreise angeboten habe. Der 25-Jährige war nach nicht einmal einer Stunde von Blanc im Kiewer Olympiastadion vom Platz gewunken worden – nach einer orientierungslosen Vorstellung. Ben Arfa wurde zitiert, er könne das nicht akzeptieren, weil „einige andere noch viel schlechter gespielt haben“. Klingt ziemlich egoistisch. Zudem sollen sich Samir Nasri und Alou Diarra in der Kabine heftig gezofft haben. Hört sich nach angespanntem Binnenklima an. Die Epoche der Egomanen erfährt offenbar eine Fortsetzung.

Frankreich unterliegt Schweden

Natürlich sind nach den Berichten aus dem französischen Lager Dementis gekommen. Trainer Laurent Blanc hat gleich versucht, den Vorfall herunterzuspielen: „Ja, es ging heiß her, aber nach dem Duschen hat es sich wieder abgekühlt.“ Die Équipe Tricolore könne ein „bisschen Elektrizität“ vertragen. Die Situation sei „nicht vergleichbar“ mit der WM 2010. Vor zwei Jahren mündete der Aufenthalt im südafrikanischen Küstenort Knysna bekanntlich im Desaster.

Tropische Temperaturen in Donezk

Blanc möchte statt über diese Vorkommnisse viel lieber über das Viertelfinale am Samstag gegen Weltmeister Spanien in Donezk sprechen, wo die Franzosen seit Tagen bei fast tropischen Temperaturen trainieren – anders als die Spanier in ihrem polnischen Stammquartier. Doch Blanc ahnt längst, dass sich ein mit seinem aktiven Zutun errungener Erfolg gegen Spanien – der 2:1-Sieg im EM-Viertelfinale 2000 – wenn überhaupt nur mit einem geeinten Ensemble wiederholen ließe.

Frank Hellmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Löw nutzt die EM-Qualifikation für seine Experimente
Kommentar
Wie ernst der Bundestrainer aktuell die mit Zwergen aufgeblähte EM-Qualifikation nimmt, kann man daran ablesen, dass er trotz angespannter Personalsituation auf etablierte Kräfte verzichtet und stattdessen an der Zukunft arbeitet: ohne Jansen und Aogo, mit Rüdiger und Durm. Ein Kommentar.
Mehrere hundert Fans am Zaun bei geheimem DFB-Training
EM-Qualifikation
Ein lokaler Radiosender berichtete, dass die ersten fünfzehn Minuten des Trainings der deutschen Nationalmannschaft am Uhlenkrug öffentlich wären. Diese Information entpuppte sich als Falschmeldung. Für ein störungsfreies Training im Stadion von Schwarz-Weiß Essen sorgten Ordnungskräfte.
Löw sieht Irland als Polen-Kopie - Bellarabi in der Startelf
EM-Qualifikation
Joachim Löw stuft die Iren als "kampf- und konterstark" ein. Laut Bundestrainer spielen sie eine Kopie des Stils der polnischen Mannschaft. Dennoch wird Löw wahrscheinlich wieder mit Erik Durm und Antonio Rüdiger verteidigen. Karim Bellarabi bekam vom Bundestrainer sogar eine Einsatzgarantie.
Auch Bundestrainer Löw kritisiert die Belastung der Spieler
EM-Qualifikation
Jürgen Klopp hat es getan. Pep Guardiola hat es getan. Jetzt hat es auch Bundestrainer Joachim Löw getan und sich kritisch zur Debatte über die hohe Belastung der Spieler geäußert. Der Tenor ist derselbe: Die Spieler werden zu sehr beansprucht. Lediglich die Gründe dafür sieht jeder woanders.
BVB-Verteidiger Erik Durm ist für Joachim Löw "erste Option"
EM-Qualifikation
Joachim Löw ist weiter auf der Suche nach einem zumindest ansatzweise adäquaten Ersatz für Weltmeister und Ex-Nationalspieler Philipp Lahm. Gegen Irland bekommt BVB-Verteidiger Erik Durm eine weitere Chance sich zu beweisen. Im Spiel gegen Polen konnte Durm noch nicht überzeugen.
Fotos und Videos
Die besten Bilder der EM 2012
Bildgalerie
EM 2012
Der Nachwuchs stürmt den Rasen
Bildgalerie
EM 2012
Titel-Hattrick für Spanien
Bildgalerie
EM 2012
Public Viewing in Oberhausen
Bildgalerie
EM Halbfinale