FDP-Chef Lindner hält Debatte um Hymnen-Pflicht für überflüssig

Unions-Politikern sind deutsche Fußballnationalspieler bei der Nationalhymne nicht sangesfreudig genug. Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl (CSU) forderte die Pflicht zur Nationalhymne. Das Verhalten vieler Spieler sei beschämend gewesen.

Berlin.. Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Christian Lindner hat Forderungen verschiedener Politiker von CDU und CSU nach einer Pflicht zum Mitsingen der Nationalhymne für Fußball-Nationalspieler zurückgewiesen. Man solle „keinen Skandal daraus machen, wenn ein Nationalspieler vor dem Anpfiff lieber konzentriert auf seine Schuhspitzen schaut“, sagte Lindner der WAZ-Mediengruppe. Gleichwohl empfinde er es „als schöne Geste, wenn Fußballprofis unsere Hymne vor einem Millionenpublikum mitsingen und sich positiv zu ihrem Staat bekennen“, sagte Lindner weiter. Staatssymbole wie die Nationalhymne beschrieben eine republikanische Identität und stifteten Gemeinsinn.

Unionspolitiker verärgert über National-Spieler

Unions-Politiker hatte sich zuvor verärgert über mangelnde Sangesfreude deutscher Fußballnationalspieler bei der Nationalhymne geäußert. Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl (CSU) sagte, es sei beschämend, dass nicht alle Spieler die Hymne mitsingen. "Wer in der Nationalmannschaft spielt, muss die Nationalhymne singen", forderte er. Vor den Partien der deutschen Auswahl bei der Europameisterschaft hatten einige Spieler die Hymne nicht mitgesungen.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte dem Blatt, es sei peinlich, dass die Spieler nicht von selbst darauf kämen mitzusingen. Sein Innenminister Boris Rhein (CDU) sagte: "Ich habe mich schon sehr geärgert, dass nicht alle Spieler unsere Hymne mitgesungen haben. Hier kann das Team von anderen Nationen lernen."

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) befand: "Zum Länderspiel und zur Nationalmannschaft gehört die Nationalhymne. Wer dazu keine Lust hat, sollte in seinem Verein bleiben."

Beckenbauer: Mit "Singpflicht" 1990 Weltmeister

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte dem Blatt, es sei eine Ehre für Deutschland zu spielen. Die Auswahlkicker seien Botschafter Deutschlands. "Daher sollte es für jeden Nationalspieler selbstverständlich sein, die Hymne mitzusingen", sagte er der Zeitung.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte dagegen, er singe die dritte Strophe des Deutschlandliedes zwar mit, es gebe aber keine "Mitsingpflicht". Wichtiger sei ihm die Frage, wie die deutsche Mannschaft wieder einen Titel hole.

Der frühere Turnweltmeister und heutige CDU-Bundestagsabgeordnete Eberhard Gienger sagte dem Blatt: "Ob ein Nationalspieler die Hymne mitsingt oder nicht, muss er selbst entscheiden."

Der ehemalige Teamchef Franz Beckenbauer sagte, er habe seinerzeit die "Singpflicht" eingeführt. "So wurden wir 1990 Weltmeister", sagte er der Zeitung.

Welt- und Europameister Spanien hat seine Titel ohne Hymnengesang gewonnen. Die spanische Nationalhymne ist ein Marsch, zu dem es keinen Text gibt. (dapd)

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