Die Welt verneigt sich vor Europameister Spanien

Jubel, endloser Jubel bei Spanien.
Jubel, endloser Jubel bei Spanien.
Was wir bereits wissen
Am Ende war es eine Demonstration. Mit einem 4:0- (2:0)-Erfolg gegen Italien verteidigte die spanische Nationalmannschaft im Olympiastadion von Kiew seinen Europameister-Titel. Das gab es noch nie.

Kiew.. Weil diese spanischen Mannschaft auch der amtierende Weltmeister ist, verneigt sich die Fußball-Welt vor einem Ensemble, das stärker, besser, harmonischer ist, als alles, was es zuvor in der langen Historie dieses Sports gegeben hat. Ein geschichttsträchtiger Abend. Wahnsinn in Rot und Gelb.

Die einzigen Spanier, die an diesem Abend in größere Schwierigkeiten gerieten, waren die, die auf de Tribünen standen und mit ihren Trikots und Schals und Fahnen für eine rote Wand sorgten. Sie haben es sich angewohnt, bei manchem Angriff ihrer Mannschaft jeden einzelnen Pass mit einem lauten „Hej“ zu begleiten. Was einfacher klingt, als es ist, weil die spanische Mannschaft ihr berüchtigtes Passgewitter über den Rasen schickte, dass so mancher nicht mitkommen konnte, eben jene in den roten Trikots auf den Tribünen, aber auch jene in den blauen Trikots auf dem Rasen.

Dabei waren die Italiener, die im Halbfinale Deutschland aus dem Weg geräumt hatten, nicht einnmal schlecht, nein, sie waren gut, richtig gut. Bedeutungsschwer hatten sie sich beim ersten Betreten des Rasens von Kiew umarmt, sich Mut zugesprochen, sich eingeschworen. Bestimm ihr Auftreten in den ersten Minuten.

Die rote Furie ist eine rote Maschine

EM 2012 Doch dann dreht sie auf, die Mannschaft, die man die „Furia Roja“ nennt, die rote Furie, die nichts weiter zu sein scheint, als eine rote Maschine. Die Zahnrädchen drehen so schnell ineinander, dass es einem schwindlig werden mag. Cesc Fabregas bedient Xavi, der verzieht aus 18 Metern (10. Minute). Mangelware im Vergleich zu dem, was folgt. Der Ball zirkuliert zwischen den Roten hin und her, dann geht’s schnell: Andres Iniesta legt Fabregas den Ball in den Lauf, dieser zieht an Giorgio Chiellini vorbei und flankt auf den Kopf von David Silva. 1:0 in der 14. Minute.

25 Minuten später schickt Jordi Alba einen Kuss in den Nachthimmel von Kiew. Xavi hat ihm zuvor den Ball so wunderbar, so gekonnt, so genau in den Lauf gespielt, dass dieser kaum mehr Mühe hat, das 2:0 gegen den herausstürzenden Gianluigi Buffon zu erzielen. Zwei Tore wie die letzten Pinselstriche, wie die Signatur unter das Meisterwerk, das sich spanischer Fußball nennt.

Man hatte die Mannschaft von Trainer Vicente del Bosque kritisiert für ihren Stil, er sei langweilig und ermüdend. Kiew sah keine Langeweile, Kiew sah das Gegenteil. Das lag auch an den Italienern, die das hohe Tempo mitgingen, die aufgebracht vom frühen Rückstand versuchten, das Spiel zu drehen, die aber erst in der zweiten Halbzeit zu richtigen Torchancen kamen.

Spanien schreibt Fußball-Geschichte

Antonio di Natale war nach seiner Einwechslung erst ein paar Sekunden im Spiel, als er den Anschlusstreffer hätte erzielen können. Doch sein Kopfball streicht über das Tor (46.).

Das Spiel wogt in diesen Minuten hin und her. Fabregas dribbelt sich mit ein paar Haken vor das Tor, aber Ignazio Abate klärt in letzter Sekunde (48). Nach der folgenden Ecke kommt Sergio Ramos zum Zug, sein Kopfball springt Leonardo Bonucci an die Hand – der fällige Elfmeterpfiff bleibt aus (49.). Wiederum zwei Minuten entwischt di Natale erneut der spanischen Deckung, er scheitert aber freistehend an Iker Casillas. Weil anschließend Thiago Motta verletzt ausgewechselt werden musste, spielte Italien in Unterzahl weiter – und musste mit ansehen, wie es auseinandergenommen wurde. Fernando Torres und Juan Mata erhöhten auf den höchsten EM-Final-Sieg aller Zeiten.

Iker Casillas, Spaniens Kapitän, reckte am Abend die Trophäe als Erster in die Höhe. Es ist ein Bild, das in die Geschichte dieses Sports eingehen wird.