Deutschland putzt Griechenland und steht im Halbfinale der EM 2012

Torschützen unter sich: Miroslav Klose (l.) und Philipp Lahm.
Torschützen unter sich: Miroslav Klose (l.) und Philipp Lahm.
Foto: Patrik Stollarz/afp
Was wir bereits wissen
Halbfinale! Nur noch zwei Spiele trennen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vom Titelgewinn bei der EM 2012. Im Viertelfinale setzte sich die Elf von Bundestrainer Joachim Löw verdient mit 4:2 (1:0) gegen Griechenland durch. Den nächsten Gegner ermitteln Italien und England.

Danzig.. Griechenland muss die Euro-Zone verlassen. Mit 4:2 (1:0) hat die deutsche Nationalmannschaft die Viertelfinalbegegnung mit dem Europameister von 2004 im polnischen Danzig am Ende souverän gewonnen. Damit zieht die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw in das EM-Halbfinale von Warschau am kommenden Donnerstag ein, wo sie auf England oder Italien treffen wird. Doch der Erfolg über die zähen Griechen war trotz der Höhe des Resultates zunächst einmal ein hartes Stück Arbeit.

Es war auch ein gewagtes Spiel, das Löw gespielt hatte, eines, das ihm im Misserfolgsfall Kritik eingebracht hätte. Selbst Angela Merkel, die zur Verabschiedung der Griechen angereiste Bundeskanzlerin, dürfte sich bei einem Blick auf den Aufstellungsbogen gewundert haben. Der Poldi, der Lukas Podolski, durfte wirklich ebenso wenig von Anfang an auf den Rasen wie Drei-Treffer-Angreifer Mario Gomez und sein bayerischer Kollege Thomas Müller. Von den offensiven Vier, die die drei Vorrundenpartien bestritten hatten, blieb nach dem Rotstifteinsatz des Bundestrainers lediglich Strippenzieher Mesut Özil übrig.

Bundestrainer Löw änderte Startelf auf vier Positionen

Es kamen: Miroslav Klose im Auge des Sturm, Andre Schürrle, Marco Reus auf den Flügeln. Mit ihnen sollten kommen: Schnelligkeit, passsichere Anspielstationen, Überraschungsmomente, Brillanz in den Eins-zu-eins-Situationen gegen Gegner. Eine Festung wie die von Griechenlands Trainer Fernando Santos im massiven 4-5-1-System gebaute, lässt sich aber nicht allein im genialischen Handstreich erobern. Chancen hatte das deutsche Ensemble in Runde eins reichlich. So viele, dass Löw zwischenzeitlich am Rande tobte, als wäre ihm die Beute weggerissen worden, die er schon unter den Pranken hatte. Vor allem zwischen Minute 23 und 25 ging es Schlag auf Schlag. Zunächst: Wunderbare Ballstafette mit Özil, Reus, Klose, wieder Reus, wieder Özil. Doch der vergibt.

Und dann: Reus vergibt nach Özils Zuspiel in der 24. Minute, Reus vergibt nach Özils Zuspiel in der gleichen Minute, Reus vergibt aus der Distanz in der 25. Minute. Auch vorher und nachher gab es Möglichkeiten. Doch als der Gladbacher, der von den Bundesliga-Kollegen zum besten Akteur gewählt worden war, zum dritten Mal in rasender Folge den Ball nicht im Netz unterbrachte, war das Publikum in der Danziger Arena verblüfft und der Bundestrainer in Rage. Schlimmere Folgen dieser emotionalen Ausbrüche verhütete Philipp Lahm. In der 39. Minute erhielt der Kapitän den Ball von Özil. Und er zog ab, nachdem er nach innen gerückt war. Aus der Distanz. Mit dem rechten Fuß. 1:0.

Überraschung durch Samaras - 1:1

Einzelkritik Es war ein Treffer, der Lahm vielleicht einen kleinen Ouzo aufs Haus Löw beschert hätte, wenn er nicht in Minute 56 straffällig geworden wäre. Der Kapitän versäumte es, ein Zuspiel von Dimitris Salpingidis auf Giorgos Samaras zu verhindern. Jerome Boateng, der nach abgesessener Sperre seinen Platz wieder von Lars Bender übernommen hatte, kam zu spät. Und Samaras, der in Halbzeit eins nur durchs heftige Fouls an Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira in Erscheinung getreten war, verwandelte zum 1:1.

Es war ein Treffer, der aus dem heiteren Himmel fiel, den Danzig in diesen Tagen so selten vorzeigt. Und fünf Minuten später sorgte Khedira nach Flanke von Boateng mit wuchtigem Rechtsschuss aus dem Nahbereich auch wieder für den verdienten alten Abstand. 2:1. Und als Klose in Minute 68 in seinem 120. Länderspiel seinen 64. Treffer nach Freistoßvorarbeit von Özil mit dem Kopf markierte, als Reus dann tatsächlich in Minute 74 nach Zuspiel von Klose noch spektakulär ins Tor traf, konnte endlich Beruhigung eintreten. Sogar bei Löw - obwohl Salpingidis per Handelfmeter auf 2:4 verkürzte (89.).

Viel gewagt, gewonnen, was es zu gewinnen gab.