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Benny Adrion

Einer, der über den Tellerrand guckt

17.01.2008 | 15:58 Uhr
Einer, der über den Tellerrand guckt

So erfrischend, wie ein kaltes Glas Wasser, so erfrischend ist auch Benny Adrion für die Fußballszene. ‚Adrion? Kenn ich’, mag jetzt der eine oder andere sagen und das kann man mit einem plätschernden ‚richtig’ bestätigen.

Benjamin Adrion ist der ehemals professionell fußballspielende Sohn des einstigen Bundesliga-Trainers Rainer Adrion (u.a. VfB Stuttgart). Aber aus dessen Schatten ist der 26 Jahre alte Benny Adrion längst herausgewachsen. Nicht unbedingt fußballerisch, dafür aber – mit Verlaub gesagt – menschlich. Bei einem Trainingslager des FC St. Pauli auf Kuba beginnt die tolle Geschichte des Benny Adrion, die sich mittlerweile in eine Lebenseinstellung gewandelt hat - und ihresgleichen sucht.

So selbstverständlich für unsere Breitengrade Duschen, Waschen und Kaffee kochen ist, so groß waren die Probleme des Inselstaates, und das hat Adrion nach dem damaligen Trainingslager keine Ruhe gelassen. Vor dem Laptop recherchierte der Mittelfeldspieler die Möglichkeiten, Dinge zu verändern. „Ich recherchierte viel zu dem Land und schrieb schließlich die Deutsche Welthungerhilfe an, um mich zu erkundigen, was man wo tun kann“, erinnert sich der Fußballer. „Ich wusste, dass ich diesem ersten Besuch etwas nachfolgen lassen wollte.“ – und das war „Viva con Agua de Sankt Pauli“.

„Nein, ich bereue nichts“, bezieht Benny Adrion klar Stellung. "Ich lebe genauso so, wie ich es mir immer vorgestellt habe.“ Foto: Viva con Agua de Sankt Pauli

Voller Tatendrang merkte der Kicker zuerst gar nicht, dass bei ihm eine klare Prioritätenverschiebung eingesetzt hatte. Hartnäckige Verletzungen und seine Kampagne sorgten dafür, dass das runde Leder in den Hintergrund rückte. So weit, dass man ihn vor die Wahl stellte, ob er nun Fußballer sei, oder sich um sein Projekt kümmern wolle. Die Entscheidung fiel dem Vollblutfußballer nicht schwer und sein auslaufender Vertrag wurde beim Kietz-Klub nicht verlängert.

"Viva con Agua de Sankt Pauli"

Benny Adrion meldete sich arbeitslos. Mit der Unterstützung für Existenzgründer konzentrierte sich der Schwabe voll auf die Aufgabe, den Menschen auf Kuba zu helfen - mit durchschlagendem Erfolg. Gemeinsam mit der Welthungerhilfe und vielen motivierten Helfern hat Adrion wirklich etwas bewegen können auf Kuba. Mit Spendengeldern in Höhe von 50.000 Euro hat "Viva con Agua de Sankt Pauli" Wasseraufbereitungsanlangen und – Spender in Kindergärten und auf Sportplätzen errichtet.

Und Adrion gönnt sich keine Pause. Mit Konzerten, Events und Veranstaltungen in ganz Deutschland und spezielle in Hamburg sind die nächsten Projekte schon gefunden: Drei so genannte Millenniumsdörfer, in denen Viva con Agua in Kooperation mit der Welthungerhilfe Trinkwasserprojekte realisiert, werden besucht. Momentan hält sich die Viva con Agua-Delegation in Äthiopien auf, unter anderem im Millenniumsdorf Sodo, in dem schon fünf Tiefbohrbrunnen durch die Finanzierung von Viva con Agua gebaut werden konnten.

Danach besuchen die Entwicklungshelfer Ruanda. Im Base-Kiryango-Tal sind bisher nur fünf Quellen erschlossen, für die übrigen 27 werden im Laufe des nächsten Jahres durch Spenden von Viva con Agua Quelleinfassungen errichtet, aus denen dauerhaft sauberes Trinkwasser entnommen werden kann. Bevor es zum Afrika-Cup geht, fliegen Adrion und seine Mitstreiter nach Westafrika, um das Millenniumsdorf Manigri in Benin zu besuchen. Dort ist der Bau von fünf Schachtbrunnen geplant – die Finanzierung wurde durch ein großes Benefizfestival „Viva con Agua Wassertage“ gesichert.

„Nein, ich bereue nichts“

Mittlerweile hat Holger Stanislawski, Trainer der ersten Mannschaft des FC St. Pauli Benjamin Adrion wieder in die Oberliga-Mannschaft berufen. „Ich hätte auch wohl die Möglichkeit, wieder bei den Profis zu spielen. Aber ich kann nicht garantieren, dass ich immer Zeit habe, zu trainieren“, erzählt Benny mit einem Blick auf seine Afrika-Reise. „Es stehen zu viele Termine an und unser Projekt ist noch in den Kinderschuhen. Es ist noch so vieles möglich, gerade auch im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.“

„Ich wusste, dass ich diesem ersten Besuch etwas nachfolgen lassen wollte.“ – und das war „Viva con Agua de Sankt Pauli“. Foto: Viva con Agua de Sankt Pauli

Statt Jena, Glabach oder Osnabrück in der Zweiten Liga und einem wahrscheinlich finanziell sorgenfreien Leben als Fußballprofi stehen nun Benin, Ghana und Äthiopien auf Adrions Agenda. Keine finanzielle Sicherheit, aber „nein, ich bereue nichts“, bezieht Benny Adrion klar Stellung. „Wenn ich heute zurückblicke, denke ich natürlich manchmal, dass da eventuell mehr drin war, dass der Schritt zum richtigen Bundesligaprofi nur ein kleiner gewesen wäre. Und der Gedanke, dann für mich und meine Familie ausgesorgt zu haben, kommt mir auch ab und zu. Doch ich bin heute sehr glücklich, denn ich lebe genauso so, wie ich es mir immer vorgestellt habe.“

Außerdem hat Benny Adrion Visionen, um nicht mehr nur auf Spendengeldern angewiesen zu sein. „Wir wollen eine eigene Wassermarke auf dem Markt etablieren“, so Adrion. „Es soll eine Trendmarke werden, ‚Viva con Agua de Sankt Pauli’. Ein Brunnen aus Husum unterstützt uns und wir erzielen pro Flasche einen großartigen Reingewinn.“

Für "Viva con Agua de Sankt Pauli" kann Benny Adrion jede Hilfe brauchen. Wer Ideen für Veranstaltungen hat, egal in welcher Art, egal in welcher Größenordnung und egal in welchem Teil Deutschlands, kann sich bei Benny melden und stößt garantiert immer auf ein offenes Ohr! Also Aufstehen, mitmachen und über den Tellerrand gucken!

Lesen Sie auch unser 11-Freunde-Interview mit Benny Adrion

Einer, der über den Tellerrand guckt

David Nienhaus

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Kommentare
18.01.2008
21:52
Einer, der über den Tellerrand guckt
von Sophie | #1

Toller Typ, tolles Projekt!

...komm vorbei, unser Netzwerk ist offen, sag es jedem, ja Du bist der Tropfen!... (Schmuf Hamburg Team Irie Revoltes feat. Toni-L & MC Lins - Viva con Agua Hymne)

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