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DFL droht in Sachen Fernsehgelder die Zerreißprobe

30.11.2015 | 17:58 Uhr
DFL droht in Sachen Fernsehgelder die Zerreißprobe
Mehr Geld vom Bezahlsender: Die Vereine hoffen, ab 2017 mit den TV-Erlösen in neue Dimensionen vorzustoßen.Foto: Firo

Frankfurt am Main.   Die Verteilung der Fernsehgelder hat die Bundesligisten in verschiedene Lager gespalten. Vor der DFL-Versammlung am Mittwoch droht eine Zerreißprobe.

Im Raum „Matrix“ im Frankfurter Mariott-Hotel ist für Mittwochnachmittag jene Pressekonferenz angesetzt, bei der die Deutsche Fußball-Liga (DFL) über die Ergebnisse ihrer nächsten Mitgliederversammlung berichten wird. Der Name passt zur Thematik. Es hat ja durchaus mit höherer Mathematik zu tun, wie künftig die Fernsehgelder unter den 36 Profiklubs verteilt werden. Nicht nur Karl-Heinz Rummenigge erhofft sich ab der Saison 2017/2018 jährliche Gesamterlöse jenseits der Milliardengrenze.

Der FC Bayern sei bereit, sich der zentralen Vermarktung unterzuordnen. „Aber es gibt Grenzen, die hier nicht überschritten werden sollten“, stellte der Vorstandschef im „Kicker“ heraus. Ein Warnschuss, der sich in erster Linie an den aufmüpfigen Geschäftsführer Andreas Rettig (FC St. Pauli) und die zweite Liga richtet. Das Fachmagazin spricht von „Schicksalstagen einer Liga“.

Ligavorstand ist sich offenbar nicht einig

Selbst der Ligavorstand ist offenbar mittlerweile ziemlich zerrissen. Dem Gremium gehören neben dem DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und Ligapräsident Reinhard Rauball noch Karl Hopfner (FC Bayern), Peter Peters (FC Schalke 04), Harald Strutz (FSV Mainz), Klaus Filbry (Werder Bremen), Helmut Hack (Greuther Fürth) und Stefan Kuntz (1. FC Kaiserslautern) an. Grob genommen haben sich vier Fraktionen gebildet – die Bayern, die Traditionsvereine, die Werksklubs (und Hoffenheim) sowie die zweite Liga.

TV-Gelder
Bayern-Boss Rummenigge fordert mehr Geld für die Topklubs

Der Streit um die TV-Einnahmen spitzt sich zu unter den Bundesligisten. Eines ist dabei fast allen Klubs gemein: Sie schreien laut nach mehr Geld.

Obwohl eigentlich der Ligavorstand den Verteilungsschlüssel erst nach Abschluss eines neuen Fernsehvertrags vorschlägt, hat der Verteilungskampf in der Öffentlichkeit, aber auch hinter den Kulissen begonnen. Was angesichts der Wortmeldungen von Rummenigge und Rettig ein bisschen untergeht: Längst haben sich jene Klubs, die hinter dem FC Bayern den größten Umsatz an Reichweite bringen, untereinander vernetzt.

Watzke legt neuen Schwerpunkt

Hans-Joachim Watzke, Vorstandschef von Borussia Dortmund, schlug zuerst vor, die Fernsehgelder auch nach Faktoren wie Fanaufkommen oder Beliebtheit zu bewerten. Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin regte bereits ebenso konkret an, „Auslastung des Stadion, Zahl der mitgebrachten Fans zu Auswärtsspielen, Zuschauerzahlen im TV, Mitgliederzahlen oder Sympathiewerte“ als neue Faktoren zu gewichten. Mittlerweile sind sich viele Traditionsvereine einig, „dass man sich auf ein Modell verständigt, das auf Reichweite abhebt“, wie Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann erklärt. Dazu hat es bereits diverse Arbeitssitzungen gegeben. Dem Vernehmen nach hat sich eine Allianz von mehr als zehn Vereinen gebildet, deren Interessen vor allem Peters und Filbry innerhalb des Ligavorstands vertreten sollen.

Montagsspiele
Fans, Amateure und Polizei kritisieren DFL-Spieltagspläne
Fans, Amateure und Polizei kritisieren DFL-Spieltagspläne

6,9 Milliarden Euro - das ist seit Februar die magische Zahl für die Verantwortlichen der Fußball-Bundesliga. So viel überweisen die Pay-TV-Sender Sky und BT Sport der englischen Premier League für die kommenden drei Spielzeiten. In Deutschland sind’s nur 626 Millionen Euro pro Jahr - doch der aktuelle TV-Vertrag läuft Ende kommender Saison aus, und die Planspiele, wie man die Erlöse erhöhen könnte, sind in vollem Gang.

Einen Einblick hat am Montagabend Peter Peters geliefert, Finanzvorstand von Schalke 04 und Vizepräsident des Ligaverbandes: An fünf Montagabenden könnten künftig Bundesligaspiele ausgetragen werden, sagte er bei einer Diskussionsrunde in Gelsenkirchen, auch eine dritte Sonntags-Anstoßzeit vor 15.30 Uhr sei denkbar. Mehr Spieltermine gleich mehr Exklusivität fürs Bezahlfernsehen gleich höhere Einnahmen - diese nicht mehr ganz neue Gleichung steckt dahinter.

VfL-Sportvorstand Hochstätter sieht Plänen gelassen entgegen

Dass man den Zweitligisten damit die für sie größte Bühne nimmt und sie auf den Sonntag verdrängt, lässt diese kalt: „Für mich ist der Montag kein prickelndes Ding“, sagt Christian Hochstätter. Ansonsten wartet der Sportvorstand des VfL Bochum erst einmal ab: "Ich würde mir gerne die Konzeption anhören, dann kann man sich auch dazu äußern."

So lange möchten die Fans nicht warten. "Grundsätzlich wehren wir uns mit allen Mitteln dagegen, dass der Spieltag weiter aufgesplittet wird", sagt Jakob Scholz, Sprecher der Fanabteilung von Borussia Dortmund. Denn wenn die Anhänger nach England blicken, sehen sie nicht die hohen TV-Einnahmen, sondern Spieltage, an denen sich schon mal zehn Partien auf acht verschiedene Anstoßzeiten verteilen können. "Die Attraktivität der Bundesliga kommt doch auch durch die vielen Fans im Stadion und die stimmungsvolle Atmosphäre", sagt Scholz. "Das würde bei Montagsspielen leiden."

Bei der Polizei herrscht Skepsis vor

Auch bei der Polizei entfacht Peters’ Vorschlag keine Jubelstürme: Grundsätzlich habe man zwar nur eine beratende Funktion, sagt Torsten Sziesze von der Polizei Gelsenkirchen. Aber: "Natürlich ist es für uns einfacher, die Lage zu bearbeiten, wenn es hell ist."

Ähnlich sieht man die Dinge bei der Polizei Dortmund: "Unter Sicherheitsaspekten ist der Wochentag grundsätzlich nicht entscheidend", erklärt Cornelia Weigandt. Sie verweist aber darauf, dass die Anreise an Wochentagen oft problematischer sei. Und: "Abendspiele sind immer bedenklich, sie bergen ganz andere Risiken - insbesondere das Derby."

"Die DFL testet aus, wie weit sie gehen kann"

Im Amateurfußball ist man vor allem wegen möglicher neuer Anstoßzeiten am Sonntag alarmiert. "Als das Revierderby am Sonntagnachmittag stattfand, fehlte unserer Bezirksliga-Mannschaft plötzlich die Viererkette", erzählt Raphael Bülow, Jugendvorstand beim TuS Kaltehardt aus Bochum. Auch wenn der VfL freitags spiele, gebe es im Training Lücken. "Schlimm ist, dass wir das System sogar selbst befördern, denn um unser Vereinsleben aufrecht zu erhalten, sind wir mehr oder weniger gezwungen, Sky für teures Geld zu abonnieren und die Spiele zu zeigen."

Anders als in England kann der Fernseher über die Weihnachtsfeiertage ausbleiben: "Wir haben in Deutschland andere gelebte Daten und Traditionen", sagt Max Eberl, Manager von Borussia Mönchengladbach. Für Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler ist der Montagabend ein "Zückerchen fürs Pay-TV", aber: "Der Samstag sollte unser Hauptspieltag bleiben."

Fanvertreter Scholz ist dennoch skeptisch: "Die fünf Montagsspiele sind nur ein Türöffner", sagt er, "damit testet die DFL aus, wie weit sie gehen kann."

In dieser Saison summieren sich die Medienerlöse auf 850 Millionen. Die 486 Millionen Euro, die davon Sky als wichtigster Finanzier aufbringt, seien „kein Kultursponsoring“, wie es Seifert mal überspitzt formulierte, sondern eine Investitionen, die sich auszahlen muss. Deshalb hat der Bezahlsender ein handfestes Interesse daran, dass möglichst viele Abonnements verkauft werden oder möglichst viele Spiele einzeln gebucht werden. Und da bringen Klubs wie Dortmund oder Schalke dem Pay-TV-Sender eben mehr als Hoffenheim und Wolfsburg.

„Der Begriff der Leistung bei der Verteilung der Fernsehgelder muss deshalb um die ökonomische Bedeutung für die Vertragspartner der Liga ergänzt werden“, erklärt Axel Hellmann. Er fordert ein „konsensfähiges Modell, sonst wird es zu einer Zerreißprobe kommen.“ Schließlich gehe es auch darum, dass der Mittelstand wie Frankfurt international konkurrenzfähig bleibe, „wenn wir mal wieder in die Europa League kommen.“

In Italien zählt das Fanvolumen

Der Blick ins Ausland könne ein Denkanstoß sein, wo ein Viertel des Fernsehvertrags nicht nach sportlichem Erfolg ausgeschüttet wird. In England hängt dieser Anteil von der Zahl der Live-Übertragungen ab, in Spanien wird Prominenz berücksichtigt, in Italien das Fanvolumen. Immerhin ist sich der deutsche Profifußball im Prinzip einig, dass die Zentralvermarktung nicht fallen darf. „Sie garantiert kleineren Klubs höhere Einnahmen, die bei einer Einzelvermarktung nicht zu erzielen wären“, sagt Christian Heidel (FSV Mainz). Für Stefan Reuter (FC Augsburg) gilt: „Wenn die Großen rausgehen, wäre das eine Katastrophe.“

Frank Hellmann

Kommentare
01.12.2015
15:06
Bundesliga vollständig ab ins Bezahlfernsehen
von Towenaar | #4

Null Berichterstattung im öffentlich rechtlichen Rundfunk.

Dann ist da Ganze kein Problem mehr.

Schon heute mühen sich die Fußballredakteure darum...
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2015-11-30 17:58
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