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Ein Trauerspiel, wie die Europäer in der Fifa vor Blatter kuschen

15.07.2012 | 19:48 Uhr
Ein Trauerspiel, wie die Europäer in der Fifa vor Blatter kuschen
Blatters Replik, Deutschland habe bei der Vergabe der WM 2006 nachgeholfen, gilt längst als offenes Geheimnis. Foto: dapd

Essen.  Die Kritik an Fifa-Präsident Sepp Blatter wächst. 142 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld sind im Fifa-Korruptionsskandal gerichtlich nachgewiesen. Lange hat der deutsche Fußball geschwiegen. DFL-Präsident Reinhard Rauball hat die Marke gesetzt: Blatter muss weg. Ein Kommentar.

Der Sport ist längst keine Insel der Seligen mehr. Wer zählt noch die Korruptionsfälle rund um das IOC und Olympia? Die Schmiergeld-Skandale, mit deren Hilfe Sommer- und Winterspiele gekauft worden sind? Wer glaubt nicht an dubiose Vergabe-Praktiken bei der Fifa, die ihre WM im Sommer 2022 in einen Wüstenstaat vergeben, viele behaupten: verkauft, hat?

142 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld

Längst verschwimmen die Grenzen. Steckt hinter der Vergabe einer EM an die Ukraine durch die Uefa nichts als Korruption? Oder handelt es sich in erster Linie um ein Tauschgeschäft, wie wir es aus der Politik nur zu gut kennen: Verschaff’ du mir die Stimmen für meine Wiederwahl, verschaff’ ich dir ein großes Turnier. Und, um sich einen naiv klingenden Gedanken zu erlauben: Bietet ein Turnier, wie die gerade beendete Euro in der Ukraine nicht auch die Chance, zumindest für kurze Zeit Missstände vor Ort zu beleuchten, von denen die Welt sonst gar keine Notiz nehmen würde?

WM 2006
Vorwürfe von Blatter - War die WM 2006 gekauft?

Fifa-Präsident Sepp Blatter hat nebulöse Vorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 am 6. Juli 2000 an Deutschland...

Eine Eigenart des Fifa-Korruptionsskandals ist das beklemmende Gefühl, nur die Spitze des Eisbergs zu sehen. 142 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld sind gerichtlich nachgewiesen. Aber an wen 90 Prozent dieser Summe geflossen sind, ist nicht aufgeklärt. Und das soll’s dann in zwei Fifa-Jahrzehnten unter Sepp Blatter und Joao Havelange gewesen sein? Man muss naiv sein, um daran zu glauben.

Stichwort Naivität: Was der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zum Skandal bei der Fifa gesagt hat – er sei vielleicht naiv, habe sich aber dieses Ausmaß an Korruption nicht vorstellen können – mag ihn ehren. Aber es reicht nicht mehr. Der Dortmunder Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga und Vize-Präsident des DFB, hat die Marke gesetzt: Blatter muss weg.

Nach Blatters Wiederwahl 2011 hat sich lediglich Hoeneß gemeldet

Dass der DFB-Präsident vorsichtiger hinter der Position des Stellvertreters zurück bleibt, mag damit zu tun haben, dass der Verband Teil der Fifa ist. Vielleicht nicht Teil ihrer Geschäfte, aber Teil ihrer Politik. Blatters Replik, Deutschland habe bei der Vergabe der WM 2006 nachgeholfen, gilt längst als offenes Geheimnis. Sie zeigt, wes Geistes Kind er ist, sie ist die Quittung dafür, sich nie von Blatter distanziert zu haben. Nach dessen Wiederwahl 2011, mit tätiger Mithilfe durch den DFB, hat sich lediglich Uli Hoeneß zu Wort gemeldet: ausmisten, den Saustall.

Sagt sich leicht. Handeln können wohl nur die großen europäischen Verbände. Wer, wenn nicht sie, prägt denn weltweit den Fußball? Es ist ein Trauerspiel, wie die Europäer in der Fifa kuschen.

Klaus Wille

Kommentare
16.07.2012
15:04
Ein Trauerspiel, wie die Europäer in der Fifa vor Blatter kuschen
von 04Engelchen | #7

Die Gerüchte, daß die WM Sommermärchen gekauft war, sind doch schon seit 6 oder 7 Jahren auf dem Markt. Und die kamen alle aus der FIFA. Viele der...
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Ein Trauerspiel, wie die Europäer in der Fifa vor Blatter kuschen
Ein Trauerspiel, wie die Europäer in der Fifa vor Blatter kuschen
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http://www.derwesten.de/sport/fussball/ein-trauerspiel-wie-die-europaeer-in-der-fifa-vor-blatter-kuschen-id6883186.html
2012-07-15 19:48
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