"Don't frag mich Meisterschaft" - Die Sprachakrobaten des Jahres

Pep Guardiola erfand beim FC Bayern ab und an seine eigene Sprache.
Pep Guardiola erfand beim FC Bayern ab und an seine eigene Sprache.
Foto: Stefan Puchner
Was wir bereits wissen
Ein Rückblick auf Geographen, Logiker und was sonst noch auffiel in den Sprechblasen, die der Sport über die vergangenen zwölf Monate hinweg aufblies.

Essen.. Der Andi Brehme, das war noch ein Weltmeistertorschütze. Seine Interview-Antworten waren weder glatt gegelt noch chemisch gereinigt, sie kamen spontan über die Lippen. Da waren alle Brasilianer „technisch serviert“, da waren die tollen Fans, „auf denen wir uns immer verlassen konnten“, und da stand seinem Team „ein hartes Programm ins Gesicht“. Daran könnte sich Mario Götze doch mal ein Beispiel nehmen. Doch auch ohne Brehme und ohne Götze glänzten 2014 die Sprachartisten im Sportzirkus mit Wort-Akrobatik. Da war beispielsweise . . .


. . . der Geograph des Jahres – Borussia Mönchengladbachs Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka: „Ich kenne Jamaika nicht. Aber wir wissen ja, dass Afrikaner viel laufen und physisch sehr stark sind“, sagte er vor dem Länderspiel Schweiz gegen Jamaika.


. . . der Ausschluss des Jahres – vollzogen nach dem WM-Gewinn der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Frage eines Lesers unter einem Internet-Spielbericht: „Sind wir jetzt wieder wer?“ Antwort des nächsten: „Du nicht!“


. . . die Frage des Jahres – aufgeschnappt in einem Sportartikelgeschäft: „Wo gibt es hier die Volleyballschläger?“


. . . die Entschuldigung des Jahres – von Ski-Star Felix Neureuther, der vor den Olympischen Spielen einen Unfall auf der Autobahn hatte: „Es tut mir leid, Planke!“


. . . die Erkenntnis des Jahres – von einem belgischen Fernsehreporter: „Wenn die Holländer die Spiele boykottiert hätten, hätten wir jetzt einen Olympiasieger“, sagte er in Sotschi – nachdem ein Belgier im Eisschnelllauf Platz vier hinter drei Holländern belegt hatte.


Social-Media-Rückblick . . . die Selbstverteidigung des Jahres – von einem Kreisligafußballer, der bei einem Hallenturnier wegen Schiedsrichter-Beleidigung des Feldes verwiesen worden war: „Ich hab’ den Penner doch gar nicht beleidigt!“

. . . der Phlegmatiker des Jahres – Jens Keller, bei Schalke 04 entlassener Trainer: „Da mach’ ich mir vom Kopf her keine Gedanken.“

. . . die Beobachtung des Jahres
– vom Essener Comedian Atze Schröder: „Bei der Frankfurter Buchmesse dachte ich: Ruth-Maria Kubitschek sieht gut aus, die ist ja schon über 80. Dann bin ich näher rangegangen und habe gesehen: Es ist Boris Becker.“


. . . die Logik des Jahres – von Pommesbuden-Philosoph Dittsche: „In der Zelle hat es Uli Hoeneß besser als damals mit Paul Breitner im Zimmer in der Sportschule Malente. In der Zelle ist nämlich Paul Breitner nicht dabei.“

. . . die Ausrede des Jahres
– von einem Landesligafußballer, der seine Trainingsabsage so begründete: „Mein Kanarienvogel wird vier.“


. . . die Reaktion des Jahres – vom Trainer des besagten Landesligafußballers: „Zu meiner Zeit zählte als Entschuldigung nur die eigene Beerdigung.“

Zitate des Jahres . . der Kosmopolit des Jahres
– Bayern Münchens spanischer Trainer Pep Guardiola, der einem Reporter vorschrieb: „Don’t frag mich Meisterschaft!“

. . . die Verwunderung des Jahres – von Ex-Nationalspieler Mario Basler beim Länderspiel in Hamburg gegen Polen: „Da stehen heute Nationalspieler auf dem Platz, die sind tatsächlich noch jünger als die Frauen von Lothar Matthäus.“


. . . der Nostalgiker des Jahres – Oliver Welke, Sportmoderator und Satiriker: „Heute ist eine der häufigsten Spielerverletzungen: Spliss.“


. . . der Diplomat des Jahres – DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. Nach der Ankunft des deutschen Trosses bei der WM in Brasilien berichtete er: „Wir sind freundlich begrüßt worden – von Menschen, Frauen und Kindern.“


. . . die Entscheidung des Jahres – vom Schiedsrichter eines Altherren-Fußballspiels, bei dem die eine Mannschaft ganz in Rot und die andere ganz in Blau spielte: „Weiß wirft!“