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Domhoch überlegen

22.11.2009 | 22:10 Uhr
Domhoch überlegen

Köln. In der 56. Minute hat Schiedsrichter Felix Brych zur Ecke gebeten, und Carlos Eduardo stand auch schon bereit, nur der Ball lag noch im Strafraum der Kölner, einen wahrscheinlich gar nicht anstrengenden Laufweg entfernt vom zauberhaften Brasilianer.

Der Ball lag also da, und es konnte von ihm keine Gefahr ausgehen, sekundenlang, weil Eduardo das Tagwerk offensichtlich schon für erledigt hielt. Hoffenheim führte mit 3:0 beim FC Kläglich. Eduardo selbst hatte Treffer eins (5. Minute ) besorgt, unbehelligt, aus der Distanz. Auf 2:0 hatte Chinedu Obasi ebenfalls unbehelligt per Kopf erhöht (11.). Und Demba Ba hatte nach ein paar Herzschlägen in der zwei Hälfte das 3:0 erzielt, obwohl ihn ungefähr alle Kölschen daran hindern wollten. Ende.

Brych hat sich allerdings an die Gepflogenheit gehalten, eine Partie zumindest 90 Minuten lang durchzuführen. Und deshalb haben die Hoffenheimer dem Gegner klar gemacht, dass er gegen sie auch nichts ausrichten kann, wenn sie die Kugel nur noch ambitionslos zirkulieren lassen. Diese Demonstration der Leichtigkeit bei gleichzeitiger brutaler Dominanz muss für die Kölner deprimierender gewesen sein als die Niederlage vor dem eigenen Publikum. Das friedliche Ruhen des Balles im Strafraum war also ein Geschenk, ein Sekundengeschenk. Fabrice Ehret hat der kilometerlangen Fehlerkette seiner Mannschaft aber ein weiteres Glied hinzugefügt. Er ist zum Ball getrabt und hat ihn Richtung Eckfahne gekickt.

Diese Aktion hat Zvonimir Soldo natürlich nicht gemeint, als er die Leistung seiner Spieler unter dem Begriff „Desolat” zusammenfasste. Diese Aktion war ja sogar so sauber ausgeführt, dass der Ball das Ziel erreichte. Lukas Podolski hat sich Pässe wie diese sicher gewünscht. Ihn erreichte nur keiner, und deshalb hat er zehn Minuten, nachdem er das Feld räumen durfte, noch den Preis für den schnellsten Duscher entgegen genommen und ist dann aus dem Stadion geflüchtet. Sein Trainer lächel-

te zu dieser Zeit bereits wie der brave Soldat Schwejk und deutete damit an, dass das, was er äußerte, nicht unbedingt mit dem, was er dachte, übereinstimmen musste. Als Soldo die Frage, ob seine Mannschaft gegen ihn gespielt haben könnte, mit dem Satz „So weit will ich nicht gehen” beantwortete, erzeugte das aber immerhin ein wenig Erkenntnisgewinn.

Miso Brecko, nach 29 Minuten ausgewechselt, und Kapitän Milivoje Novakovic, aus gewechselt zur Halbzeit, dürfte Soldo in Verdacht gehabt haben, auf dem Rasen die Arbeit zu verweigern, um ihm, dem Trainer, zu schaden. Indizien, die diesen Schluss möglich machen, gibt es. Die Slowenen hatte Soldo nach voll-

endeter WM-Qualifikation gegen deren Willen frühzeitig zurück nach Köln bestellt, und Novakovic hatte dieses Vorgehen des Vorgesetzten öffentlich als „respektlos” gegeißelt.

Dass in dieser Phase gruppendynamischer Überhitzung ausgerechnet die Hoffenheimer auftauchen mussten, war Pech. Gegen einen Eduardo, der inspiriert von der Einberufung zur Selecao auftrumpft, kann man sich vielleicht stemmen, wenn ein Rädchen ins andere greift. Ein verkrachtes Trüppchen ist ohne Chance.

So taumelt der ewig anspruchsvolle 1. FC Köln dem Keller der Bundesliga entgegen. Noch mit Soldo. Und Ralf Rangnick kommt zwar nicht darum herum, den spektakulären Eduardo zu loben („Ich denke, wenn er weiter so an sich arbeitet, kann er in ein, zwei Jahren bei jedem Verein der Welt spielen”), muss aber ansonsten darum bemüht sein, die Erwartungen einzubremsen. Das ist schwierig, weil der Trainer nicht nur über Eduardo verfügt, sondern über ein Ensemble der Extraklasse, das allein bei der Trefferausbeute etwas früh satte Zufriedenheit zeigte (das 4:0 von Vedad Ibisevic geschah in der 90. Minute durch Elfmeter). Ob Köln so schlecht gewesen sei, weil seine Hoffenheimer so gut waren, wurde Timo Hildebrand gefragt. Dem Torhüter ist eine sehr trockene Antwort dazu eingefallen. „Ja.”

Frank Lamers

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