Die Siegesserie des FC Bayern reißt in Nürnberg
20.02.2010 | 18:32 Uhr 2010-02-20T18:32:00+0100
Nürnberg. Rekord verpasst, Höhenflug gestoppt: Bayern München (1:1 in Nürnberg) hat im Kampf um die Meisterschaft einen überraschenden Rückschlag hinnehmen müssen. Der VfB Stuttgart gewinnt in Köln mit 5:1, Hamburg und Frankfurt trennen sich 0:0.
Der deutsche Fußball-Rekordmeister FC Bayern München kam im 180. fränkisch-bayerischen Derby beim 1. FC Nürnberg nach einer durchwachsenen Leistung nicht über ein mageres 1:1 (1:0) hinaus und büßte im Fernduell mit Bayer Leverkusen wertvolle Punkte ein.
Zwar übernahm die Mannschaft von Trainer Louis van Gaal bis Sonntagabend die Tabellenspitze. Der Werkself reicht aber schon ein Remis in Bremen, um die Bayern wieder von Platz eins zu verdrängen. Bayern verpasste zudem den zehnten Bundesliga-Sieg in Serie und damit die Einstellung eines Liga-Rekords. Für Nürnberg war es im Abstiegskampf dagegen ein wertvoller Punktgewinn.
Bayern war in der 38. Minute durch Thomas Müller in Führung gegangen. Ilkay Gündogan glich für den FCN, der seit sechs Heimspielen sieglos ist, in der 54. Minute aus. Für Gündogan war es der erste Bundesliga-Treffer überhaupt.
Der FC Bayern trat von Beginn an dominant auf und bestimmte das Geschehen - auch deshalb weil sich der Club in der ersten Hälfte sehr weit zurückzog, ängstlich und ohne Leidenschaft agierte. Ohne Franck Ribery, der wegen einer Prellung am linken Fuß kurzfristig ausfiel, ergaben sich für die Bayern zunächst dennoch kaum Torchancen. Nürnberg mit den Bayern-Leihgaben Andreas Ottl und Breno verteidigte lange Zeit geschickt. Das Spiel der klar überlegenen Münchner war zudem oftmals zu sehr in die Breite angelegt, um den FCN-Riegel zu knacken.
Der erste schnelle Angriff der Münchner führte dann aber gleich zur verdienten Führung. Über Ivica Olic und Mario Gomez landete der Ball bei Müller. Der 20-Jährige verwandelte aus rund zehn Metern eiskalt. Für Müller war es das siebte Saisontor. Die Nürnberger taten in der ersten Halbzeit dagegen fast gar nichts für die Offensive. Bezeichnenderweise wurde es am gefährlichsten, als Bayern-Keeper Jörg Butt bei einem Rückpass von Martin Demichelis den Ball nicht richtig traf.
Umso überraschender fiel nach der Pause auch der Ausgleich. Einen Schuss des eingewechselten Eric-Maxim Choupo-Moting konnte Butt nicht festhalten, Gündogan staubte aus kurzer Distanz ab. In der Folgezeit war der Club etwas aktiver. Nur wenige Sekunden nach dem 1:1 verfehlte ein Schuss von Gündogan das Bayern-Tor nur knapp.
Die Münchner erholten sich schnell vom Rückschlag und drängten auf die erneute Führung. Allerdings fehlten ohne den zur Pause ausgewechselten Mittelfeldstar Arjen Robben und ohne Ribery oft die Überraschungsmomente. Die besten Chancen hatten Olic, der eine Hereingabe von Gomez verpasste (59.), erneut Müller (64.) mit einem Heber und Gomez (77.). Dessen Schuss parierte Raphael Schäfer glänzend.
Bei Nürnberg verdiente sich der souveräne Breno noch die beste Note. Zudem machte Schäfer einen sicheren Eindruck. Bei den Bayern, die neben Ribery auf den verletzten Abwehrchef Daniel van Buyten verzichten mussten und bei denen Diego Contento sein Bundesliga-Debüt feierte, waren Müller und Gomez noch am auffälligsten.
Keine Tore in Hamburg
Etwas mehr als 40 Stunden nach dem Abpfiff der Europa-League-Partie am Donnerstag gegen Eindhoven hat der Hamburger SV im Kampf um den Einzug in die Champions League zwei wichtige Punkte liegen lassen. Beim 0:0 gegen Eintracht Frankfurt wirkten die Gastgeber müde und ließen im Angriff ohne ihren kurzfristig verletzten Superstar Ruud van Nistelrooy jegliche Gefährlichkeit vermissen.
Die Eintracht hätte vor 56.196 Zuschauern in einer umkämpften Partie mit wenig spielerischen Höhepunkten mit etwas Glück und mehr Mut zur Offensive sogar noch mehr als nur einen Punkt holen können. Dennoch spielen die Hessen weiterhin aussichtsreich um die Europacup-Plätze mit. Der HSV musste kurzfristig den Niederländer van Nistelrooy, dessen Startelfdebüt die Fans kaum noch erwarten können, wegen muskulären Problemen im Oberschenkel ersetzen. Trainer Bruno Labbadia wollte kein Risiko eingehen und verzichtete deshalb auf den 33-Jährigen. Trotz intensiver Regenerationsmaßnahmen war für „Van the Man“ die Zeit offenbar zu kurz.
Die knappe Erholungszeit war auch den Hamburgern auf dem Platz anzumerken. Torchancen erarbeiteten sie sich zunächst gegen die konzentriert auftretenden Gäste, die massiert in der Defensive standen und ihre Heil vornehmlich in Kontern suchten, nicht. In Halil Altintop und dem zurückhängenden Alexander Meier hatte Eintracht-Trainer Michael Skibbe nur zwei Offensivkräfte aufgeboten. Sein Konzept wäre beinahe schon in der zweiten Minute aufgegangen. Nach einem Stellungsfehler von Marcell Jansen, der als Linksverteidiger für Dennis Aogo aufgeboten wurde, kam Patrick Ochs frei vor Torwart Frank Rost an den Ball, konnte das Leder aber nicht kontrollieren. In der 33. Minute strich ein Fernschuss von Selim Teber knapp am HSV-Tor vorbei.
Die erste große HSV-Chance gab es erst in der 25. Minute. Markus Berg köpfte eine Flanke aber freistehend am Tor vorbei. Wie sehr van Nistelrooy dem HSV fehlte, wurde dann kurz vor der Pause deutlich. In der 39. Minute köpfte Tunay Torun eine Flanke von Jerome Boateng aus kurzer Distanz am Tor vorbei. Fünf Minuten später brachte Mladen Petric das Kunsstück fertig, eine scharfe Hereingabe von Piotr Trochowski aus kurzer Distanz über das Tor zu Schießen. Eine dieser beiden „100-Prozentigen“ hätte van Nistelrooy wahrscheinlich genutzt.
Nach dem Wechsel verschärften die Hessen das Tempo und suchten verstärkt ihr Glück in der Offensive. Dabei hatten sie in der 63. Minute Pech, als Boteng in höchster Not vor dem einschussbereiten Ochs klärte. Zuvor hatte Rost eine harte Hereingabe von Meier unter seinem Körper durchrutschen lassen. Die immer müder werdenden Hanseaten kamen dagegen kaum noch dazu, ein druckvolles Offensivspiel aufzuziehen.
Beste Spieler beim HSV waren Tomas Rincon im defensiven Mittelfeld und Abwehrchef Joris Mathijsen. Bei Frankfurt gefielen Chris und Ochs am besten, der Jansen ein ums andere Mal schlecht aussehen ließ.
Viererpack von Cacau
Mit dem ersten Viererpack seiner Bundesliga-Karriere hat sich Nationalspieler Cacau bei Bundestrainer Joachim Löw mit Nachdruck für die WM empfohlen und dem VfB Stuttgart eine perfekte Generalprobe für das Spiel des Jahres beschert. Drei Tage vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Titelverteidiger FC Barcelona (20.45 Uhr/live bei Sky) war der 28 Jahre alte Stürmer bei seinem Comback mit vier Toren der überragende Spieler beim 5:1 (3:1) der Schwaben beim 1. FC Köln.
Cacau, der zuvor am 8. August 2004 beim 4:2 gegen Mainz einmal drei Tore in der Bundesliga für den VfB erzielt hatte, legte zunächst innerhalb von 26 Minuten seinen ersten lupenreinen Hattrick in der Bundesliga (13., 31. und 38.) zur 3:0-Führung und setzte noch ein Tor zum 5:1 (74.) drauf. Seinen letzten Einsatz zuvor hatte der gebürtige Brasilianer, der in dieser Spielzeit erst zwei Bundesliga-Tore auf dem Konto hatte, am 18. Spieltag beim 3:1 Stuttgarts gegen Meister VfL Wolfsburg. Der FC kam kurz vor der Pause zum 1:3 durch Christopher Schorch (44.), Pawel Pogrebnjak traf zum 1:4 (70.).
Vom Anpfiff an entwickelte sich vor nur 45.500 Zuschauern ein interessantes Bundesliga-Spiel. Und wie häufig in den vergangenen eineinhalb Jahren übernahm der Gast in der Domstadt das Kommando. So sorgte Cacau für das erste Highlight, als er mit einem 16-m-Schuss an Kölns Torwart Faryd Mondragon scheiterte. Nur eine Minute später hätte VfB-Kapitän Mathieu Delpierre mit einem Kopfball die Führung erzielen müssen, verfehlte aber das Tor. Wenig später folgte Cacaus erster Streich per Abstauber nach Flanke von Außenverteidiger Cristian Molinaro. Beim 2:0 schaltete der Angreifer Cacau bei einem Fehler von Kölns Kevin Pezzoni im Mittelfeld am schnellsten, behauptete sich bei einem Tackling von Pedro Geromel und traf mit einem wunderbaren Effetschuss aus 18 Metern. Den Hattrick perfekt machte er wieder per Abstauber nach Ecke von Timo Gebhart.
Die Gastgeber, bei denen der angeschlagene Maniche fehlte, liefen der Musik im ersten Durchgang zumeist hinterher. Lediglich Torjäger Milivoje Novakovic hatte zwei Riesenchancen, scheiterte aber am herausragend reagierenden VfB-Keeper Jens Lehmann (12. und 36.). Schorch weckte mit einem Kopfball-Tor nach Flanke von Adil Chihi aber noch einmal für Hoffnung.
Der im ersten Durchgang erschreckend schwache Lukas Podolski wachte dann plötzlich auf. Der Publikumsliebling verpasste sein zweites Saisontor mit einem Distanzschuss nur knapp (46.) und scheiterte mit einem Kopfball an Lehmann (51.). In diesen beiden Szenen zeigte der 69-malige Nationalspieler endlich mal wieder sein Potenzial, ist nun aber seit 1301 Minuten ohne Bundesliga-Tor. Doch für eine erfolgreich Aufholjagd wie beim 3:3 gegen den Hamburger SV reichte es nicht mehr, Progrebnjak traf per Kopf auf Flanke des eingewechselten Roberto Hilbert und Cacau per Flachschuss.
Neben Cacau ragte bei den Schwaben vor allem Gebhart heraus, Ex-Nationalkeeper Lehmann erwischte ebenfalls einen exzellenten Tag. Bei Köln gefielen Torschütze Schorch und Chihi bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung (55.). (sid)
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