Die Herrmanns und Selkes sollten Jean-Marc Bosman danken

Gerade erst in Bremen den Vertrag bis 2018 verlängert, zieht Davie Selke schon zum nächsten Klub (Leipzig) weiter.
Gerade erst in Bremen den Vertrag bis 2018 verlängert, zieht Davie Selke schon zum nächsten Klub (Leipzig) weiter.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der eine - Patrick Herrmann - verlängert seinen Vertrag vorzeitig um drei Jahre. Der andere - Davie Selke - bricht seinen bis 2018 laufenden Kontrakt, um woanders bis 2020 zu unterschreiben: Zwei Meldungen, die einen gemeinsamen Nenner haben - das 20 Jahre alte Bosman-Urteil . Ein Kommentar.

Essen.. Ein Fußballprofi verlängert seinen noch 15 Monate laufenden Vertrag vorzeitig um weitere drei Spielzeiten. Eine alltägliche Nachricht, bei der sich – wie im aktuellen Fall – die Überschrift verbietet: „Patrick Herrmann bleibt bis 2019 in Mönchengladbach.“ Wie das Geschäft läuft, zeigt der bevorstehende Wechsel von Davie Selke zu RB Leipzig. Der 20 Jahre alte Stürmer, der erst im Herbst seinen Vertrag in Bremen bis 2018 verlängert hat, unterschreibt beim ambitionierten Zweitligisten einen neuen Fünfjahres-Vertrag – und Werder lässt sich mit einer satten Ablösesumme für seine „Weitsicht“ entlohnen. Vertragsbruch? Was ist das im Fußball?

Vor diesem Hintergrund lohnt es, mal wieder an Jean-Marc Bosman zu erinnern. Jenen belgischen Spieler, der 1995 vor dem Europäischen Gerichtshof für Fußballprofis das Recht erstritt, einen Verein nach Ablauf der Vertragslaufzeit ablösefrei verlassen zu können. Die Konsequenz: Eine Ablöse ist seitdem für einen Klub nur noch zu erzielen, wenn der umworbene Spieler aus einem laufenden, möglichst langfristigen Kontrakt herausgekauft werden muss. Eine Regelung, von der vor allem die Kicker profitieren. Das Risiko der langfristigen Bindung tragen allein die Vereine – für den Fall, dass der gewöhnlich hoch bezahlte Spieler in ein anhaltendes Formtief gerät.

Erst Wegbereiter. dann depressiv

Seit dem Bosman-Urteil sind nicht nur die Gagen der Stars, sondern auch die jener Talente, die eine große Zukunft versprechen, förmlich explodiert. Bosman selbst hat dagegen von seinem juristischen Sieg nie profitiert. Zermürbt vom langwierigen und kostspieligen Prozess fiel er im Gegenteil in ein tiefes Loch. „Wenn alle sich bereichern, und du stürzt ins Elend, dann tut das weh“, hat er später seine Depressionen und Alkoholprobleme begründet. Der heute 40-Jährige mag es sich damit zu leicht machen, aber es ist nachvollziehbar, wenn er klagt: „Es ist, als hätte ich jemandem die Lottozahlen vorausgesagt und werde dann nicht am Gewinn beteiligt.“

Es wird Bosman nicht trösten – aber so mancher Wegbereiter einer Entwicklung ist schnell in Vergessenheit geraten.