Die deutschen Nationalspieler sind reif für den Urlaub

Joachim Löw (li.) schaut zu, wie Jürgen Klinsmann sich mit Gyasi Zardes über das 2:1 gegen den Weltmeister freu.
Joachim Löw (li.) schaut zu, wie Jürgen Klinsmann sich mit Gyasi Zardes über das 2:1 gegen den Weltmeister freu.
Foto: imago/Karina Hessland
Was wir bereits wissen
Es ging nur 45 Minuten gut, die Weltmeister vom Strand zurück zu holen. Das 1:2 gegen die USA hat gezeigt: Die Nationalelf braucht neue Kräfte.

Köln.. Jürgen Klinsmann bahnte sich zu später Stunde als zufriedener Gast seinen Weg in den Presseraum, um über das vorangegangene Fußballspiel zu sprechen. Der Wahlkalifornier hatte in Köln viele alte Bekannte getroffen, dabei sogar Lukas Podolski nett umarmt, als dieser nach einer halben Stunde des Testspiels zwischen Deutschland und den USA auf dem Weg in die Aufwärmzone hinter dem Tor die amerikanische Auswechselbank passierte. Schon am Dienstag hatte ihm Bundestrainer Joachim Löw einen stattlichen Anteil am WM-Erfolg der Nationalelf zugesprochen, sodass sich der 50-Jährige einen Moment lang auch als Weltmeister fühlen durfte.

Der 2:1-Sieg am Abend darauf über die echten Titelträger machte Jürgen Klinsmann noch glücklicher. Im Gegensatz dazu gab sich Joachim Löw redlich Mühe, der Partie nicht mehr Bedeutung beizumessen, als sie ohnehin nicht hatte angesichts vieler geschonter oder verletzter Stammkräfte. „Ich kann mit dem Spiel gut leben“, klang der 57-Jährige etwas gequält. Denn: Auch vor dem Abschluss mit dem EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar am Samstag war die Länderspielsaison 2014/15 keine gute.

Deutsche Mannschaft war eher fahrlässig als konzentriert

Im Test gegen die USA kassierte der Weltmeister seine dritte Pleite in neun Spielen, nur viermal ging er als Sieger vom Platz. Auf dem Weg zur EM 2016 in Frankreich warten noch schwere Begegnungen mit Polen, Schottland und Irland. Die Sorgen, die mancher Bundesligist vor einem Jahr nach dem WM-Titel für die neue Saison hatte (ausgelaugte Spieler, mangelnde Konzentration), galten zuletzt eher für den Bundestrainer.

Einzelkritik Besonders beim Torabschluss wirkte die Mannschaft eher fahrlässig denn konzentriert. Selbst wenn die gegnerische Abwehr keine übertriebenen Anforderungen stellte, selbige zum Torerfolg auszutricksen. „Da fehlt mir die Geilheit“, seufzte Löw. Gesehen hat er diese nur beim 75. Debütanten in seiner Ägide: Patrick Herrmann. Der wieselflinke Gladbacher überzeugte im Umschaltspiel, bereitete das 1:0 durch Mario Götze (12.) vor. Was Löw aber auch kritisierte, vor allem in der schwachen zweiten Halbzeit: Er trainiere inzwischen eine Ballbesitztruppe, der jedoch das Überfallartige abhanden gekommen ist. „70, 80 Prozent Ballbesitz sind super. Was wir aber 2010 hatten und verloren haben: nach einem Ballgewinn blitzartig umzuschalten, Konter zu fahren und Tore zu erzielen.“

Anschauungsunterricht bei den Gegentreffern

Von daher waren die amerikanischen Treffer durch den New Yorker Mix Diskerud (41.) und den Auer Zweitligaprofi Bobby Wood (87.) Anschauungsunterricht. Nicht weiter schlimm, hörte man hinterher bei den Unterlegenen heraus, und erst recht erklärbar durch den Fitnessrückstand bei nur zwei Trainingseinheiten nach zum Teil zwei Wochen Pause. Dass die Viererkette in der Besetzung Rudy, Mustafi, Rüdiger und Hector „nicht immer Herr der Lage“ war, hatte Löw noch nett formuliert.

Am Samstag stehen an der Algarve die letzten 90 Minuten des Jahres eins nach dem WM-Triumph am Zuckerhut an. „Wir sind froh, wenn die Saison dann abgeschlossen ist“, sagte Löw. Frische Kräfte brauchen der Bundestrainer und seine Weltmeister in der Tat nach diesem Sommer.