DFB nach Urteil über Profiverträge in Sorge

Befristeter Vertrag: Ex-Torhüter Heinz Müller hat einen Prozess gegen den FSV Mainz 05 gewonnen. Was ändert sich jetzt durch den Richterspruch im deutschen Fußball?
Befristeter Vertrag: Ex-Torhüter Heinz Müller hat einen Prozess gegen den FSV Mainz 05 gewonnen. Was ändert sich jetzt durch den Richterspruch im deutschen Fußball?
Foto: imago
Fußballprofis unterschreiben bei ihren Vereinen nur befristete Verträge - das könnte sich jetzt ändern. Nachdem der ehemalige Mainzer Torhüter Heinz Müller einen Prozess gegen den FSV gewonnen hat, macht sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Sorgen.

Frankfurt/Main.. Der Deutsche Fußball-Bund sieht das Gerichtsurteil zur Befristung von Verträgen im Profisport mit Sorge. "Wir müssen das sehr sorgfältig betrachten, denn es steht für mich außer Frage, dass das allgemeine Arbeitsrecht im Fußball so nicht gelten kann", sagte der für Rechtsfragen zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch "Sport1". Dass es für die Befristung von Arbeitsverträgen in der freien Wirtschaft klare Grenzen gebe, sei "völlig richtig", meinte der Jurist. Aber im Fußball wisse doch jeder, "dass man nicht mit 67 in Rente gehen kann, sondern dass man Zeitverträge hat, die immer wieder aufs Neue verlängert werden."

Sportrechts-Anwalt Christoph Schickhardt ist der gleichen Auffassung. "Man kann den Profisport nicht mit anderen Branchen vergleichen, weil ein Sportler nur eine begrenzte Zeit seinen Beruf ausüben kann. Auch deshalb verdienen Fußballer viel mehr Geld als normale Angestellte", sagte der Anwalt zahlreicher Vereine und Spieler der "Bild"-Zeitung. "Für mich ist klar: Das Urteil kann so keinen Bestand haben."

Das Arbeitsgericht Mainz hatte am Dienstag im Fall des früheren Bundesliga-Torwarts Heinz Müller entschieden, dass auch Profisportler nicht beliebig häufig Zwei- oder Dreijahresverträge erhalten können, sondern dass solche Befristungen auch hier den engen gesetzlichen Grenzen unterliegen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Müllers Ex-Club Mainz 05 will in die Berufung gehen.

Müller-Urteil: DFL gelassen, Spielergewerkschaft fordert Tarifvertrag

Die Spielergewerkschaft VDV hat als Antwort auf das brisante Gerichtsurteil zur Befristung von Verträgen im Leistungssport erneut einen Tarifvertrag für Profifußballer gefordert. "Rechtssicherheit kann man nur durch einen Tarifvertrag schaffen. Der Fußball kann kein Interesse daran haben, dauerhaft in einer solchen Unsicherheit zu leben", sagte Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Das Arbeitsgericht Mainz hatte am Dienstag im Fall des früheren Bundesliga-Torwarts Heinz Müller entschieden, dass Profisportler nicht beliebig häufig Zwei- oder Dreijahresverträge erhalten können, sondern dass solche Befristungen auch in dieser speziellen Branche den Grenzen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes unterliegen. Die Deutsche Fußball Liga gab sich am Mittwoch gelassen: "Wir betrachten das Urteil mit der angemessenen Ernsthaftigkeit, es gibt aber derzeit keinen akuten Handlungsdruck", heißt es in einer DFL-Erklärung. "Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, und in der Vergangenheit sind andernorts Richter zu gegenteiligen Entscheidungen gekommen."

Baranowsky widersprach jedoch der im Profifußball weit verbreiteten Meinung, dass dieses Urteil völlig überraschend gekommen sei und nur die Einzelmeinung einer Richterin ausdrücken würde. "Wir haben die Liga schon vor Jahren auf diese Problematik hingewiesen", sagte er. (dpa)