Den Bayern bleibt ein Umbruch nicht erspart

Wenn sich Sieger wie Verlierer fühlen: Die Bayern Götze, Martinez, Rode und Bernat (von links) nach dem Abpfiff  des mit 3:2 gewonnenen Halbfinal-Rückspiels gegen Barcelona in München.
Wenn sich Sieger wie Verlierer fühlen: Die Bayern Götze, Martinez, Rode und Bernat (von links) nach dem Abpfiff des mit 3:2 gewonnenen Halbfinal-Rückspiels gegen Barcelona in München.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der Deutsche Meister wird aus dem stilvollen Halbfinal-K.o. in der Champions League gegen den FC Barcelona seine Schlüsse ziehen: Ein neuer Anlauf kann nur mit neuem Personal erfolgen.

München.. Die Profis des FC Barcelona hatten es eilig. Direkt nach ihrem Einzug ins Champions-League-Finale am 6. Juni in Berlin flogen sie nachts noch aus München zurück in die Heimat. Für die Reporter aus aller Welt war es sinnlos, Barcas Bestem auf dessen Weg zum Mannschaftsbus hinterherzuhecheln: Lionel Messi startete durch und war auch im Klubanzug nicht aufzuhalten.

Barcas Messi, Suárez und Neymar zu stark für Bayern

Selbst wenn er in dieser Ausgehkleidung zuvor auch gespielt hätte, wären seine Geniestreiche von den Spielern des FC Bayern kaum zu verhindern gewesen. Durch die genialen Einfädelungen von Messi, die erstaunliche Selbstlosigkeit von Luis Suárez und den bewundernswerten Torinstinkt von Neymar führte Barcelonas Weltauswahl zur Halbzeit in München mit 2:1, und dass die Bayern noch mit 3:2 siegten, das ehrt sie. Aber wer geglaubt hatte, das 0:3 aus dem Hinspiel würde sich tatsächlich wettmachen lassen, der glaubt auch, dass man von Schweinshaxe und Weißbier abnimmt.Kommentar

Die Bayern wussten, dass sie es im Hinspiel vermasselt hatten. „Und zwar in den letzten Minuten, das ist bitter“, meinte Kapitän Philipp Lahm, und Torwart Manuel Neuer stimmte ihm zu: „Die letzte Viertelstunde in Barcelona war der Knackpunkt. Aber wir haben hier nicht unser Gesicht verloren.“

Bayern-Fans und der Trainer bedanken sich

Sie hatten sich zwar auch im Rückspiel in der Defensive unverzeihliche Patzer geleistet, aber sie kämpften nach der Pause beherzt um ihre Reputation. Fußballfans haben oft ein feines Gespür dafür, wann ihre Mannschaft außergewöhnlichen Zuspruch verdient hat. Die Bayern-Profis standen nach der Partie minutenlang vor der Südtribüne, Spieler und Anhänger beklatschten sich gegenseitig. „Wir sind stolz auf unser Team“, sangen die Fans, und Philipp Lahm versicherte: „Eine unglaubliche Unterstützung – so etwas habe ich selten erlebt.“

Auch Pep Guardiola war seinen Spielern dankbar, und um ihnen dies zu versichern, beorderte er sie sofort nach der Partie in die Kabine. „Ich bin sehr glücklich, wie die Mannschaft sich verhalten hat mit all den Problemen“, erklärte der Katalane nach dem K.o. gegen sein früheres Team. Er wirkte sehr erleichtert, denn der Achtungserfolg nahm auch dem Wirbel um seine Person die Windstärke. Eine demütigende Heimniederlage – und es wäre automatisch die Frage aufgekommen, ob es nicht doch Sinn ergeben könnte, wenn der Startrainer und Manchester Citys Scheich Mansour bin Zayed al Nahyan zueinander fänden. München.

Nun aber konnte Guardiola eine unmissverständliche Ansage formulieren: „Wir werden es im nächsten Jahr noch einmal angehen!“ Aber wie?

Bayern München stieß gegen Barcelona an seine Grenzen

In dieser Saison mussten die Bayern erkennen, dass die Qualität ihres Aufgebotes zwar für einen Sprint zum deutschen Meistertitel reichte, aber nicht, um ein Ausnahmeteam wie Barcelona ernsthaft aus dem Gleichgewicht bringen zu können. Es fehlten die Geschwindigkeit und die Unberechenbarkeit der verletzten Außen-Angreifer Arjen Robben und Franck Ribéry, auch David Alaba und Holger Badstuber wurden vermisst, denn hinten stießen Juan Bernat, Rafinha und Medhi Benatia an Grenzen. Finanzen

Auf Mario Götze hingegen verzichtete Guardiola freiwillig. Als er Lahm nach 68 Minuten vom Feld holte, brachte er den robusten Sebastian Rode, erst in der 87. Minute durfte der WM-Final-Torschütze mitwirken. Ob der Trainer seinem Misstrauensvotum die Worte „Zeig der Welt, dass du besser bist als Rode“ folgen ließ, ist nicht überliefert.

Bayern braucht frisches Blut

Falls der hochbegabte Götze künftig damit beginnen will, sich in München durchzubeißen, wird er sich gegen weitere Konkurrenz behaupten müssen. Die Bayern werden wissen, dass sie den erforderlichen Umbruch nicht aufschieben können. Verlässliche Stützen des Teams haben ein Fußballeralter erreicht, in dem Steigerungen nur noch arg dosiert zu erwarten sind: Arjen Robben ist 31, Franck Ribéry 32, Philipp Lahm 31, Bastian Schweinsteiger 30 und Xabi Alonso schon 33. In allen Mannschaftsteilen werden frische Kräfte benötigt, unpopuläre Entscheidungen werden unvermeidbar sein. Es wird viel diplomatisches Geschick erfordern, nach und nach diejenigen zu ersetzen, die diesem Verein zu Ruhm und Titeln verholfen haben.