Copa América: Chile will historischen Coup

Trotz einiger Skandale im Gepäck will Gastgeber Chile bei der Copa América im eigenen Land den Traum vom ersten Turniersieg im 37. Anlauf endlich wahr machen.

Santiago de Chile.. Vor dem ersten Spiel der Vorschlussrunde der Südamerika-Meisterschaft gegen Nachbar Peru sind die Hoffnungen riesig. "Das ist die beste Generation überhaupt", sagte Starspieler Arturo Vidal vom Champions-League-Finalisten Juventus Turin vor der Partie in der Nacht auf Dienstag (1.30 MESZ). "Aber jetzt müssen wir auch noch etwas Wichtiges gewinnen."

Viermal stand die "La Roja" schon in einem Copa-Halbfinale, 1979 und 1987 erreichte sie sogar das Endspiel. Das bislang letzte verloren die Chilenen 1999 im Elfmeterschießen gegen Uruguay. Den Copa-Rekordsieger schalteten die "Inkas" diesmal mit einem knappen 1:0 aus. Dennoch war der Weg ins Halbfinale holprig: Der italienische Double-Sieger Vidal sorgte mit seiner Unfallfahrt - angeblich mit ordentlich Alkohol im Blut - für einen Skandal im Heimatland. Selbst der weitere Einsatz des ehemaligen Leverkusen-Profis stand kurzzeitig auf der Kippe. Verteidiger Gonzalo Jara von Mainz 05 ist wegen eines Po-Grapschers gegen Uruguay Edinson Cavani gar für den Rest des Turniers gesperrt.

Coach Jorge Sampaoli - einer von vier argentinischen Trainern im Halbfinale - muss für den Stammverteidiger einen Ersatz finden, Hannovers Miiko Albornoz stünde bereit. "Wir arbeiten an einer Lösung - entweder einem Mann-zu-Mann-Ersatz oder einer taktischen Alternative", sagte Sampaoli.

Der 55-Jährige hat seinen Profis zu mehr Ballkontrolle verholfen. Das wurde schon bei der WM in Brasilien deutlich, als Chile nach Siegen gegen Australien und Spanien erst im Achtelfinale gegen den Gastgeber knapp nach Elfmeterschießen ausschied. "Wenn wir den Ball besitzen, können wir die Stürmer, die sehr gefährlich sind, kontrollieren", sagte Sampaoli mit Blick auf Perus starke Offensive um Schalkes Jefferson Farfán, den früheren HSV-Profi Paolo Guerrero und Claudio Pizarro vom FC Bayern München.

Die Favoritenrolle für das Finale am 4. Juli lehnte der Argentinier ab, dennoch: Peru hatte bei der Copa kaum jemand auf der Rechnung. Erst im Februar hatte Ricardo Gareca das Team aus talentierten, aber undisziplinierten Spielern übernommen. "Der Halbfinaleinzug ist ein Ergebnis der Arbeit unseres "Profs"", betonte Frankfurts Carlos Zambrano. "Er hatte den Mut, zu einer Zeit nach vielen schlechten Ergebnissen zu uns zu kommen. Er glaubt an uns."

Zambrano steht nach sehr guten Copa-Auftritten Medienberichten zufolge vor einer Verlängerung seines auslaufenden Vertrags bei der Eintracht. Dort wurde der 25-Jährige zuletzt eher kritisch beäugt. Wegen einer Knieverletzung hatte der als Hitzkopf bekannte Verteidiger in der vergangenen Saison lange nicht gespielt, auf dem Platz zeigte er mäßige Leistungen und fiel eher mit sieben Gelben Karten aus 17 Spielen auf.

Bei der Copa hat Zambrano noch keine einzige Verwarnung kassiert. "Schon vor vier Jahren haben wir eine gute Copa gespielt und sind Dritter geworden. Bevor wir hier herkamen, habe ich mir zum Ziel gesetzt, noch weiter zu kommen", sagte Zambrano. Dafür fehlt ihm nur noch ein Sieg.