Das aktuelle Wetter NRW 5°C
Champions League

Chelseas Drogba war der entscheidende Mann gegen die Bayern

20.05.2012 | 15:32 Uhr
Funktionen
Ein Mann, ein Pott: Kaum jemand hatte so großen Anteil am Finalsieg des FC Chelsea wie Didier Drogba.Foto: imago

München.  Nicht Bastian Schweinsteiger, nicht Franck Ribery und auch nicht Arjen Robben - Chelseas Didier Drogba war der Held des Champions-League-Finales in München - nicht nur wegen seiner Treffer.

Eine Stunde nach dem großen Spiel, das wahrscheinlich sein letztes für diesen Verein gewesen ist, sagte Didier Drogba eigentlich nichts Besonderes. Als er damit fertig war, applaudierten ihm alle englischen Fußball-Reporter, die ihm zugehört hatten. Viele englische Fußball-Reporter gelten in etwa als so gutmütig wie ein Pitbull, den man eine Woche lang auf grünen Salat gesetzt hat. Es muss also etwas dran sein an Didier Drogba, 34, geboren an der Elfenbeinküste und Symbolfigur des FC Chelsea London.

Drogba, der Spieler, musste vor diesem Finale der Champions League niemandem mehr etwas beweisen. Man wusste, dass er mit dem Ball umgehen kann, dass er mit der ganzen Wucht seines Körpers spielt, mit dem er jedem Bildhauer Modell stehen könnte. Wenn es einen Makel gab: Drogba, der Torjäger, war  Drogba, der Unvollendete. Die großen Titel sind ihm nie zugeflogen. Er stand in neun Endspielen aller Art, die meisten hat er verloren.

Drogbas Kopfbälle sind Schüsse

In München ist er entschädigt worden. Einmal nur kam er zum Kopfball, nach der ersten und einzigen Ecke von Chelsea. Drogbas Kopfbälle sind Schüsse, er rettete die Maurer aus London mit dem 1:1 ins Elfmeterschießen. Dann hatte er Glück, er foulte Franck Ribery ungeschickt, aber Arjen Robben verschoss den Elfer in der Verlängerung und trat später, im Elfmeterschießen, nicht mehr an. Drogba schon, er versenkte den letzten, den entscheidenden  Ball.

Aber nicht nur deshalb haben sie in München applaudiert.

Trauer beim FC Bayern

  Drogba, der Mensch, das ist der Drogba, den seine Heimat verehrt. Er spendet Millionen für den Aufbau eines Krankenhauses, das es ohne ihn nie geben könnte. Er ist ein Fußballer, der über seine Anfänge in einem Pariser Amateurverein sagt: „Man lernt die richtigen Werte kennen. Man spielt nicht für Geld, aber um des Spiels willen.“

Trost für Bastian Schweinsteiger

Nach dem Schlusspfiff in München blitzen diese Werte auf. Drogba schaute rüber zu den Bayern, lange und sehr aufmerksam. Als sich in ihm das Gefühl festgesetzt hatte, dass diese Spieler von alleine nicht mehr auf die Beine kommen würden, ging er zu Bastian Schweinsteiger, dem weinenden Häuflein Elend. Drogba nahm ihn in den Arm und sprach mit ihm, nicht im Vorübergehen sondern lange, mit ganzer Aufmerksamkeit.

Einzelkritik
Bayerns Robben verschießt wieder einen wichtigen Elfmeter
Bayerns Robben verschießt wieder einen wichtigen Elfmeter

Noten von 2 bis 4,5: Diskutieren Sie mit uns über die Leistung der Münchner Spieler im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea.

Am Ende des Abends sprach Drogba, der Chelsea wohl Richtung China verlassen wird, über die Bedeutung dieses Sieges. Ein Wort kam in seinen Sätzen nicht vor: ich. Sich nicht zu wichtig zu nehmen, freundlich, bescheiden, ja fast demütig zu sein im Moment des Erfolgs: Da darf man auch mal applaudieren.

Klaus Wille

Kommentare
Aus dem Ressort
Bollys später Schuss ins Fortuna-Glück
Analyse
In der 89. Minute schoss der Joker Fortuna Düsseldorf zu einem 1:0-Erfolg über Union Berlin und bescherte seinem Team eine versöhnliche Winterpause.
Bayern-Sieg zum Jahresausklang - 2:1 beim FSV Mainz
Fußball
Mainz (dpa) - Der FC Bayern München hat die Hinrunde der Fußball-Bundesliga dank Arjen Robben mit einem Last-Minute-Sieg abgeschlossen. Der...
Ultimatum an Katar - Fifa veröffentlicht doch Garcia-Bericht
Garcia-Report
Der ehemalige Fifa-Chefermittler Michael Garcia zweifelte an der Korrektheit der WM-Vergaben an Katar und Russland. Sein Bericht wird nun öffentlich.
Robben-Tor besorgt Bayern Last-Minute-Sieg in Mainz
Bundesliga
Tabellenführer Bayern München verabschiedet sich mit einem Sieg in die Winterpause. Arjen Robben erzielte kurz vor Schluss das entscheidende 2:1.
Der SC Paderborn lässt sich keine Krise andichten
Bundesliga
Sie haben seit sechs Spielen nicht mehr gewonnen und nur drei Punkte geholt, doch die Bosse des Bundesligisten SC Paderborn brechen nicht in Panik aus