Wie Filmemacher die BVB-Gründungsgeschichte retten wollen

Wohnt da, wo einst der BVB gegründet wurde: Jan-Hendrik Gruszecki.
Wohnt da, wo einst der BVB gegründet wurde: Jan-Hendrik Gruszecki.
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Film „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“ erzählt von Gründer und Gründung des Klubs. Ein Gespräch mit den Machern.

Dortmund.. Für Jan-Henrik Gruszecki sind es nur wenige Meter, einmal quer über die Oesterholzstraße, hinein in das Cafe, in dem das Gespräch stattfinden soll. Der Filmemacher und Journalist wird begleitet von Filmemacher und Produzent Marc Quambusch. Filmemacher und Moderator Gregor Schnittker, der Dritte Mann hinter „Am Borsigplatz geboren – Franz Jacobi und die Wiege des BVB“, fehlt. Er war zwar an diesem Dokumentarwerk über Gründer und Gründungshistorie von Borussia Dortmund beteiligt, wohnt aber trotzdem noch immer nicht in Haus Nummer 60.

Vorfreude Wir haben einen guten Blick auf den historischen Ort. Unten, wo der Imbiss ist, war früher die Gaststätte „Zum Wildschütz“, darüber, wo Sie wohnen, Herr Gruszecki, war der Spiegelsaal der Gaststätte. Da trafen sich, einen Steinwurf entfernt vom Borsigplatz, am 19. Dezember 1909 18 junge Männer und gründeten den BVB. Erst einmal: Wie kommen Sie nur zu dieser Wohnung?

Jan-Henrik Gruszecki: Über die Idee zu unserem Filmprojekt, vor zwei Jahren. Ich wollte unbedingt einmal dahin, wo die Borussia gegründet wurde und habe deshalb Kontakt zum Hausmeister aufgenommen. Der hat uns die Wohnung gezeigt. Wir haben erst gedacht: Die ist verranzt. Als ich dann aber doch noch einmal etwas wissen wollte, habe ich bei Google „Oesterholzstraße 60“ eingegeben und landete auf Zwangsversteigerung.de. Das war nachts um drei. Ich bin durchgedreht, habe meine Freundin geweckt und gesagt: „Wir kaufen den Spiegelsaal und ziehen da ein!“

Der Herr Quambusch hat ja mittlerweile eine Zweitwohnung hier gegenüber in Nummer 60. BVB-Trainer Jürgen Klopp soll sich über die Wohnungswahl amüsieren. Wegen des Pommesgeruchs?

Gruszecki: Er amüsiert sich. Aber, wenn es zu sehr nach Fritten riecht, gehe ich einfach runter und sage: Jungs, die Abzugsanlage ein bisschen mehr aufdrehen.

Wildschütz, Spiegelsaal, Franz Jacobi, die treibende Kraft hinter der Gründung des BVB, waren in Vergessenheit geraten. Wie kamen Sie zur Idee, den Film zu machen?

Marc Quambusch: Wir haben den Wikipediaeintrag zu Franz Jacobi gelesen. Da stand, dass das Grab abgeräumt wurde. Da haben wir am selben Tag noch geschaut, wie viele Jacobis es an seinem späten Wohnort Salzgitter noch gibt. Ich habe den ersten auf der Liste angerufen und hatte den Urenkel am Apparat.

Als Sie den Eintrag gelesen haben, waren Sie verärgert?

Gruszecki: Da stand: Grab wurde 2010 entfernt. Ein Jahr nach unserem Hundertjährigen, ein Jahr, nachdem wir uns alle dazu gratuliert hatten, was wir doch für eine tolle Tradition haben. Wir haben dann auch noch erfahren, dass lediglich der Grabstein weggeräumt wurde, deshalb haben wir noch beim BVB angerufen, wegen einer möglichen Umbettung der Gebeine von Franz Jacobi und seiner Frau Lydia. Im Juli 2013 hatten wir eine sehr schöne Trauerfeier in Dortmund.

Im Film gibt es diese Szene auch: die späte Trauerfeier. . .

Gruszecki: Ja. Das war eben nicht nur ein Filmprojekt. Es war ein Projekt, das die Gründungsgeschichte von Borussia Dortmund anfassbar gemacht und, wie ich hoffe, für alle Zeiten gerettet hat.

Von der Idee zur Verwirklichung braucht man im Filmgeschäft gewöhnlich eine Menge Geld. . .

Gruszecki: Ich hatte zum Beispiel ein Gespräch mit Hans-Joachim Watzke, dem BVB-Geschäftsführer. Er fragte: Wie viel brauchen Sie? Ich sagte: Vielleicht kostet der Film 100 000 Euro. Er sagte: Von uns bekommen Sie 25 000. Die Filmfirma kalkulierte dann aber 780 000 Euro. . .

Quambusch: Da haben wir gedacht: Das ist zuviel.

Gruszecki: Irgendwann haben wir festgelegt: Wenn wir 120 000 zusammen kriegen, dann machen wir den Film, wenn wir 250 000 zusammenkriegen, wird er geil. Dann haben wir eine Crowdfunding-Kampagne gemacht. Wir haben zum Beispiel DVDs für 19,09 Euro angeboten. Und von der Südtribüne haben uns die Leute ihr Becherpfand gegeben. Und natürlich hat jeder, der beteiligt war, als Schauspieler, Sprecher, mehr gemacht, als er sich hat bezahlen lassen.

Vorteil: Fußball? Weil alle Fans von Borussia Dortmund waren?

Quambusch: Ja. Aber es waren auch Nicht-Fans dabei. So ein Blick von außen ist manchmal gut.

Hat sich denn am Crowdfunding auch die Mannschaft beteiligt?

Gruszecki: Marco Reus zum Beispiel hat uns ein Trikot gegeben, nachdem er zum Spieler des Spiels gewählt worden war. Das haben wir versteigert. Und Trainer Jürgen Klopp habe ich angesprochen. Gut, ich habe gefragt: Könnten wir denn vielleicht so eine Pöhlerkappe bekommen? Auch zum Versteigern. Und er hat mich angeschaut und geantwortet: Bist Du bescheuert? Da dachte ich: Boh, was für ein Arschloch. Aber er hat dann gesagt: Du kriegst einen kompletten Tag, den kannst Du mit mir verkaufen. Ich gehe in einen Betrieb, ich mache Autogrammstunden. . .

Alles für einen Film, der in die Kinos kommen soll, sein Publikum ist aber sehr eingeschränkt. . .

Quambusch: Wir haben den Film für die Leute gemacht, die ihn bezahlt haben. Alles andere ist on top. Aber es gibt ja schon ein paar Millionen BVB-Fans. Wäre schön, wenn ein paar davon reingehen würden.