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Weidenfeller: "Habe nichts verlernt"

09.04.2008 | 18:43 Uhr

Dortmund. Thomas Doll behauptet: „In einer solchen Phase der Saison gibt es keine Geheimnisse mehr, die ein Verein vor dem anderen verbergen könnte.”

Doch vor dem „Vorspiel” zum DFB-Pokalfinale (19. April in Berlin) am Sonntag im Münchner WM-Stadion, dem Bundesliga-Duell zwischen Bayern und Borussia Dortmund, hat das Versteckspiel längst begonnen.

Dortmunds Bayern-Leihgabe Mats Hummels sagt mit einem breiten Grinsen: „Wir spielen da mit der Sepp-Herberger-Taktik.” Der junge Mann kennt sie vom Hörensagen: Bei der Weltmeisterschaft 1954 hatte Bundestrainer Sepp Herberger im ersten Aufeinandertreffen mit Ungarn die halbe Reserve aufgestellt, um einerseits die hoch favorisierten Magyaren zu bluffen, andererseits auch, um seine Stars für das Entscheidungsspiel gegen die Türkei zu schonen. Die DFB-Auswahl erlebte ein 3:8-Debakel und triumphierte später im legendären Finale von Bern mit 3:2 gegen die nach einer 2:0-Führung überheblich spielenden Ungarn.

„Wir haben am Sonntag ein wichtiges Bundesligaspiel vor der Brust, das wir gewinnen wollen”, entgegnet Thomas Doll energisch allen Spekulationen. Er feierte übrigens gestern seinen 42. Geburtstag und wurde von den Fans reichlich beschenkt („So schlechte Arbeit kann ich demnach hier nicht geleistet haben”). Doll hält nichts von taktischen Spielchen und erinnert an das Champions-League-Duell zwischen Arsenal und Liverpool, die sich in acht Tagen drei Mal - in der Königsklasse und in der Meisterschaft - duellierten. Keiner spielte mit verdeckten Karten, jeder mit offenem Visier. Doll betont deshalb: „Wir sollten auch in München an unsere eigenen Stärken glauben. Dann können wir eine richtig gute Woche vor uns haben.” Zwischen den Bayern-Spielen empfängt der Borussia noch am Mittwoch Hannover 96 (20 Uhr).

Sepp Herberger hat die Ungarn damals auch mit einem Torwart-Wechsel irritiert. Die acht Gegentreffer kassierte der Dortmunder Heinrich Kwiatkowski und nicht Toni Turek, die Nummer eins. Parallele zur WM 1954: Auch bei Borussia liegt ein Tausch der Torhüter in der Luft. Vielleicht Sonntag, eventuell gegen Hannover, möglicherweise erst im Pokalfinale. Keiner rückt mit der Sprache heraus. „Zu diesem Thema äußere ich mich nicht”, stellt Doll klar. Marc Ziegler schweigt nach seinen dicken Patzern gegen Bochum und Leverkusen. Er verrät nur: „Ich konzentriere mich allein auf das Spiel am Sonntag.”

Der wieder genesene BVB-Stammtorwart Roman Weidenfeller sitzt ihm im Nacken. „In der einen oder anderen Situation hat man gesehen, dass ich nichts verlernt habe,” strahlte Weidenfeller nach dem eigens für die Rekonvaleszenten angesetzten Testspiel bei der SpVg. Erkenschwick (4:0) und viermonatiger Verletzungspause. Obwohl er wenig beschäftigt war, zog er im Gespräch mit Borussia-Online ein überaus zufriedenes Resümee: „So ein Spiel ist schwieriger, als im UEFA-Cup gefordert zu sein. Du hast wenig zu tun, musst aber immer auf die Tücken des recht holprigen Rasens eingestellt sein.”

Weidenfeller wird sich kaum vom Argument überzeugen lassen, dass fehlende Spielpraxis sein größtes Handicap sei. Er kann auf Jens Lehmann verweisen, dem Joachim Löw einen Freifahrtschein ins deutsche EM-Tor ausgestellt hat. „Man wird sehen, was passiert”, bemerkt er, „ich werde mich nochmal mit dem Trainer unterhalten. Dann schauen wir weiter.” Also doch Sepp-Herberger-Taktik, Marc Ziegler Sonntag in der Bundesliga und Roman Weidenfeller im Finale im BVB-Tor? Thomas Doll ist um die Entscheidung in der Torhüterfrage nicht zu beneiden.

Von Wilfried Wittke

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