Warum die BVB-Defensive gegen Schalke wieder sicher stand

Borussia Dortmund v FC Schalke 04 - Bundesliga
Borussia Dortmund v FC Schalke 04 - Bundesliga
Foto: getty
Was wir bereits wissen
Gegen Schalke lieferte Borussia Dortmund eine kollektiv starke Leistung und endlich stand die Defensive wieder kompakt - das fing schon ganz vorne an.

Dortmund.. Es hätte nicht mehr wirklich der Erwähnung bedurft, schon an den nicht immer notensicheren Gesängen aus der Kabine von Borussia Dortmund und an der Körpersprache aller Beteiligten war es klar zu erkennen. "Es hat uns Spaß gemacht, und wenn es uns Spaß macht, dann macht es den Fans auch Spaß", betonte Nuri Sahin dennoch nach dem 3:0-Derbysieg über Schalke 04. "Das war geil." Und Kapitän Mats Hummels ergänzte: "Wir sind gut gelaunt. Es ist deutlich schöner, wenn man Spiele gewinnt."

Gut gelaunt dürfte der Abwehrchef vor allem angesichts der Defensivleistung seiner Mannschaft gewesen sein, die bis auf einen Distanzschuss von Kevin-Prince Boateng (8.) keinerlei Torchance zuließ - ganz anders als in vielen der bisherigen Saisonspiele, in denen man den Gegner mit nahezu grotesken Fehlern zu Toren geradezu einlud. Ob es Oliver Kirch rechts war, der den verletzten Lukasz Piszczek hervorragend vertrat, ob Mats Hummels, Neven Subotic oder Marcel Schmelzer - die Viererkette lieferte eine souveräne, fehlerfreie Leistung ab. "Die vier haben das super gemacht", lobte Trainer Jürgen Klopp.

Eines der besten Spiele im Gegenpressing

Doch mindestens ebenso wichtig für das Abwehrspiel war das Verhalten der Vorderleute: Mittelfeldspieler und Stürmer setzten die Schalker ständig unter Druck, ließen kaum Raum für geordnetes Aufbauspiel und eroberten auch nach Ballverlusten das Spielgerät immer wieder zügig zurück. "Wir haben im Gegenpressing eins unserer besten Spiele abgeliefert", lobte Hummels. "Nicht nur in dieser Saison sondern in der gesamten Zeit, die wir miteinander haben."

Einzelkritik "Für mich war es das beste Spiel der Saison, was wir geliefert haben, weil wir auch in der klaren Dominanz immer geordnet waren", pflichtete BVB-Sportdirektor Michael Zorc bei. "Wenn sich keiner ausklinkt, kann man so spielen wie heute, dann führt Defensive auch zu Offensive", erklärte Mats Hummels - und es schwang mehr als nur andeutungsweise mit, dass das bislang zu oft anders gewesen war, dass es eben in den vergangenen Spielen immer Akteure gegeben hatten, die sich aus der Defensivarbeit ausgeklinkt hatten - anders als in den Jahren zuvor. "Jetzt sind wir gerade auf einem sehr guten Weg dahin, das wieder deutlich besser zu verinnerlichen", meinte Hummels.

13:4 Tore in vier Spielen

Das starke Pressing vorne ermöglichte es auch der Abwehrreihe, deutlich aggressiver zu spielen und mit hohem Stellungsspiel den Raum für die Angreifer sehr eng zu machen. Davon wiederum profitierte das Duo im defensiven Mittelfeld, Nuri Sahin und Ilkay Gündogan, die beide eine bärenstarke Leistung ablieferten. "In dem Moment, in dem wir es schaffen, mit allen eine kompakte Form hinzubekommen, ist Nuri wie ein Neuzugang", erklärte Trainer Klopp. "Dann sind die Wege kurz, dann hat er ein sensationelles Talent fürs Gegenpressing und ist defensiv richtig stark. Und dass beide kicken können, ist ja keine Frage."

Das freilich gilt auch für viele andere BVB-Offensivspieler, was sich an einer Torbilanz von 13:4 und vier Siegen aus den jüngsten vier Spielen zeigt. In der gesamten Rückrunde hatte man nur fünf Treffer mehr erzielt. Und so gab es kaum etwas zu kritteln an der Dortmunder Leistung - ein bisschen aber fand sich dann doch. "Das war eine fast perfekte Leistung", lobte Zorc. "Bis auf die Abschlüsse, die man besser hätte setzen können."

"Borussia Dortmund all inclusive"

Das war schon wieder ordentlich untertrieben. 31:3 Torschüsse hatten die Statistiker am Spielende notiert, zahlreiche BVB-Großchancen waren schon in Halbzeit eins darunter - doch bis zur 78. Minute stand es 0:0. Und so musste sich der BVB-Anhang lange sorgen, dass nicht vielleicht doch noch ein dummes Gegentor fallen würde und man mit leeren Händen dagestanden hätte. "Vor vier, fünf Wochen wäre dies der Fall gewesen, aber heute haben wir einfach so weitergespielt und den Plan verfolgt, den wir hatten", sagte Hummels.

"Das ist Borussia Dortmund all inclusive", scherzte Trainer Klopp. "Spiel, Spaß und Spannung über 95 Minuten." Auf die Spannung hätte der Coach zwar gerne verzichtet, aber: "Jetzt nach dem Spiel kann ich sagen: So ist es auch okay."