Unnötiges Understatement des BVB nach Bayern-Spiel

Foto: Bongarts/Getty Images
Es läuft nicht rund bei Borussia Dortmund. Doch Understatement ist unangebracht, denn noch kann der BVB einen Titel holen, so unser Kolumnist.

Dortmund.. Momentan steht es um Borussia Dortmund zwar nicht mehr so schlecht wie noch vor wenigen Monaten, aber so richtig doll ist das momentane Gekloppe auf den Plätzen der Bundesliga auch nicht. Bei der Zweitvertretung in der 3. Liga läuft es nicht rund, da kämpft das Team von David Wagner gegen den Abstieg, während die erste Mannschaft inzwischen im Mittelfeld der ersten Bundesliga herum dümpelt. Das ist zwar ein Fortschritt - man ist schließlich von den Abstiegssorgen erst mal befreit - aber dennoch nicht das, was man sich selber wünschen mag.

Auch der Traum über den Sieg in der UEFA Champions League das internationale Geschäft der Königsklasse wieder zu erreichen, ist leider schon ausgeträumt. Und dann kam ausgerechnet der FC Bayern München am vergangenen Spieltag vorbei...

Topspiel des Zehnten gegen den Ersten

Die Macher des Bundesliga-Spielplans von der DFL und ihren Werbepartnern hätten sich das im Vorfeld vielleicht nicht wirklich vorstellen können, dass das Spiel des einsamen Tabellenführers gegen die Nummer 10 der Liga das “Topspiel” des Spieltages sein würde. Aber gefühlt war es das dann doch, denn es ist schon eine besondere Konstellation, wenn Borussia Dortmund auf den FC Bayern München trifft. Diesmal im heimischen Westfalenstadion.

A propos Westfalenstadion:

Fußballstadion Vor 41 Jahren wurde das Westfalenstadion eröffnet. Ja, liebe Freunde aus Herne-West - im Rahmen eines Benefiz-Spiels gegen den FC Schalke 04. Die sollten auch mal in einem schönen Stadion spielen, welches im Laufe der Jahre auch meisterlichen Flair entwickelte...

Just zu diesem 41. Geburtstag des schwarz-gelben Tempels der Glückseligkeit hatte The Unity eine Choreographie vorbereitet, an die man sich auf jeden Fall länger erinnern wird als an das spätere Gekicke.

Schön auch, dass die BVB-Fans die schönste Tribüne der Welt mit klaren Aussagen bezüglich jüngster Nazi-Machenschaften nutzten. Es bleibt zu hoffen, dass die Banner mit den klaren Aussagen auch von den Hochleistungskameras erfasst wurden, damit im Polizeipräsidium Dortmund die Botschaft ankommt - das Westfalenstadion eignet sich nicht als Kulisse für rechte Machenschaften! Und erst recht nicht in den Tagen, wo der Heinrich-Czerkus-Gedächtnislauf stattfindet.

Zurück zum eigentlichen Spiel: Wenn man die Begegnung Borussia Dortmund vs. FC Bayern München nur vom reinen Ergebnis her betrachtet, ist es ja kein wirklich schlechtes Spiel gewesen: Im Durchschnitt hatte der FC Bayern München in den Spielen der aktuellen Saison fast 3 Tore pro Spiel gemacht, diesmal konnten die Bayern “nur” ein Tor machen und gewannen nur knapp mit 0:1.

Gedenkfeier in der Bittermark Aber abseits jeder statistischen Spielerei - für einen BVB-Fan ist es sch...egal, dass man “nur” 0:1 verloren hat, denn die Niederlage an sich zählt.

Besonders ärgerlich ist das vor allem deswegen, weil Borussia Dortmund nicht wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen in die Partie gegangen ist, sondern sehr wohl auch eigene Chancen hatte. Hätte beispielsweise Aubameyang mal besser gezielt, hätte der bayerische Torangestellte nicht wieder seine Weltklasse gezeigt ... hätte, hätte, Fahrradkette.

Ob man sich jetzt aber als Verein selber dafür fast schon “feiern” muss, dass man dem designierten Meister FC Bayern München statistisch “weh” getan hat, weil man mehr als doppelt so viele Torschüsse hatte und der Ballanteil ausgeglichen war, sei aber mal dahingestellt.

Auch muss man sich die Frage stellen, ob nach dieser Partie eine Punkteteilung wirklich gerecht gewesen wäre. Dies hatten nach dem Spiel einige Personen in Schwarz und Gelb öffentlich formuliert. Natürlich wäre das durch die schwarz-gelbe Brille betrachtet toll gewesen, wenn man einen Punkt behalten hätte, aber zwingend war das nach dem Spielverlauf nicht. Man muss (als BVB-Fan gehört das Wort “leider” jetzt definitiv dazu) leider feststellen, dass Pep Guardiola das perfekte Rezept gegen das Spiel der Borussen hatte, die es sich mal wieder beim Kampf gegen angerührtes Beton im eigenen Wohnzimmer schwer machten. Dass dann am Ende auch noch Robert Lewandowski das Spiel durch seinen Treffer entschied, hätte nur noch dadurch - im negativen Sinne - getoppt werden können, wenn Mario Götze das Tor gemacht hätte.

Vor dem Pokalspiel Anstatt dass man sich mit statistischen Tricks versucht das Spiel schönzureden, sollte man einfach an alte Tugenden anknüpfen: Den Dreck der Niederlage abschütteln, Mund abwischen und weitermachen!

Bereits am Dienstag empfängt Borussia Dortmund im altehrwürdigen Tempel erneut einen Gegener zu einem Heimspiel: Im Viertelfinale des DFB-Pokals empfangen die Borussen den hier nicht immer gerne gesehenen Gast aus Hoffenheim. Die Begegnungen zwischen den beiden Vereinen gehören ja nicht gerade zur Kategorie “Freundschaftsspiel” und bekanntlich tut sich der BVB mit diesem Gegner - auch in den Zeiten, wo er deutlich besser spielte als in dieser Saison - schwer.

Insofern würde ein klarer Sieg von Borussia Dortmund die Fans wieder mit dem Spiel vom vergangenen Samstag versöhnen - und man hätte wieder einmal die Gelegenheit den schönen Schlachtruf “Berlin, Berlin - wir fahren nach Berlin” zu rufen.

Jens Matheuszik - Gib mich die Kirsche

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