Siegesserie auf dem Rasen - Ausfälle auf den Rängen

Die Dortmunder Ultras "Desperados" solidarisieren sich mit der Kölner Gruppe "bOYZ2:
Die Dortmunder Ultras "Desperados" solidarisieren sich mit der Kölner Gruppe "bOYZ2:
Foto: imago/Thomas Bielefeld
Was wir bereits wissen
Drei Siege in Serie lassen die Herzen der BVB-Fans höher schlagen. Doch auf den Rängen gab es auch Unerfreuliches, so Kolumnist Jens Matheuszik.

Dortmund.. Der vergangene Bundesliga-Spieltag war für schwarz-gelbe Seelen ein schöner. Endlich mal wieder eine Siegesserie des BVB – ja, nach drei gewonnenen Spielen kann man von einer Serie sprechen - vor allem vor dem Hintergrund des diesjährigen Saisonverlaufs - und endlich hat man sogar wieder ein wenig Potential nach oben. Doch auch wenn die Europa League-Plätze nicht weit entfernt sind, sollte man lieber kleinere Brötchen backen. Der Klassenerhalt ist noch längst nicht gesichert.

Auch Borussias Zweitvertretung betätigte sich am vergangenen Wochenende als Punktesammler und hat zumindest einen Punkt gewonnen, einen Punkt der im Tabellenkeller der 3. Liga sehr benötigt wird und umso erlösender wirkte, da er quasi mit dem Abpfiff eingefahren wurde. Anders ausgedrückt: Da hatte auch mal der BVB II etwas Dusel.

Zwar war das 3:2 der Lizenzmannschaft in Stuttgart am Ende ergebnistechnisch etwas knapp, aber entscheidend sind die drei Punkte und über das ganze Spiel war Borussia Dortmund auch die klar dominante Mannschaft (was in der Vergangenheit aber leider auch nicht immer ausreichte).

BVB hatte in Stuttgart Dusel

Ehrlicherweise muss man jedoch eingestehen, dass auch das Profiteam von Borussia Dortmund etwas Dusel hatte. Denn der BVB – bzw. Nuri Sahin – hatte in der einen speziellen Situation dann doch etwas mehr Glück als sonst üblich. Wenn man mal die schwarz-gelbe Brille ablegt, dann hätte der Schiedsrichter doch anders entscheiden müssen, als Dortmunds Deutschtürke Stuttgarts Niedermeyer im Fünfmeterraum von den Beinen holte. Über den Strafstoß hinaus hätte hier ein Platzverweis den Regeln entsprochen.

Nur wer von Karneval noch ein wenig närrisch ist, wird verneinen, dass es sich hier um die Verhinderung einer klaren Torchance handelte. Außer man argumentiert, dass ein Stuttgarter vor dem gegnerischen Tor eben nicht automatisch eine solche klare Torchance darstellt. Wobei: Beim derzeitigen Tabellenstand könnte man ja… Nein, als Borusse und als Fußball-Fan sollte man nicht so argumentieren und stattdessen darauf hoffen, dass die Gremien des Fußballs sich tatsächlich dieser Problematik annehmen.

Ultras Es gab jedoch auch ein paar Ausfälle - und damit ist ausnahmsweise nicht die medizinische Abteilung der Schwarz-Gelben gemeint. Es sind eher andere Dinge zu erwähnen, die eigentlich und so direkt nicht wirklich etwas mit Borussia Dortmund zu tun haben, sondern eher mit einem - kurz nach Aschermittwoch darf man das ja noch schreiben - Karnevalsverein.

Solidarisierung mit Boyz Köln

Die Rede ist natürlich vom 1. FC Köln. Die verurteilenswerten Ausschreitungen nach dem vergangenen Rhein-Derby (gegen die andere Borussia) führten bei einigen BVB-Fans zu einer Solidarisierung, die zumindest in einer Form, wie man sie am letzten Spieltag sah, mehr als kontraproduktiv war, sofern mit ihr ein Ziel jenseits plumper Provokation verfolgt wird. Man kann ja der Meinung sein, dass der 1. FC Köln als Verein Grenzen überschritten hat, als er eine gesamte Fangruppierung kollektiv bestrafte – eine solche Aussage ist im Sinne freier Meinungsäußerung natürlich zu ertragen, auch wenn der Autor dieser Zeilen sie bei weitem nicht teilt.

Genauso sollen diese Fans dann aber ertragen, wenn man die Meinung verkündet, dass Banner mit der Aufschrift “Je suis Boyz Köln” geschmacklich mehr als nur daneben sind. Wenn ein Attentat auf die Grundwerte unserer freien Gesellschaft - namentlich Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und die Rechtsstaatlichkeit - verübt wird, wie es in Paris der Fall war, dann sollte die Solidarisierung mit den Opfern nicht so missbraucht werden.

Fan-Krawalle Apropos Missbrauch: Ebenso zu verurteilen sind dann aber Medienkommentare, wonach der BVB-Spieler Kevin Großkreutz sich quasi ebenfalls “schuldig” gemacht hätte. Wenn eben dieser Kevin Großkreutz vor einigen Monaten sich alleine kleidungstechnisch schon mit den Boyz Köln solidarisiert hat, dann darf das kein Grund sein, ihm jetzt - Monate später - das Verhalten der Boyz Köln vorzuwerfen. Denn Sippenhaft mit Strickwaren gibt es in unserem Land auch nicht! Und dass Kevin Großkreutz eine Kristallkugel hat, aus der er vor einigen Monaten schon erfahren konnte, was dann Anfang 2015 passieren würde - das wäre uns auch neu. Falls doch, soll er bitte mal schauen, an welchem Spieltag der BVB die Qualifikation für das internationale Geschäft erreicht...

23.02.2015, Jens Matheuszik, Gib mich DIE KIRSCHE