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Reus trumpft bei 5:0 des BVB gegen Gladbach groß auf

30.09.2012 | 19:35 Uhr
Mann des Abends: Marco Reus von Borussia Dortmund.Foto: Getty Images

Dortmund.   Borussia Dortmund zeigte beim 5:0 gegen Borussia Mönchengladbach, was in Zukunft möglich sein. Der ehemalige Gladbacher Marco Reus legte einen grandiosen Auftritt hin und erzielte zwei Tore. Die Gladbacher erkannten, was sie verloren haben.

Er steht dort in Gelb, schmal und blass, und sein Blick geht hinüber zur Treppe, über die gerade Roman Weidenfeller mit Freundin in der Nacht verschwindet. Wie in Wellen rollen Fragen an Marco Reus heran, Fragen aus einem Pulk von Journalisten, der Antworten haben möchte, die Reus nicht wirklich liefern kann. Wie soll ein Künstler sein Werk erklären, das sehr viel auf Intuition, Kreativität, Bauchgefühl gründet? Ein scheuer Künstler zumal, ein Künstler, der eher das leise Wort liebt und in diesem Moment sehr gerne den Weg aus dem Scheinwerferlicht nehmen und Roman Weidenfeller folgen würde.

Kommentar
Dortmunds Reus ließ sich gegen Gladbach nicht beirren

Marco Reus machte es nichts aus, dass über 80.000 Augenpaar und unzählige Kameras auf ihn gerichtete waren. Unbekümmert zeigte er das, was seinem...

Marco Reus hat ein großartiges Kunst-Stück geschaffen, hier im Dortmunder Stadion, in dessen Untergeschoss er nun bei den Reportern angelangt ist. Auf dem Rasen hat er die Massen begeistert, hat seine neue Mannschaft Borussia Dortmund zu einem 5:0-Sieg gegen seine alte Mannschaft Borussia Mönchengladbach geführt, hat zwei fabelhafte Tore erzielt und zur Bewertung seiner Leistung werden, wie das häufig in diesem Geschäft der Fall ist, martialische Begriffe herangezogen. Reus sei „eine Granate“, urteilte sein Mitspieler Neven Subotic nach dem Abpfiff, das Boulevardblatt wird am anderen Tag von der „Rakete Reus“ schreiben.

Fabelhafter Volltreffer zum 1:0

Dabei ist doch ein Künstler am Werk. Einer, der auch seinen Eingebungen folgt. Einmal wählte er den linken Fuß zum Abschluss, einmal den rechten, und es entstanden Tore, wie man sie schöner nicht malen kann. Es war eine Pointe beim ersten Treffer, dass die Vorlage von Patrick Herrmann kam, seinem ehemaligen Zuspieler in Gladbach, der jetzt, da Reus gegangen ist, verzweifelt jemanden sucht, der es versteht, mit ihm zu kombinieren. Reus zog mit Herrmanns Ball davon und schob erst Roel Brouwers, dann Marc-Andre ter Stegen die Kugel durch die Beine. Soto Dominguez blieb ein Schicksal wie seinen Mannschaftskameraden erspart. Er rutschte weg, als der Dortmunder auf ihn zustrebte.

Gladbach
BVB-Star Marco Reus tröstete Gladbachs Tony Jantschke
BVB-Star Marco Reus tröstete Gladbachs Tony Jantschke

Minutenlang stehen sie beisamen und immer wieder streichelt Marco Reus seinem alten Kollegen Tony Jantschke durch die Haare, spendet dem Abwehrspieler Trost. Es kam einer Entschuldigung gleich, dass Reus, der Borussia Mönchengladbach in der vergangenen Saison in die Champions-League-Qualifikation geschossen hatte, seine alten Mannschaftskameraden fast im Alleingang zerlegte. Zwei Tore erzielte der Nationalspieler für seinen neuen Verein Borussia Dortmund; etliche mehr wären dazu gekommen, hätte Gladbachs Schlussmann nicht erneut einen guten Tag gehabt.

Von Trost wollte Jantschke aber nichts wissen. "Nein", sagte der Außenverteidiger, der auf seiner rechten Seite häufig Reus auf sich zu preschen sah. "Trost" brauche er nicht. "Wir waren einfach zu schlecht und haben zu Recht hier so hoch verloren."   

Gladbachs Situation "kritisch"

Drei Tore fallen nach Kontern, ärgert sich Jantschke. Auswärts. Bei Borussia Dortmund. "Keine Ahnung, warum wir da so offen stehen", zuckt der U21-Nationalspieler die Schultern. Das sei zu einfach für den Gegner. "Wichtig ist, dass wir jetzt wieder die Köpfe hoch bekommen", so Jantschke, denn die Situation sei "kritisch". Zwei Tage wolle der Gladbacher das Spiel jetzt sacken lassen, dann müsse man "einfach besser spielen."

Als "Warnschuss" wollte Jantschke die bittere 0:5-Pleite beim Double-Sieger nicht mehr interpretieren, "die Warnschüsse waren doch schon die beiden Spiele davor". Es sie eher eine Tendenz und "wir müssen es jetzt einfach begreifen und kompakter stehen."

Marko Reus mit der "Becker-Faust"

Reus versuchte es in seinen sieben TV-Interviews, die er geben musste, erneut mit tröstenden Worten. "Für meine ehemaligen Teamkollegen tut es mir leid, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es in Dortmund ist, wenn man hier erst einmal 0:2 oder 0:3 zurückliegt."

Aus Anstand jubelte Reus bei seinen Treffern nicht. Nur eine "Becker-Faust" ist ihm "einfach so" rausgerutscht. Aber von dem Respekt kann sich weder die Borussia aus Mönchengladbach noch Tony Jantschke etwas kaufen. Vielleicht aber fand Reus nach dem Spiel in der Gladbacher Kabine ein paar aufmunternde Worte für einen ehemaligen Mitspieler. Die kann Jantschke wirklich brauchen.

Reus wickelte die ganze ­Aktion in einer Hochgeschwindigkeit ab, der das Auge kaum folgen konnte. Manches Detail erschloss sich für den Zuschauer erst bei der Betrachtung der Zeitlupe. Der fabelhafte Volltreffer zum 1:0, der den BVB nach schleppendem Beginn auf die Straße des Erfolges brachte, war – wie sich zu ­aller Überraschung herausstellte – noch nicht einmal der Höhepunkt des Abends.

„Keiner wusste, wo der Ball hinfliegen wird, außer Marco“, staunte Jürgen Klopp über Reus’ zweites Tor, ein Tor aus dem Nichts. Diesem Schuss von der Strafraumkante über den Schlussmann hinweg in den weit entfernten Torwinkel lag Phantasie zu Grunde, aber auch Kalkül. Der Künstler entschied sich im Bruchteil einer Sekunde zu seinem Versuch, „obwohl es im Training nie geklappt hat“, bezog aber zugleich sein Wissen aus Mönchengladbacher Zeiten mit ein: „Ich ­habe lange mit ter Stegen zusammengespielt und weiß, wo er ungefähr steht“. Jürgen Klopp fand für den Treffer seines 17,2-Millionen-Einkaufs ein einziges Wort: „Weltklasse.“ Derart hoch benotet, stellt sich die Frage, in welcher Kategorie Reus landen soll, wenn eintritt, was Klopp ankündigt: „Er wird irgendwann unser Spiel gefressen haben, und dann wird er noch stärker.“

Reus bewegte sich in einem Spannungsfeld der Gefühle

Der Nationalspieler führte den Dortmundern verlockend vor ­Augen, was in Zukunft möglich sein kann. Den Gladbachern machte er schmerzhaft deutlich, was sie verloren haben. Dabei bewegte sich Reus in einem Spannungsfeld der Gefühle. Nach seinem ersten Tor verzichtete er „aus Respekt“ auf jeden Jubel, nach dem zweiten Treffer hob er spontan den Arm, hielt sich dann aber wieder zurück. Seine Reaktion erinnerte ein wenig an Angela Merkels Auftritt in Dortmund, der Kanzlerin fiel auch erst mit Verspätung ein, dass sie in ihrer Rolle besser neutral sein sollte. „Ich hatte drei tolle Jahre in Gladbach, die mich sehr geprägt haben“, sagte Reus.

Da stand er immer noch unten im Gang bei den Medienleuten, Weidenfeller war schon lange weg, aber aus der Spielerkabine wummerte Musik. Einer war noch dort, Mario Götze, sein bester Kumpel. Der kam dann, um ihn abzuholen. „Laber’ nicht ‘rum“, sagte Götze zu dem Künstler, der doch sowieso lieber schweigen wollte. Da endlich durfte Reus die Treppe nach draußen nehmen.

BVB zerlegt Gladbach 5:0

 

Klaus Theine

Kommentare
01.10.2012
11:15
Reus trumpft bei 5:0 des BVB gegen Gladbach groß auf
von mlenza | #7

Kann das mit dem "nicht Jubeln aus Respekt vor dem alten Verein" nicht mehr sehen und hören. Wie sieht es mit dem Respekt vor den Fans des neuen Clubs...
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3 Antworten
Reus trumpft bei 5:0 des BVB gegen Gladbach groß auf
von roger03 | #7-1

Note 1 mit *. Genauso sehe ich das auch. Nicht nur wegen der Fans - aber - wer bezahlt diese Spieler jetzt - in diesem Fall BMG oder BVB?

Die bezahlen ihn jetzt mit und sehen das....
von soistdas1904 | #7-2


nunmal das gemacht hat wofür er bezahlt wird. TORE schiessen und fussballspielen.

Er wird nicht für jubeln oder jodeln bezahlt! Sein letzter Verein hat Ihn gut behandelt und deshalb macht er seine Arbeit. Freuen kann man sich auch OHNE grosses Kino!
Sind ja im Ruhrgebiet und nicht in NORDITALIEN oder?

Glückauf!

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Name von Moderation entfernt | #7-3

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Reus trumpft bei 5:0 des BVB gegen Gladbach groß auf
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2012-09-30 19:35
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