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Fußball

Reus kann beim BVB Lewandowskis Nachfolger werden

17.02.2013 | 19:41 Uhr
Borussia Dortmunds Marcel Schmelzer und Marco Reus feiern gemeinsam.Foto: Reuters/INA FASSBENDER

Dortmund.   Zaubern mit Mario Götze, treffen wie Robert Lewandowski: Borussia Dortmund hat im Fall des Ex-Gladbachers Marco Reus viele Optionen. Schon am kommenden Sonntag in Mönchengladbach dürfte Reus in die Spitze vorrücken, weil Lewandowski und Julian Schieber gesperrt sind.

Das Tipp-Kick-Spiel, das Medienvertreter mit einer korrekten Ergebniseinschätzung beim BVB gewinnen können, setzt langsam Staub an. Am Wochenende zuvor war der HSV zu Gast. Und wer hatte eine 1:4-Niederlage der Dortmunder notiert? Niemand. An diesem Samstag war Frankfurt der Gegner im Westfälischen. Und wer hatte auf einen 3:0-Sieg gewettet? Wieder niemand. Besondere Aufmerksamkeit erregte das bei den Trainern. Thorsten Fink fand, dass seine Hamburger den Doppelmeister so abmeiern würden, sei völlig unvorhersehbar gewesen, die Null-Trefferquote also „kein Wunder“. Armin Veh dagegen staunte darüber, dass die Packung für die Eintracht nicht auf den Zetteln notiert war: „Haben die alle höher getippt?“

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Mannschaften, die Spieltag für Spieltag selbst Fachpersonal auf diese Weise verblüffen können, werden gern als „Wundertüte“ bezeichnet. Und obwohl die Schwarzgelben in der Tabelle der Bundesliga recht souverän Platz zwei hinter den mit 15 Punkten Vorsprung enteilten Bayern gebucht haben, scheint ein Vergleich mit der Büdchen-Attraktion nicht unangebracht. Unter anderem, dass lediglich drei der letzten acht Heimpartien mit der vollen Punkte-Ausbeute beendet werden konnten, zeugt nicht davon, dass Leistung konstant abgerufen würde. Selbst Veh, der kaum eine Gelegenheit verstreichen lässt, sich als Verehrer des BVB-Stils zu offenbaren, erkennt im Wechsel zwischen anbetungswürdiger Genialität und achtloser Tändelei mit dem Fehlerteufel ein Defizit: „Das ist eine sehr gute Mannschaft, die eigentlich zu wenige Punkte hat.“

Aus Fehlern gelernt

Jürgen Klopp teilt diese Ansicht. Es ergibt sich für ihn nur nicht die Gelegenheit, sein Ensemble wirklich einmal mit einem gemeineren Vorwurf zu konfrontieren. Nach dem Einzwergen des Aufsteigers, der bisher wie ein Riese auftrat, erlaubte es sich Dortmunds Trainer aber immerhin, in Schwärmerei eingebettet darauf hinzuweisen, dass „defensivtaktisch“ bereits beim 3:0 gegen Nürnberg und beim 3:2 in Leverkusen nicht alles rund gelaufen sei. Die Daheimklatsche gegen den HSV wertete er folgerichtig als Bestrafung, allerdings als eine mit dem Potenzial zum Erweckungserlebnis: „Manchmal muss man den Fehler auch richtig fühlen.“

Um bei der Herdplattenpädagogik zu bleiben: Gegen Frankfurt machten die Dortmunder von Beginn an unwiderstehlich klar, dass sie nicht dazu bereit waren, sich noch einmal die Finger zu verbrennen. Schon in Minute acht fixierte Marco Reus das 1:0. Zwei Minuten später erhöhte wieder Reus auf 2:0. Und selbst der Gelb-Rot-Platzverweis für Ersatz-Mittelstürmer Julian Schieber in Minute 31 konnte den BVB in seinem kreativen Spiel- und Spaßdrang lediglich kurzzeitig irritieren. In Minute 65 vollendete Reus seinen Dreierpack und sorgte damit dafür, dass die Eintracht endgültig nicht mehr aufmuckte.

Der Rest war eine Mischung aus mehr oder weniger seriöser Aufarbeitung der Geschehnisse (der Fall Schieber, den Klopp zum Anlass nahm einen „entspannteren Umgang“ mit Ellenbogenstößen anzuregen, „weil der Mensch einfach in dieser Art hoch springt“) und fröhlicher Fußballliebhaberei. Das 1:0 wurde vom stark in die Elf zurückgekehrten Ilkay Gündogan eingeleitet und von Mario Götze final vorbereitet. Klopp urteilte: „sensationell herausgespielt.“ Das 2:0 legte Mats Hummels auf, der nach der Hinausstellung von Schieber wieder über den Rasen preschte, als stünde allein ihm ein Schlachtross zur Verfügung. Klopps Urteil: „richtig gut herausgespielt.“ Das 3:0 wurde wieder feinsinnig durch Gündogan und Götze arrangiert. Klopp: „überragend rausgespielt.“

BVB
Viel Lob nach starkem Auftritt der BVB-Stars Götze und Reus
Viel Lob nach starkem Auftritt der BVB-Stars Götze und Reus

Immer wieder öffnete sich die Tür zur Kabine von Borussia Dortmund, immer wieder ließ sie lautstarke Beats und Hiphop-Klänge in die Katakomben des Signal Iduna Parks entweichen. Auf die Hauptdarsteller des Abends warteten die Journalisten draußen allerdings vergeblich – bis ihnen endlich jemand mitteilte, dass Mario Götze und Marco Reus längst nicht mehr in der Kabine, sondern auf anderem Weg nach draußen gelangt waren.

Ähnlich wie den Medienvertretern war es am Samstag auch der Hintermannschaft von Eintracht Frankfurt ergangen: Was die Frankfurter Verteidiger auch anstellten, Götze und Reus entwischten ihnen immer wieder. Mit schnellen Pässen, geschickten Dribblings und klugen Laufwegen entzogen sie sich immer wieder der Bewachung ihrer Gegenspieler.

Selbst Eintracht-Trainer Armin Veh ließ sich zu einem Lob hinreißen

Nach vier Minuten tauchte Reus erstmals frei vor dem Gästetor auf, da scheiterte er allerdings noch an Torhüter Kevin Trapp. In der 10. Minute hatte er dann bereits zweimal getroffen; das 1:0 erzielte er nach einem traumhaften Pass seines kongenialen Offensivpartners Mario Götze, der ihm in der zweiten Halbzeit auch das dritte Tor auflegte.

„Das hat Marco gut gemacht“, lobte Götze. „Die Tore hätte ein anderer nicht gemacht, zumindest nicht alle drei“, ergänzte Ilkay Gündogan. „Aber Marco ist eiskalt in diesen Momenten und wir sind froh, dass wir ihn haben.“

Selbst Eintracht-Trainer Armin Veh ließ sich zu einer kleinen Hymne hinreißen: „Auch wenn ich Trainer des Gegners bin: Es ist einfach schön, zuzuschauen, wenn Götze und Reus am Ball sind.“ Prägnanter brachte es BVB-Verteidiger Neven Subotic auf den Punkt: „Ich bin selbst Fan von den beiden.“

BVB-Sportdirektor Zorc lobte nach dem Spiel vor allem auch Götze

Nach dem Spiel gegen Frankfurt dürften einige Fans dazugekommen sein. Elf Tore hat Reus nun in der laufenden Saison erzielt, acht Vorlagen hat Götze gegeben. Doch ihr Wert für die Dortmunder Mannschaft ging auch gegen Frankfurt weit über diese Zahlen hinaus: Es war nicht nur die Offensivleistung der beiden, die überzeugte; nicht nur die drei Tore von Marco Reus oder die zwei Torvorlagen von Mario Götze – nein, es war auch die intensive Laufarbeit, die beide wie auch der Rest der Mannschaft nach dem Platzverweis gegen Julian Schieber verrichteten.

„Ich bin ja noch frisch, habe frische Beine“, meinte Subotic. „Aber die Jungs haben am Mittwoch ein schweres Spiel bestritten. Dass die noch so leichtfüßig sind und so viel kämpfen und so viel hinten aushelfen, das gibt fünf Sterne von mir.“

Fünf Sterne gab es auch von Sportdirektor Michael Zorc, insbesondere für Mario Götze, der nach dem Platzverweis den Stürmer gegeben hatte. „Mario hat das in der Spitze überragend gemacht“, attestierte Zorc.

Der so Gelobte allerdings wollte seiner Rolle nicht allzu viel Bedeutung beimessen: „Ich glaube, da tut sich nicht ganz so viel, außer dass halt ein Spieler vorne fehlt. Sonst ändert sich an meiner Position relativ wenig.“

 

BVB-Jungstar Götze fühlt sich in der Offensive immer sehr wohl

Die Position als vorderste Spitze könnte Mario Götze nun auch im kommenden Bundesligaspiel bei Borussia Mönchengladbach bekleiden, denn mit Robert Lewandowski und Schieber sind beide gelernten Mittelstürmer gesperrt. Ob ihm diese Rolle denn Spaß machen würde, fragte ein Journalist, als er den 20-jährigen Offensivspieler doch noch gestellt hatte. „Klar macht es Spaß, es ist Fußball“, antwortete der. „Gerade in der Offensive hat man immer Bock zu spielen, ganz egal wie die Position heißt. Hauptsache, der Ball rollt.“ Gegen die Eintracht war dieser Spaß gut zu erkennen.

Über allen thronte aber natürlich Marco Reus, der Vollstrecker. Schieber war als Ersatzkraft für den 14-Tore-Angreifer Robert Lewandowski auch schon vor seiner Zwangsverschickung in die Katakomben nicht in die verzwickten Gedankenspiele und blitzartigen Aktionen der Spielkameraden einbezogen gewesen. Dass der BVB in Heimpartie vier in Reihe zum dritten Mal in Unterzahl agieren musste, änderte diesmal also kaum etwas an der Situation auf dem Feld (in Minute 74 wurde Frankfurts Takashi Inui mit Gelb-Rot bedacht). Als Mann, der kühl bis in die blond gefärbten Haarspitzen hinein die Bälle ins Netz beförderte, etablierte sich sofort: Reus, der 17-Millionen-Einkauf, der nominell die linke Flanke ausstatten sollte.

Elf Treffer hat Reus nun auf dem Konto. Nach der Partie gegen Frankfurt sicherte er sich gewitzt den Ball, weil er das bei seinem ersten Dreier in einer Partie versäumt hatte: „Ich wollte eine Erinnerung haben.“ Gut möglich, dass er in Zukunft auf diesem Grundstock eine kleine Sammlung aufbauen kann. Am kommenden Sonntag bei Borussia Mönchengladbach (15.30 Uhr, live in unserem Ticker) dürfte der auch bei Bundestrainer Joachim Löw unter Zentralstürmerverdacht stehende Reus in die Spitze vorrücken, weil Lewandowski (am Dienstag verhandelt der DFB noch einmal über die Drei-Spiele-Sperre des Polen) und Schieber nicht mittun dürfen. Weil ein Lewandowski-Transfer aber nicht mehr nur wie in den vergangenen Monaten in einer gewaltigen Spekulationsblase über Europa schwebt, sondern die Signale nun eindeutig auf Abschied hindeuten, liegt ein Daueraufenthalt im Sturm-Auge nahe. Und dann muss Reus darauf vorbereitet sein, bei Fehlschüssen härter rangenommen zu werden. Noch frotzelte Klopp nur: „Die größte Chance hat er vergeben.“

Reus-Gala gegen Frankfurt

 

Frank Lamers

Kommentare
18.02.2013
06:27
Kommentare # 1 - 2 - 3 - 5 - 6 - 7- 8
von Peter1208 | #9

wow....soviel Fachkompetenz ist hier selten vertreten, weiter so ;-))

2 Antworten
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Name von Moderation entfernt | #9-1

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Reus kann beim BVB Lewandowskis Nachfolger werden
von heiland | #9-2

# 9-1
willst du wirklich einen menschen neben dir haben der deine sachkompetenz übertrifft ?

was würde der fcb nur ohne deine hilfe machen ?

wir doofen BVB fans wüssten garnicht das es diesen verein gibt.

aber die bayern, die kennen den BVB, das ist nämlich der verein den sie in 7 spielen nicht besiegt haben !

in den letzten 2 spielzeiten haben der BVB dem ach so grossen fcb die meisterschaft und einen pokalsieg gestohlen, denn freiwillig geben die ja soetwas nicht her.
dem BVB haben die schiris, die schlechten plätze usw... geholfen.
in diesem jahr wird dein verein meister, aber um die anderen titel müssen sie noch spielen.
aber dfb pokal und CL titel sind ja abos der bayern !?

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Reus kann beim BVB Lewandowskis Nachfolger werden
Reus kann beim BVB Lewandowskis Nachfolger werden
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2013-02-17 19:41
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