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Nur noch ein Sieg bis Berlin

08.02.2012 | 11:21 Uhr
Nur noch ein Sieg bis Berlin
1989 wurde Norbert Dickel zum Helden von Berlin. Foto Bodo GOEKE

Dortmund.   Borussia Dortmund steht im Halbfinale des DFB-Pokals – nur noch ein Sieg bis zum Endspiel in Berlin. „Sie sehen die derzeit beste Fußballmannschaft Deutschlands“, konstatierte TV-Kommentator Tom Bartels. Möglich, dass er recht hatte.

Berlin ruft! Das Ziel aller Pokalträume ist nach dem ungefährdeten Sieg im Pokal-Viertelfinale am Dienstag in greifbare Nähe gerückt. Nur noch 90 Minuten – eventuell auch 120 – trennen Borussia Dortmund von einem möglichen Finalsieg wie weiland 1989 – dem Jahr, als Nobby Dickel zum Helden wurde und der goldene Pokal zum letzten Mal in die Vitrine der Dortmunder Borussia wanderte.

Scheinbar mühelos schaltete das Team von Jürgen Klopp den „Pokalschreck“ Holstein Kiel aus. 4:0 hieß es am Ende und nicht nur ARD-Experte Tom Bartels stellte euphorisiert und unterkühlt fest: „Sie sehen die derzeit beste Fußballmannschaft Deutschlands“. Vier eindrucksvolle Siege in vier Spielen, dazu 14:2 Tore, die Tabellenführung in der Bundesliga und der frisch herausgespielte Halbfinaleinzug im DFB-Pokal untermauern die Bartel‘sche Theorie eindrucksvoll.

BVB paart Erfolg mit Charme

Man muss derzeit wahrlich nicht zwingend Fan von Borussia Dortmund sein, um sich für die Mannschaft um Mats Hummels, Robert Lewandowski oder Shinji Kagawa erwärmen zu können. Denn der BVB paart seinen Erfolg mit einem enormen Charme. Wer Trainer Klopp bereits am Montag bei der Anlayse des unterklassigen Gegners aus Schleswig-Holstein zuhören durfte, der bekam das Gefühl, der Dortmunder Meistercoach referiere über die von Gottes Gnaden gefeierte Truppe aus Barcelona, nicht aber über Viertligist Kiel, die am Samstag im Regionalliga-Alltag ein Meisterschaftsspiel in Meppen zu absolvieren hat. Und so trat seine Mannschaft im „Kühlschrank von Kiel“ auch auf.

Desinteressiert daran, ob der Gegner Lionel Messi oder Christian Jürgensen hieß, jedoch gut informiert darüber, dass der Weg zum Erfolg nur über den Ball geht, der auch den Weg ins Tor findet. Allein die Tatsache, dass die – bei allem Respekt – auf dem Papier stets unterlegene Elf von Holstein Kiel es überhaupt in ein Pokal-Viertelfinale gegen den BVB geschafft hat, ist ein wunderbarer Beleg dafür, dass eine solche Einstellung im heutigen Profiußball bei weitem nicht Gang und Gäbe ist.

Jürgen Klopp lebt diese Philosophie, er hat der Mannschaft ihren eigenen Spielstil, den bereits oft zitierten „BVB-Fußball“ eingeimpft. Eine zur Zeit scheinbar gegen nahezu alle und jeden resistente DNA, die erstmals in der Geschichte des Deutschen Profiußballs selbst die legendären Störfeuer aus München, wie ein Streichholz im Tiefschnee verpuffen lassen. Zumindest entfachte die Nachricht, der FC Bayern habe dem BVB in dessen Finanzkrise vor mehr als acht Jahren einst mit einem Kredit in Höhe von zwei Millionen Euro „ritterlich“ geholfen, Anfang der Woche nicht den von Uli Hoeneß erhofften Flächenbrand.

Die aktuelle Leistung genießen

Warum auch? Abgesehen davon, dass das Interesse der Bayern am Fortbestand des BVB im Sinne der Attraktivität der Bundesliga für Sponsoren und Fans nicht allzu klein gewesen sein sollte: Diese Nachricht sollte uns alle viel mehr daran erinnern, wie knapp unser BVB vor gar nicht allzu langer Zeit einer unendlichen Katastrophe entgangen ist und wie sehr wir die aktuelle Leistung des Vereins schätzen und genießen sollten.

Mit dem Einzug in die Runde der vier letztverbliebenen Teams im Deutschen Vereinspokal und der parallelen Tabellenführung in der Bundesliga steht Borussia vor der bisher einmaligen Chance das erste „Double“ in der über 100-Jahren alten Vereinsgeschichte des BVB gewinnen zu können. Bei aller berechtigter Vorsicht vor zu viel Träumerei - und im klaren darüber, dass mit der Partie am kommenden Samstag gegen Bayer Leverkusen eine harte Bewährungsprobe auf den BVB wartet: allein die Tatsache, dass die Vorstellung, Schale und Pokal könnten im Mai 2012 den Weg ins Borusseum finden, nicht mehr ganz so abwegig erscheint, ist ein Ausdruck meiner nicht enden wollenden Bewunderung für diese Mannschaft und diesen feinen Fußball.

(08.02.12 – Christoff Strukamp – die-kirsche.com)

BVB siegt auf Frostboden

 

Christoff Strukamp

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