Nur Chancenverwertung stimmt nicht bei Borussia Dortmund

Eines von vielen Beispielen für die Dortmunder Abschlussschwäche: Lukasz Piszczek vergab Mitte der ersten Halbzeit nach Traumpass von Mkhitaryan.
Eines von vielen Beispielen für die Dortmunder Abschlussschwäche: Lukasz Piszczek vergab Mitte der ersten Halbzeit nach Traumpass von Mkhitaryan.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Mit einem 1:0-Sieg über Borussia Mönchengladbach hat Dortmund die Niederlagenserie von fünf Spielen in der Bundesliga beendet. Es war ein hochverdienter Erfolg - der aber auch ein altbekanntes Problem offenbarte.

Dortmund.. Es war ein ungewohntes Gefühl, mit dem die Spieler von Borussia Dortmund am Sonntag den Platz betraten: Weil Werder Bremen tags zuvor den VfB Stuttgart mit 2:0 besiegt hatte, ging der BVB als Bundesliga-Schlusslicht in die Partie gegen Borussia Mönchengladbach. "Wir waren in einer sehr, sehr verrückten Situation, es war für uns alle surreal, auf dem letzten Tabellenplatz zu stehen", sagte Neven Subotic anschließend. "Dann geht man das Spiel an und es ist alles so, wie wir es erwartet haben."

Tatsächlich spielten die Dortmunder kein bisschen wie ein Tabellenletzter. Von Beginn an setzten sie Gladbach unter Druck, drängten die Gäste tief in deren Hälfte eroberten Bälle und kamen zu Abschlüssen. Alleine Reus hätte schon früh die Weichen auf Sieg stellen können, doch er schoss erst knapp vorbei (2.), dann wurde sein Schuss vom starken Glabacher Torhüter Yann Sommer noch an den Pfosten gelenkt (9.). Zwar wies die Statistik nach der ersten Halbzeit 13:0 Torschüsse für den BVB aus - aber auch einen Spielstand von 0:0.

"Natürlich hadert man da mit dem Spiel", sagte Marco Reus. "Aber wir wussten, dass wir noch mehr solcher Chancen bekommen, wenn wir so weiterspielen." Tatsächlich ging es nach der Pause weiter wie in Durchgang eins: Dortmund machte das Spiel, Dortmund kam zu Chancen - und vergab diese in schöner Regelmäßigkeit. Wäre es Cricket, hätten wir wohl noch drei, vier Tage gespielt und trotzdem nicht getroffen", unkte Subotic.

Gladbach trifft mit dem ersten Torschuss

Und so kam es wie so oft in den vergangenen Wochen: Gleich mit dem allerersten Torschuss traf der Gegner. Gladbachs Mittelfeldspieler Christoph Kramer hob den Ball aus rund 40 Metern in perfekter Flugkurve über den Torhüter. Ein herrlicher Treffer, der aus Sicht der Fohlen nur einen Schönheitsfehler hatte: Der Ball war im eigenen Tor gelandet. Kramer hatte ihn beim Versuch einer Rückgabe völlig falsch getroffen hatte.

Es war der ironische Höhepunkt einiger verrückter Wochen, der von einigen sogleich metaphysisch ausgedeutet wurde. "Diese verrückte Pechsträhne der letzten Wochen, in denen wir nicht in jedem Spiel deutlich schlechter waren als der Gegner, ist nun durch ein verrücktes Tor beendet", freute sich Subotic.

Offensichtlich handelt es sich aber eher um einen mittel- bis langfristigen Effekt. Auch nach dem 1:0 drängte der BVB auf einen eigenen Treffer, aber auch jetzt wollte dieser trotz bester Gelegenheiten nicht gelingen. Allein Kevin Großkreutz und Pierre-Emerick Aubameyang standen in der Nachspielzeit gleich zweimal frei vorm Gladbacher Tor, trafen aber nicht.

"Haben Gladbach an die Wand gespielt"

Dass der 1:0-Sieg dennoch verdient war, mochte niemand bestreiten. "Wir hatten den Luxus, dass wir uns auf den Gegner richtig einstellen konnten", erklärte Subotic. Weil dieses Mal fünf Tage zwischen Champions League und Bundesliga lagen, blieb neben Regeneration auch Zeit, im Training taktische Feinheiten einzustudieren. "Und man hat gesehen, dass solche Einheiten gut sein können", sagte Subotic. "Wir haben Gladbach, eine Mannschaft, die eine fabelhafte Saison spielt, wirklich an die Wand gespielt."

Was kein Stück übertrieben war, denn auch in der zweiten Halbzeit spielte nur eine Borussia: die aus dem Ruhrgebiet. Sebastian Kehl in seinem 300. Bundesligaspiel und Sven Bender, denen nicht nur Gladbach-Trainer Lucien Favre eine hervorragende Leistung attestierte, ließen die Gäste im Spielaufbau kaum einmal zur Entfaltung kommen. Die wenigen Angriffe, die an ihnen vorbei kamen, räumten die Innenverteidiger Subotic und Sokratis rigoros ab. Und vorne wirbelte vor allem Reus die Gladbacher Abwehr durcheinander.

"Wir haben riesige Schritte gemacht"

Durch den hochverdienten Sieg machte sich der Aufwärtstrend der letzten Wochen endlich auch einmal in der Tabelle bemerkbar. "Wir haben schon in den letzten Wochen riesige Schritte gemacht, ob es gegen München oder Hannover war", sagte Erik Durm. "Darauf haben wir heute aufgebaut. Wir haben den Plan vom Trainerteam super umgesetzt."

So gehen die BVB-Akteure mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause. "Für uns ist es toll, zu wissen, dass wir in der Bundesliga gegen so eine Truppe wieder gewinnen können", sagte Bender. Ein Ende der Krise wollte aber noch niemand ausrufen. "Es war ein wichtiges Spiel, dass wir unbedingt gewinnen mussten", sagte Henrikh Mkhitaryan. "Jetzt müssen wir in zwei Wochen gegen Paderborn nachlegen." Und der Mittelfeldspieler benannte auch klar, was der BVB dann besser machen muss: "Wir müssen künftig unsere Chancen besser nutzen und selbst treffen, anstatt zu warten, dass der Gegner das erledigt."