Marco Reus und die Ohnmacht des BVB - ein Kommentar

Verschnupft über den Bayern-Kollegen Rummenigge: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.
Verschnupft über den Bayern-Kollegen Rummenigge: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
So nachvollziehbar auch Hans-Joachim Watzkes Ärger über die jüngsten Äußerungen des Bayern-Vorstandchefs Karl-Heinz Rummenigge zur Vertragssituation von Marco Reus auch ist - seine heftige Reaktion ist letztllich Ausdruck der Dortmunder Ohnmacht. Ein Kommentar

Essen.. Für Borussia Dortmund ist es ein Alptraum: den FC Bayern irgendwann mit Lewandowski, Götze und Reus im eigenen Stadion auflaufen zu sehen. Das Ärgerlichste daran: Es liegt nicht in der Hand des BVB, dieses Szenario zu verhindern. Die jüngsten Beteuerungen des Nationalspielers, er sei „echt glücklich, für den BVB zu spielen“, dürften bei Schwarz-Gelb kaum als „Entwarnung“ verstanden worden sein. Zumal Bayerns Vorstandschef Karlheinz Rummenigge postwendend einen neuen Nadelstich gesetzt hat, indem er die bisher im Zusammenhang mit der Ausstiegsklausel im Reus-Vertrag kolportierten 35 Millionen Euro öffentlich auf 25 Millionen herunter redete.

Welche Absicht hinter Rummenigges Äußerung steht, begreift der naivste Fußballfan. Hans-Joachim Watzke hätte sich deshalb den Hinweis darauf verkneifen können. Stattdessen demonstriert der BVB-Geschäftsführer mit seiner heftigen Reaktion nur, dass der Bayern-Chef einen Wirkungstreffer gelandet hat.

Noch so viele verbale Scharmützel können freilich den Blick auf den Kern der Sache nicht vernebeln: die Ohnmacht des BVB, weil allein der Spieler entscheidet, wo er in der Saison 2015/16 spielt. Das Argument, der Klub hätte eben keine Ausstiegsklausel zulassen dürfen, zieht nur bedingt. Erstens hatte Reus seinerzeit die bessere Verhandlungsposition. Zweitens bieten auch Verträge ohne Ausstiegsklausel keine Garantie, einen wechselwilligen Spieler bis zum Ende der Laufzeit halten zu können; ihr einziger Vorteil: der abgebende Verein kann die Ablöse nach oben treiben, wenn der Marktwert des Spielers entsprechend gestiegen ist.

Man ersetze Reus und Dortmund durch Draxler und Schalke

So heftig die Emotionen in der Causa Reus – gerade vor dem Hintergrund der Wechsel von Lewandowski und Götze – auch sein mögen: Nach den Gesetzen des Profifußballs handelt es sich um einen ganz normalen Geschäftsvorgang. Wer will, darf auch sagen: um den ganz normalen Wahnsinn.

P.S.: Wer die Namen Reus und Dortmund durch Draxler und Schalke ersetzt, kennt den nächsten Fall, in dem eine Ausstiegsklausel eine Rolle spielen wird – vorausgesetzt, Schalkes Jungstar zeigt in dieser Saison Leistungen, die einem Klub 45 Millionen Euro wert sind.